Ausstellungsbesprechungen

Neue Welt – Die Erfindung der amerikanischen Malerei

Die Kunst nach 1945 ist ohne die amerikanischen Beiträge nicht zu denken. Geht man weiter zurück, wird man betreten feststellen, dass die US-amerikanische Kunst des 19. und frühen 20. Jahrhunderts in Europa kaum präsent ist.

Nachdem das Hamburger Bucerius Kunstforum Werke aus der Sammlung des Wadsworth-Atheneum-Museums of Art in Hartford (Conn.) nach Deutschland geholt hatte, ging das Bild der nordamerikanischen Romantik und des Realismus auf Reisen: Station macht die Ausstellung nun und noch bis zum 21. Oktober in der Stuttgarter Staatsgalerie. Die »Neue Welt« präsentiert sich dabei als gelehrige Schülerin der alten Welt – nur verstanden es etliche großartige Maler wie Thomas Cole, das Weltverständnis eines Joseph Anton Koch mit der heimischen Weite und Wildnis zu verbinden: und die amerikanische Malerei war erfunden. In der Folge eroberten sich die Maler ihre eigene Natur, religiös überhöht natürlich. Kein Wunder, dass die Niagarafälle eine besondere Stelle einnehmen in der Motivgeschichte dieses Staates in der Aufbruchphase, wo es darum ging, international erst einmal Land zu gewinnen.

Die Wadsworth-Sammlung wuchs aus dieser Zeit heraus. Sie ist keine Laune eines späteren Mäzens: Der 1771 geborene Daniel Wadsworth, Sohn eines Siedlers, der mit Geldgeschäften reich geworden war, dilettierte selbst als Zeichner, folgte dann aber seinem Sammlerinstinkt und brachte das zusammen, was das neue Amerika darstellte (auch wenn mal die Alpen anstatt die raue amerikanische Bergwelt Pate standen). 1844 wurde das Wadsworth-Atheneum Museum als erstes öffentliches Kunsthaus in den USA eröffnet. Schade allerdings, dass hier der Eindruck entsteht, als bestünde die Kunst der neuen Welt allein aus Landschaftsmalerei; gerade die Genreszenen und die Malerei der Indianer vermisst man, die fernab von jeglicher Sozialromantik mehr Einblicke in das Leben der Siedler und der Einheimischen hätten geben können.

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Allerdings wäre man ungerecht, würde man verkennen, welch atemberaubendes Schauspiel die Natur bot, das ein derart überbordendes Pathos, eine solche Exklusivität hervorrief, wie es als gemalte Schönfärberei in die Sammlung einfloss. Dass sich daran eine Nation entzündete und nicht zuletzt der Tourismus in der Malerei als Werbeträger seinen Anfang nahm, ist gewaltig. Die besten Beispiele aus der Wadsworth Sammlung, knapp über 70 Arbeiten, geben einen exzellenten Überblick zumindest über die wichtigste Gattung der vormodernen amerikanischen Malerei.

In Sektionen geben sich die bevorzugten Motive ein Stelldichein: (a) die Wildnis als Inbegriff des noch zu kultivierenden Landes (ungeachtet der Problematik dieser Sicht), (b) die Siedler selbst, die den Boden für nachfolgende Generationen unter Entbehrungen bereiteten, (c) die bereits erwähnten Niagarafälle, unübertroffen an Größe und Naturgewalt, (d) das künstlerische und wissenschaftliche Interesse, (e) die Rückwärtsbindung nach Italien, dagegen (f) der amerikanische Westen, (g) der spezifische Luminismus und schließlich (h) die an Koch und C. D. Friedrich orientierte Entstehung der erhabenen Landschaft, die mit Stücken aus der Graphschen Sammlung der Staatsgalerie belegt wird.

 

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Öffnungszeiten
Dienstag bis Sonntag 10–18 Uhr
Donnerstag 10–21 Uhr