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Neue Forschungen zum Kunsthändler und Sammler Günther Franke

In einem gemeinsamen Forschungsprojekt widmen sich die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen und die Städtische Galerie im Lenbachhaus zusammen mit dem Kunsthistoriker Dr. Felix Billeter dem Kunsthändler und Sammler Günther Franke (1900-1976). Die auf vier Jahre angelegte Arbeit wird von der Ernst von Siemens Kunststiftung gefördert und mit einer Ausstellung sowie einer Publikation bis 2015 abgeschlossen.

Im Zentrum der Forschung stehen die Aktivitäten Frankes zwischen 1933 und 1945 sowie in der Nachkriegszeit bis 1963. Zentrale These: Franke hat nicht nur während der Zeit des Nationalsozialismus die Kontakte zu „seinen“ Künstlern wie Max Beckmann und Ernst Wilhelm Nay gepflegt, sondern bemühte sich auch um Verkäufe an Entscheidungsträger der damaligen Wirtschaftselite. Nach dem Krieg konnte er Museen in Deutschland zentrale Erwerbungen moderner Kunst ermöglichen. Wie Franke der Handel und die Verwahrung der „entarteten Kunst“ gelang, sollen neue Quellenfunde und auch Befragungen von Zeitzeugen erhellen.

Das Projekt und die Sammlungen

Günther Franke zählt zu den Münchner Kunsthändlern und Sammlern, die in der Nachkriegszeit von nationaler, wenn nicht gar von internationaler Bedeutung gewesen sind. Sein Schwerpunkt lag auf der Vertretung der modernen, zeitgenössischen deutschen Künstler. In die Sammlung der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen kamen fast 70 Werke über seine Galerie. Der Günther Franke Stiftung von 1974 verdanken die Pinakotheken den weltweit zweitgrößten Werkbestand Max Beckmanns. Franke pflegte außerdem enge Kontakte zur Städtischen Galerie im Lenbachhaus. Davon zeugen nicht nur die etwa 50 Erwerbungen bei ihm vor und nach 1945, sondern auch die Ausstellung seiner privaten Kunstsammlung, die die Städtische Galerie im Lenbachhaus 1960 präsentierte.

Ausstellung und Publikation sollen den Komplex der Erwerbungen für die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen und die Städtischen Museen Münchens präsentieren sowie eine wichtige Lücke in der Geschichte des Münchner Kunsthandels und der Sammlungsgeschichte beider Institutionen schließen.

Der Kunsthändler Günther Franke

Begonnen hatte Franke 1918 im „Graphischen Kabinett“ von Israel Ber Neumann in Berlin, ab 1923 führte er dessen Filiale in München. Die spätestens seit 1937 eigenständige Galerie Günther Franke handelte während der Zeit des Nationalsozialismus vordergründig mit Romantikern, unterhielt aber in Seeshaupt am Starnberger See eine Dependance, in der die „entartete Kunst“ versteckt und verkauft wurde. Unzweifelhaft ist, dass sich Franke zwischen 1933 bis 1945 Zeit sehr um „seine“ Künstler bemüht hat. Er stand mit ihnen im engen Briefkontakt, suchte sie persönlich auf und versuchte Kunstverkäufe zu arrangieren. Er war für sie die Öffentlichkeit, die diese offiziell nicht mehr haben durften.

Die Zeit der Galerie Frankes in der Villa Stuck von 1946 bis 1963 wird als wichtige Phase angesehen, in der er die ehemals verfemte Kunst dem deutschen Publikum wieder zugänglich machen konnte und deutsche Museen bei ihm wichtige Werke moderner Kunst erwarben.

Das Forschungsprojekt

Projektbearbeiter ist der Kunsthistoriker Dr. Felix Billeter, bekannt durch seine Publikationen zu Künstlern wie Max Beckmann, Hans Purrmann, Hugo Troendle, Leo Putz, zu der Künstlergruppe Scholle und über den Münchner Kunsthandel. Die Projektkoordination liegt bei Dr. Andrea Bambi, Referat für Provenienzforschung an den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen, in Kooperation mit Dr. Irene Netta, Leiterin Sammlungsarchiv und Provenienzforschung an der Städtischen Galerie am Lenbachhaus.

Projekttitel: Felix Billeter: Der Kunsthändler und Sammler Günther Franke. Ein Beitrag zur Geschichte des deutschen Kunsthandels und der Erwerbungshistorie der staatlichen und städtischen Kunstsammlungen in München. Gefördert von der Ernst von Siemens Kunststiftung.

Kontakt: Dr. Felix Billeter, office@felixbilleter.com