Ausstellungsbesprechungen

MEHRSCHICHTIG 2

Die experimentelle Ausstellungsreihe »MEHRSCHICHTIG«, die im vergangenen Jahr als »work in progress« bereits begonnen hatte, wird im temporären schauraum in Bexbach fortgeführt. In der Ausstellung »MEHRSCHICHTIG 2«, die bis zum 31. Mai 2008 zu sehen ist, tritt der, in Frankreich lebende, Künstler Schmal in einen spannenden, vor allem aber fruchtbaren Dialog mit Peter Köcher.

Die Werke der beiden Künstler werden jedoch nicht »isoliert« präsentiert, sondern – und das ist ein wahrer Hochgenuss dieser Ausstellung – die zwei ganz unterschiedlichen »Künstlerhandschriften« überlagern, kontrastieren, harmonieren miteinander, schaffen aber auf jeden Fall ein vielfältiges, »augenbetörendes« künstlerisches Experimentierfeld auf den bemalten Wänden in der Galerie.

Durch Schmals Kompositionen huscht immer wieder der markante Schatten Köchers und mit dessen Handschrift wiederum vereint sich der Schmalsche Geist. Dabei entwickeln sich die Grundzüge des Lebens – es sind surreale, expressive Seelenlandschaften, die sowohl humorvoll und skurril als auch vielschichtig und tiefgründig sind. Es ist ein kreativer Austausch, der als Ergebnis ein ausbalanciertes, von Kraft durchdrungenes Werk hervorbringt.

Neben dieser Gemeinschaftsarbeit direkt auf der Wand finden sich zwei von Köcher positionierte »object trouvé«, die die Augen des Betrachters schon beim Betreten der Galerie magnetisch anziehen. Da ist zum einen diese von einem Körperabdruck geprägte Matratze, die in den Winkel zweier Wände spannungsvoll integriert wurde und zum anderen jene am Boden positionierte Matratze, auf der Glasscherben übereinander gelagert sind. Gerade durch die Scherben wird auf die Fragilität, die Zerbrechlichkeit und die Verletzbarkeit im Leben hingewiesen. Wie das zerbrochene Glas, so ist auch die Bedeutung dieses Objektes mehrschichtig. Der Betrachter erhält Freiraum für eigene Ideenspiele, Interpretationen und besonders für eigene Emotionen.

Neben den Objekten werden großformatige Gemälde beider Künstler gezeigt. Im ersten Raum ist es die bunte, bisweilen grellfarbige, an Popart erinnernde Malerei Schmals. Zu seinem skurrilen Motivrepertoire zählen etwa Rad, Nagel, Hammer, Kreuz, harlekineske Muster, Schachbrettfiguren, Zahlenreihen, Mondsichel oder der Schmerzensmann, bei dem man bisweilen glaubt, das Shakespearesche »Sein oder nicht sein« zu vernehmen.

Fortsetzung von Seite 1

Im nächsten Raum dann sind die farbreduzierten Arbeiten Peter Köchers gezeigt. Großformatig steht dem Betrachter hier der dynamische Schatten gegenüber. In schwarzer, weißer und roter Farbe entwickelt der Künstler eine kraftvolle, vitale und somit ausdrucksstarke Szenerie.

In zwei weiteren Räumen finden sich etwas kleinere Arbeiten beider Künstler. Da sind die aquarellierten Tuschezeichnungen und Kollagen Köchers, wobei gerade letztere eine markante Textur besitzen, da sie in vereinzelten Partien »moduliert« erscheinen. Sie geben damit die Zweidimensionalität des Papiers auf, erheben sich und werfen kleine Schatten. Demgegenüber begegnen dem Betrachter in Schmals kleinformatigen Arbeiten farbig zurückgenommene Computerzeichnungen, die in ihrer Formensprache – gerade was die kräftigen Gliedmaßen anbelangt – Assoziationen an Picasso hervorrufen.

Dem temporären schauraum ist eine innovative, experimentierfreudige und facettenreiche Präsentation gelungen, die durch eine wohldurchdachte Positionierung der Arbeiten – denn nicht alles wurde dem Zufall überlassen – und ganz besonders durch hervorragende Arbeiten der beiden Künstler zu überzeugen weiß. Fazit: Eine absolut sehenswerte Ausstellung, die erfrischende Kunst verspricht!

 

 

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Öffnungszeiten
Dienstag, Donnerstag, Freitag von 15-19 Uhr
Samstag 9-13 Uhr