Ausstellungsbesprechungen

Mühlenhaupt: Zwei Berliner Originale. Kurt und Willi Mühlenhaupt

Mit der Ausstellung „Zwei Berliner Originale. Kurt und Willi Mühlenhaupt“ erinnert das Museum Rade am Schloß Reinbek an die Malerpoeten Kurt (1921-2006) und Willi (1907-1976) Mühlenhaupt, die in ihren Arbeiten immer wieder Zeugnis vom Berliner „Milljöh“ auf dem Kreuzberger Kiez ablegten.

Besonders der im April dieses Jahres verstorbene Kurt Mühlenhaupt war ein stadtbekanntes Berliner Original. Er war regelrecht besessen von der Idee, das alte Kreuzberg mit seinem maroden Charme auf Gemälden, Zeichnungen und Grafiken festzuhalten. Die bröckelnden Fassaden, die anspruchslos gekleideten Bewohner des Kreuzbergbezirks und die markanten, rauchgeschwängerten  Schankwirtschaften stellten durch ihre faszinierende Ausstrahlung für Mühlenhaupt eine wahre Quelle der Inspiration dar. Aber auch sein älterer Bruder Willi war von dieser Faszination gefangen und gemeinsam gestalteten sie mit Wollust, Raffinesse und derber Deutlichkeit das sie umgebende Leben.

Kurt Mühlenhaupt, der sich autodidaktisch der Malerei annäherte, sah sich in der Nachfolge eines Heinrich Zille oder Otto Nagel. Seine Kunst, so heißt es in der FAZ vom 18. April 2006, „war ein geschätzter Exportartikel lokalbezogener naiver Malerei.“ Als Mühlenhaupt sich nach Kriegsende in der Berliner Kunsthochschule einschrieb, sann er noch danach, seinem Idol Schmidt-Rottluff nachzueifern. Doch nach kurzer Zeit eröffnete er die legendäre Künstlerkneipe „Leierkasten“, die die malende und schreibende Bohème anzog, wie Licht die Motten. Jener Kneipe setzte dann auch Robert Wolfgang Schnell in seinem 1964 erschienen Roman „Geisterbahn“ ein literarisches Denkmal.

Kurt Mühlenhaupts Arbeiten sind bestimmt von kraftvollen, ausdrucksstarken Farben und einer Neigung hin zur primitiven Kunst, besonders was die Gestaltungsweise von Figuren betrifft. Mal stößt der Betrachter auf naive, verspielte Szenen, die von einem fragil-sanften Gestus bestimmt sind, mal auf bewegte Szenen, die von Temperament durchdrungen sind. Immer wieder aber ist die Liebe zum Detail erkennbar, die nichts dem Zufall überlässt. Kurt Mühlenhaupt gestaltet so Menschen, wie Tiere und alle erhalten sie von gesättigten, leuchtenden Farben ihre Vitalität. So etwa finden sich kleine druckgrafische Arbeiten im zweiten Ausstellungsraum, wie die aus schwarzen Konturen gestaltete Figur, die auf dem leuchtenden Orange wie ein Scherenschnitt wirkt. In einem Brief an seinen Freund Italiaander, formuliert Mühlenhaupt einen Satz, den man durchaus auch mit seiner Kunstauffassung in Verbindung bringen könnte: „Ich lächle allen weise hinterher, die nach den Sternen greifen und sie nicht erreichen.“ Kurt Mühlenhaupt greift eben nicht nach den Sternen und eifert den großen Vorbilder nach, sondern schafft eine ganz eigene, bisweilen sehr persönliche Kunst.

Fortsetzung von Seite 1

Wie auch bei seinem Bruder dominieren bei Willi Mühlenhaupt reine, leuchtende Farben. Zahlreiche der in der Ausstellung präsentierten Arbeiten sind collageartig konzipiert, wie beispielsweise die Reihe von Gemälden, auf die ein bewegbarer Hampelmann montiert ist. Ein weiteres beeindruckendes druckgrafisches Werk ist „Der Mann von roten Ohren“. Zu sehen ist eine im Brustbild gezeigte männliche Gestalt mit Glatze, Falten durchfurchtem Gesicht und riesigen Ohren. Der Kopf ist in der Grundfarbe eines reinen, schillernden Rots gestaltet, wobei sich die Reihe der Grundfarben in dem gelben Hemd und dessen blauem Kragen fortsetzt. Eine Ausnahme bildet die grüne Weste, die eine Mischung aus den beiden letztgenannten Farbtönen ist. Insgesamt wirkt diese Gestalt in ihrer künstlerischen Ausformulierung äußerst expressiv und besonders die überzeichneten Körperpartien, wie etwa die Ohren, lassen an eine Karikatur denken. Dennoch ist diese Arbeit bestimmt von einer Mischung aus Ernst und Clowneske, so dass der „Verlachcharakter“ recht schnell schwindet.

Mit der Ausstellung „Zwei Berliner Originale. Kurt und Willi Mühlenhaupt“ ist dem Museum Rade eine schillernd bunte Präsentation gelungen, die dem Besucher das charismatische Berlin/Kreuzberger Leben vor Augen führt und ihm Einblick in ästhetische, ausdrucksstarke Zeugnisse zweier kauziger und schräg liebenswürdiger Künstler gewährt. Besonders überzeugend stellt sich die Hängung der Arbeiten und das Wärme versprühende Ambiente des Museums dar. Sehr passend zum bunten Treiben der Mühlenhaupt-Ausstellungsräume im Erdgeschoss, ist auch die sich im ersten und zweiten Stock erstreckende Kunstsammlung Italiaanders, der bei seinen zahlreichen Weltreisen Kunst aus fernen und nahen Ländern zu sammeln begann. Ein Museumsbesuch in Reinbek wird also auf jeden Fall ein Augenschmaus werden!

 

Weitere Informationen

 

Öffnungszeiten
Mi-So 10-17 Uhr

Mehr zu Kurt und Willi Mühlenhaupt unter:
http://www.muehlenhaupt.de