Buchrezensionen

Natascha Drubek: Russisches Licht. Von der Ikone zum frühen sowjetischen Kino, Böhlau 2012

Eine wechselvolle Geschichte prägt den russischen Film. Zwischen Zensur und "Volksbildungsmittel" im 20. Jahrhundert changierend, widmet sich Natascha Drubek in ihrem Buch der Beziehung von Film und Ikone, deren verbindendes Glied das Licht ist. Elena Korowin hat es sich angesehen.

Russisches Licht © Cover Böhlau
Russisches Licht © Cover Böhlau

Die Frühzeit der Sowjetunion und vor allem der Übergang vom Zarenreich zur bolschewistischen Herrschaft wurden von zahlreichen Kunst- und Kulturwissenschaften auf ihre Hervorbringungen im kulturellen Sektor überprüft. Nun ist ein Band erschienen, der eine neue und überraschend „einleuchtende“ These über den Umgang mit dem Licht in der russischen Kunst in eben dieser Zeit liefert.

In ihrer Untersuchung des „Russischen Lichtes“ in Kunst und Kino lässt Natascha Drubek die unterschiedlichsten Verbindungen entstehen: Von der orthodoxen Ikone, über die russischen Symbolisten des Silbernen Zeitalters bis hin zum frühen sowjetischen Kino. Die Konzentration auf die Entdeckung und insbesondere auf die Wirkung des Lichtes für die russische Kunst am Anfang des 20. Jahrhunderts ist eine spannende These, die Drubek gekonnt argumentiert. Sie beschreibt jedes einzelne Phänomen ausführlich, wie etwa die Freilegung der russisch-orthodoxen Ikonen aus dem 15. Jahrhundert durch die Restauratoren, gleichsam verbindet sie diese Momente miteinander und lässt eine nachvollziehbare Evolution des „Russischen Lichtes“ in den verschiedenen Medien entstehen. Dabei erinnert sie an viele spannende Momente der russischen Kulturgeschichte, die heute vergessen sind: Der Titel dieses Buchs verweist beispielsweise auf die gleichnamigen Beleuchtungsapparate, die in Frankreich der 1870er Jahre „la lumiére russe“ genannt wurden.

Das Licht als das wichtigste Element der Ikone wird in einem Kapitel eingehend untersucht, allein schon die Richtlinien der Ikonenmalerei – von hell nach dunkel – zeigen, dass das Licht das Heilige auf einer Ikone war und ist. Drubek widmet einen Großteil der Arbeit dem Licht im sowjetischen Kino, das sich schon in seiner Frühzeit durch starke theoretische Analysen und Methodisierungen auszeichnete. Gleichzeitig war das Kino für die Bevölkerung in der jungen Sowjetunion ein Ersatz für die Kirche und somit war der Einsatz von Licht nicht willkürlich gewählt, sondern streng durchkomponiert.

Das vorliegende Buch bietet eine facettenreiche Untersuchung der medialen Entwicklung in Russland und der UdSSR vom Ende des 19. Jahrhunderts bis in die 1930er Jahre hinein und kann auch dem Fachmann an manchen Stellen zur Erleuchtung verhelfen.