Ausstellungsbesprechungen

Meisterstücke des Ukiyo-e vom Victoria & Albert Museum in London – noch bis zum 15. März!

„...lebend nur für den Augenblick, betrachten wir aufmerksam die Schönheit des Mondes, des Schnees, der Kirschblüten und der Ahornblätter, singen wir Lieder, trinken Wein und lassen uns fröhlich treiben – im Treibenlassen kümmern wir uns nicht um die Armut, die uns ins Gesicht starrt, und wir weigern uns, mutlos zu sein gleich einem Kürbis, der in der Strömung des Flusses treibt: dies alles nennen wir die fließende vergängliche Welt...“ Mit diesen Worten beschrieb der japanische Dichter Asai Ryôi im 17. Jahrhundert in seinem Roman „ukiyo-monogati“ (Erzählung von der vergänglichen Welt) das Wesen dessen, was die japanische Kunst, aber vor allem die japanischen Farbholzschnitte, widerspiegelte: „Ukiyo“.

Ukiyo gewann im Laufe des kulturhistorischen Wandels Japans eine neue Bedeutung. Im Zuge der zweihundertjährigen Abriegelung des Landes entwickelte sich der Begriff dahin, dass er Sinnbild für Lebensgenuss, Vergnügung und Sinnlichkeit war – die fließende, heitere und vergängliche Welt. Bilder, die diese vergnügliche und irdische Welt darstellten, wurden „Ukiyo-e“ genannt und hatten Kurtisanen, Erotika, Theater, Schauspieler aber auch Landschaften und Pflanzen- und Tierdarstellungen als bevorzugte Themen. Als sich Japan im Jahre 1854 mit der durch Amerika erzwungenen Aufhebung der Abriegelung der Landesgrenzen wieder der Welt öffnete, verschwand langsam dieses wunderbare Phänomen des Ukiyo-e. Im Vergleich zu den jahrhundertealten Traditionen in der japanischen Kulturgeschichte war die Zeit des Ukiyo-e, dessen Blütezeit sich in der Mitte des 19. Jahrhunderts befand und insgesamt etwa nur 150 Jahre währte, relativ kurz. Doch die Wirkung dieser einzigartigen Darstellungsweise war für die europäische Kulturgeschichte bedeutend und nachhaltig. Ausgehend von Paris waren die Künstler und Kunstsammler ganz Europas fasziniert von den neuen Gestaltungsweisen der Ukiyo-e Holzschnitte. Künstler wie Monet, Degas, Bonnard, Van Gogh und viele andere sammelten nicht nur die japanischen Farbholzschnitte, sondern betrachteten diese als Motor für das eigene künstlerische Schaffen und eine neue Ära in der europäischen Malerei und Grafik. Daneben begannen viele Museen, Institute und private Kunstliebhaber beachtliche Ukiyo-e Sammlungen aufzubauen.
Das Victoria & Albert Museum in London besitzt eine der größten und exzellentesten Ukiyo-e Sammlungen der Welt, die über 25.000 Holzschnitte, Gemälde, Zeichnungen und Bücher umfasst. Doch erst im Jahre 1973 wurde mit der Ausstellung „The Floating World“ erstmals die volle Sammlung im Victoria & Albert Museum gezeigt.
Mit der aktuellen Ukiyo-e Ausstellung „Masterpieces of Ukiyo-e from the V&A“, die seit 2007 an verschiedenen Orten in Japan gezeigt wurde, gibt es jetzt endlich wieder die einmalige Sammlung nach ihrer Rückkehr ins Londoner Victoria & Albert Museum in den Räumen „The Julie and Robert Breckman Gallery“ und „The Edwin and Susan Davies Galleries“ zu bestaunen.
Noch bis zum 15. März 2009 besteht die Möglichkeit, im Victoria & Albert Museum diese einmalige Ukiyo-e Sammlung zu erleben, die ein reiches Spektrum an prächtigen Farbholzschnitten, bedruckten Fächern, illustrierten Lyrikbänden, Skizzenbüchern und Zeichnungen zeigt.
Die Ausstellung ist eine von vielen Veranstaltungen im Rahmen des Programms „Japan – UK 150“, das seit Herbst 2008 und noch bis Ende 2009 in ganz Großbritannien besondere Aspekte der japanischen Kunst und Kultur in verschiedenen Ausstellungen und Veranstaltungen hervorhebt. Mit diesem Projekt werden die seit 150 Jahren andauernden diplomatischen Beziehungen zwischen Großbritannien und Japan gewürdigt. Weitere Informationen

Öffnungszeiten
Täglich von 10.00-17.45 Uhr
Freitags von 10.00-22.00 Uhr

Weitere Informationen zu den Veranstaltungen unter: www.japanuk150.org