Ausstellungsbesprechungen

Münchner Kreise. Der Fotograf Theodor Hilsdorf 1868-1944.

Der Fotograf Theodor Hilsdorf brachte die Münchner Gesellschaft um 1900 ins Bild, wobei sich die V.I.P.s, die Honoratioren wie die bunten Vögel die Klinke in die Hand gaben: vom Prinzregenten Luitpold über den Musiker Max Reger und den Mediziner Ferdinand Sauerbruch bis hin zu dem Dichter Stefan George und vielen anderen mehr.

Das Atelier Friedrich Müller / Theodor Hilsdorf in der Amalienstraße gehörte bis in die 20er Jahre zu den renommiertesten Porträtfotografen der Stadt, und Hilsdorf trug den Ruf gar über Bayern hinaus. Geboren in Bingen, gehörte er zu einer Fotografen- und Künstlerfamilie. Bereits der Vater Johann Baptist Hilsdorf (1835–1918) baute ein Atelier aus; von seinen sechs Söhnen folgten Theodor (1868–1944), Jacob (1872–1916) und Hans (1882–1954) dem Fotografenberuf, ein weiterer Bruder, Karl (1865–1926), eröffnete eine Kunstgewerbehandlung.

Dem feinsinnigen Beobachter könnte bei Hilsdorfs Geburtsjahr und -ort (Bingen, 1868) durchaus der Name Stefan Georges einfallen, ein Mitschüler von Hilsdorf, der sich zum prophetisch sich gebärdenden Dichter aufwerfen sollte – in München kreuzten sich ihre Wege wieder (wobei schon der Hilsdorf-Bruder Jacob zum bekannten George-Porträtisten emporgestiegen war). Lässt man die Reihe von (weitgehend) Halbprofilköpfen vor den Betrachteraugen vorbeiziehen, fällt in der Tat der gleichsam herrische wie vergreiste Charakterschädel Georges auf, fällt sozusagen aus dieser Reihe. Mit diesen George-Bildnissen hat Theodor Hilsdorf Geschichte geschrieben, wenn auch freilich konstatiert werden muss, dass der Fotograf der königlich-bayerischen Prinzregentenzeit verhaftet war – Malerfürsten wie Lenbach oder Stuck gaben sich noch die Ehre –, die mit Ende des Ersten Weltkrieges zu Ende ging. Das Stadtmuseum zeigt rund 250 Arbeiten des Künstlers, die in einem Zeitraum von 50 Jahren entstanden sind. Auffallend ist, dass nur wenige Frauen unter den Porträtierten Modell standen. Dafür ist es wohltuend, dass neben der Männerriege auch ausgezeichnete Landschaftsbilder aus der Kamera Hilsdorfs gezeigt werden, wahrhaftige Naturporträts von großer Dramatik.

Ausgezeichnet ist der Katalog zur Ausstellung, der sich neben dem bildhaften Who is Who der Münchner Upperclass um 1900 viel Raum für gute Essays gönnt. Hervorgehoben sei nur der Beitrag Wolfgang Braungarts über »Dies gewaltige Gesicht« jenes Stefan George, der sich gekonnt in Szene zu setzen wusste.

 

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Öffnungszeiten
Dienstag bis Sonntag 10–18 Uhr