Ausstellungsbesprechungen

Neunkirchen: Passagen – 50 Jahre Künstlerkreis Neunkirchen

Aus Anlass des 50jährigen Bestehens des traditionsreichen Künstlerkreises Neunkirchen findet in der Städtischen Galerie Neunkirchen eine große Jubiläumsausstellung statt.

Die Künstler, die sich seit jeher in den Gasthäusern und Cafés der Stadt trafen, diskutierten über die Kunst im Allgemeinen und über die damalige Misere der Neunkircher Ausstellungssituation im Besonderen. So nahm es seinen Anfang, als Neunkircher Maler und Bildhauer sich im Jahre 1955 zu einer Interessengemeinschaft zusammenschlossen, aus der später der »Künstlerkreis Neunkirchen« hervorging. Unter den einheimischen Künstlern waren unter anderem Hans Bogler, Karl Hock und Franz Mörscher, Fritz Nehmert und Franz Schnei, die ein Forum des Austauschs und der gegenseitigen Unterstützung schaffen wollten und sich gemeinsam für eine Verbesserung der Ausstellungsbedingungen in der Hüttenstadt Neunkirchen stark machten. Die erste große Ausstellung des Künstlerkreises fand dann 1957 im ehemaligen Schulhaus in der Marienstraße statt – genau an dem Ort, wo die Städtische Galerie nun vom 2. Dezember 2005 bis zum 29. Januar 2006 die Jubiläumsausstellung präsentiert.

Unter dem Titel »Passagen« stellt die Ausstellung Malerei, Grafik, Fotografie und plastische Arbeiten der 13 aktuellen Mitglieder des Künstlerkreises vor, zu dem inzwischen auch Künstlerinnen und Künstler aus anderen, zum Teil weit entfernten Städten, wie etwa Basel, gehören. Unter den Künstlern sind Elisabeth Bosslet, Ruth Engelmann-Nünninghoff, Hiltrud Hartmann, Fränzi Herrmann, Ulrike Keller, Monika Laue, Gitta Nießen, Hannelore Seiffert, Michael Staß, Dieter Trost, Karl-Heinz Wachs, Kurt Winkler und Babette Woltemath.

Wie bereits in der Gründungszeit haben sich auch heute die Künstler keinem gemeinsamen Programm verschrieben oder sind durch eine verbindende Idee oder eine gemeinsame stilistische Ausrichtung geprägt. Vielmehr lebt der Künstlerkreis von dem Nebeneinander der verschiedenen künstlerischen Ausdruckformen und dem Generationen übergreifenden Dialog: Während das jüngste Mitglied 36 Jahre ist, ist das älteste Mitglied – Ruth Engelmann-Nünninghoff, die dem Kreis fast seit Beginn an angehört – mittlerweile 90 Jahre. Dennoch hat der Besucher der Ausstellung den Eindruck einer gegenseitigen künstlerischen Befruchtung, wenn die Werke der Bildhauer, Fotografen, Grafiker und Maler in den Räumen einen leisen Dialog beginnen.

Die Arbeiten greifen das Ausstellungsthema »Passagen« auf vielfältige Weise auf und zeigen die individuellen künstlerischen Handschriften. Aber auch die Historie wird in der Ausstellung und in dem begleitenden Katalog gestreift. Vermittelt werden Einblicke in die wichtigsten »Passagen« und Stationen des Künstlerkreises, der auf insgesamt 51 Künstler, fünf Vorsitzende und 36 große Ausstellungen in 50 Jahren zurückblicken kann. Das aktuelle Schaffen wird mit jenem der Vergangenheit in Verbindung gebracht, so dass die Idee der Weiterentwicklung im Zentrum der Ausstellung steht. Interessant sind die »Wegmarken«, die den Besucher durch die bunte Welt der Passagen geleiten – es sind Stelen, die 50 Jahre Neunkircher Künstlerkreis Revue passieren lassen, wobei aber keineswegs der Eindruck einer Retrospektive evoziert wird, sondern stets die Gegenwart, die in ihrer eigenen Wertigkeit dem Vergangenen gegenübertritt, den Mittelpunkt formuliert.

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Wie individuell die einzelnen Künstler arbeiten, wird sehr schnell deutlich, wenn man die sich auf drei Geschossen verteilende Ausstellung und die hervorragend platzierten, anziehenden Arbeiten betrachtet. Da wären beispielsweise die Digitalarbeiten von Dieter Trost, der die »Passagen« als ein räumliches Durchgehen versteht, oder die Tonplastiken von Hannelore Seiffert, die bei dem Thema von einem realen Bild ausgeht und in den Leerräumen der Plastiken eine gesteigerte Spannung hervorruft. Karl-Heinz Wachs greift in seinen Werken das Zeitliche auf und setzt der erlebten Zeit die Metapher der Lebensenergie und deren Vergänglichkeit entgegen. Kurt Winkler nähert sich dagegen mit seinen Fotografien dem Objekt stufenweise an und versucht die persönlichen Spuren zu entdecken, die für ihn zu »Passagen« werden. Mit Bezug in die Zukunft stehen Hiltrud Hartmanns expressive Porträts, die Künftiges erahnbar machen und damit zu »Passagen« zwischen der Gegenwart und der Zukunft avancieren. Ruth Engelmann-Nünninghoff geht das Thema mit ihren abstrakten Arbeiten mit graphischen Bildelementen an, die in eine räumliche Beziehung zueinander treten und dadurch »Passagen« entstehen lassen.

Insgesamt ist der Städtischen Galerie Neunkirchen mit »Passagen: 50 Jahre Neunkircher Künstlerkreis« eine wundervolle Ausstellung gelungen, die sowohl durch ihre ausgestellten Werke, als auch durch deren gute Positionierung zu überzeugen weiß. Es ist ein Flair entstanden, das zu längerem Verweilen einlädt und den Besuch zu einem Erlebnis für die Sinne werden lässt!

 

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Öffnungszeiten
Di, Mi, Fr 10-12 und 14-17 Uhr
Do 10-12 und 14-19 Uhr
Sa/So 14-17 Uhr