Ausstellungsbesprechungen

Online-Ausstellung: Folge & Varianz. Kunst vom Mittelalter bis zur Gegenwart, bis 19. Oktober 2018

Studierende aus Karlsruhe haben in einem sich über zwei Semester erstreckenden Projekt eine Online-Ausstellung entwickelt. Hierfür haben sie neben Filmbeiträgen und Essays auch eine eigene Online-Plattform entwickelt. Stefanie Handke hat das unter die Lupe genommen.

Dass Kunst auch vermehrt im Netz kommuniziert wird, ist längst kein Geheimnis mehr. Umso wichtiger ist es, dass auch Studierende nicht mehr nur die »klassischen« Bildmedien Ausstellung, Buch und Dia bzw. Foto zu bearbeiten lernen, sondern auch mit digitalen Möglichkeiten vertraut gemacht werden. Umso verdienstvoller also das Projekt »Folge & Varianz«, bei dem die Studierenden die kuratorische Arbeit komplett ins Netz verlagert haben und unter www.ausstellung-virtuell.de eine sechs Monate währende Online-Ausstellung entwickelt haben.

Die Schau widmet sich der Frage wie sich Motive im Laufe der Kunstgeschichte wiederholen und wie sie dabei variiert werden. So finden sich hierin Werke von David Teniers dem Jüngeren über Max Beckmann bis hin zur Video-Projektion »Bubbles« (2000) der Künstler Wolfgang Münch und Kioshi Furukawa. Sie zeigen jeweils ein spezifisches Motiv wie Josef Albers‘ »Ehrung des Quadrats: Gelbes Zentrum« (1954), wiederholen Motive (Sebastian Vrancx: »Überfall auf einen Geleitzug«, 1618) oder tragen spezifische Elemente wie die Stillleben, die bei Teniers in zahlreichen Werken – hier in »In der Schenke«, 1648, »Abendessen in der Scheune«, 1634 und »Dorffest«, 1648 – immer wieder auftauchen und dort mit ihrer Symbolik auf andere Themen verweisen.

Neben kurzen Essays samt Informationen zur weiterführenden Literatur bietet die Website dabei jeweils auch ein kurzes Video, in dem die Studierenden sich dem Werk widmen, aber auch andere Personen auftreten und im Ausstellungsraum interagieren. Eine kleine Führung quasi – immerhin etwas, das man bei einer »klassischen« Ausstellung nicht standardmäßig geboten bekommt! Parallel dazu gibt es einen virtuellen Ausstellungsraum in der Draufsicht, in dem die Werke angeordnet sind und durch den sich der (Website-) Besucher von Exponat zu Exponat bewegen kann. Darüber hinaus kann er in der Übersicht des Ausstellungsraums jedes Werk noch einmal einzeln anklicken und muss sich nicht der Ausstellungschronologie unterwerfen. Einziges Manko dabei ist, dass den Suchpunkten die Daten der Werke nicht zugeordnet sind und man im Grunde genommen blind und zufällig auf ein Exponat klickt.

Der Ausstellungsraum ist dabei eher ein generischer, denn die ausgewählten Werke stammen aus verschiedenen Karlsruher Sammlungen, mit denen das Projekt zusammengearbeitet hat. So haben die Projektleiter Alice Anna Klassen und Jesús Muñoz Morcillo neben den eigenen Institutionen die Städtische Galerie und die Staatliche Kunsthalle Karlsruhe sowie das ZKM, aber auch einige der Künstler mit ins Boot geholt. Und so stehen die Werke dank der Mitarbeit vieler nun in einem virtuellen Online-Ausstellungsraum zur Besichtigung bereit. Das ist ein durchaus dankbares Unternehmen, das neben dem spannenden Thema eine verdienstvolle Arbeit und einen Blick wert!