Ausstellungsbesprechungen

Odilon Redon. Wie im Traum.

»Je länger Sie gucken, desto größer werden die Bilder«, sagt Margret Stuffmann, die Kuratorin der Ausstellung, über Odilon Redons frühe kleinformatigen Arbeiten.

Denn in der Opazität der Kohlezeichnungen und Grafiken verbirgt sich bei näherer Betrachtung ein Mikrokosmos von Zeichen und Figuren. Wie die Naturwissenschaftler im 19. Jahrhundert durch das Mikroskop eine Welt jenseits der bis dato sichtbaren entdecken, so betritt auch Odilon Redon mit seinen Bildern einen unbekannten Kosmos, in dem jedoch das Doppeldeutige als Wahrheit zelebriert wird.

»Man kann mir nicht die Fähigkeit absprechen, noch in meinen irrealsten Schöpfungen die Illusion von Leben hervorzurufen«, schreibt Redon in seinem Buch »A soi-même«. Durch seinen Freund den Biologen Armand Clavaud ist der Symbolist mit den neuesten Erkenntnissen der Naturwissenschaften vertraut. Darwins Evolutionstheorie und ein offenes pantheistisches Religionsverständnis fließen genauso in sein Werk ein, wie die Auseinandersetzung mit den Schriftstellern Flaubert, Poe und Mallarmé, zu dessen Erzählungen er Einzelblätter und Bildfolgen entwirft.

In einer Zeit, in der der Impressionismus durch seine lichtdurchfluteten Bilder den Geschmack der Zeitgenossen bestimmt, tritt Odilon Redon mit seinen »Noirs« an die Öffentlichkeit. Sein naturwissenschaftliches Interesse führt dabei nicht zu einer Illustration der neuen Entdeckungen, sondern changiert zwischen Sichtbarem und Unsichtbarem, bleibt doppeldeutig und suggestiv. Die Polarität zwischen Realität und Traum wird aufgehoben: Redons Fantasiewesen nehmen menschliche Züge an.

Die Schirn zeigt rund 240 Arbeiten aus dem über 3.000 Bilder umfassenden Œuvre. »Wie im Traum« startet mit einer kleinen Abteilung zu Redons Vorbildern, u. a. Goya, Dürer sowie seinem Lehrer Rodolphe Bresdin und entwickelt sich dann grob chronologisch vom Dunkel zum Licht, was sich nicht nur in den zunehmend heller werdenden Schwarz-Weiß-Bildern, sondern besonders in der Farbe, der sich Redon ab 1890 zuwendet, manifestiert. Teilweise wird die Chronologie zugunsten einer thematischen Hängung durchbrochen, die um immer wiederkehrende Themen wie Apoll, dem Barken- oder Fenstermotiv kreist.

Das selbstreflexive Verhältnis des Künstlers zum eigenen Werk dokumentieren vielfältige Zitate, die die Räume anstelle von museumspädagogischen Erklärungstafeln durchziehen.

So bietet die Schau einen repräsentativen Überblick des Schaffens Odilon Redons und gewährt Einblick in die Bedeutung eines Künstlers, der zu den einflussreichsten, wenn auch dem breiten Publikum weniger bekannten Wegbereitern der Moderne zählt.

 

Weitere Informationen

 

Öffnungszeiten
Dienstag, Freitag – Sonntag 10 - 19 Uhr
Mittwoch und Donnerstag 10 - 22 Uhr

Diese Seite teilen