Ausstellungsbesprechungen

Otto Herbert Hajek - Raum, Farbe, Zeichen

Der 1927 im böhmischen Kaltenbach geborene Otto Herbert Hajek war eine Institution, dessen öffentliche Präsenz bis heute – zweieinhalb Jahre nach seinem Tod – von kaum einem zweiten Künstler erreicht worden ist. Sie darf freilich nicht verwechselt werden mit dem Kultstatus, den manche Kollegen selbst postum noch genießen – allen voran Joseph Beuys. Das dürfte Hajek fremd gewesen sein. Gemeint ist auch nicht die Wahrnehmung im Markt – Damien Hirst & Co. haben ganz andere Foren des Auftritts.

»Öffentlich« zielt bei Hajek auf die Kreuzungspunkte im Stadtbild und die Begegnungsfähigkeit mit der Bevölkerung. Da passen die bestimmenden Stichworte, die Hajeks Arbeiten umschreiben, wie angegossen: gesellschaftliche Relevanz und Belebung, ja Definition des Raumes.

»Kunst ist für unsere Gesellschaft kein Luxus, sondern eine notwendige Einbringung, um unsere Welt human zu gestalten.« Hajek war wesentlich daran beteiligt, nach dem Weltkrieg ein Bewusstsein dafür zu schaffen, dass Kunst in den öffentlichen Raum gehört – dass er damit auch immer wieder aneckte, war ihm nur Bestätigung dafür, dass er Recht hatte. »Kunst schafft Räume«, war Hajeks Überzeugung: »Freiräume, Vorstellungen von einer Umwelt im Bild, im Wort, im Ton, in der Bewegung, in der Phantasie, die aufzeigen, wie sich der Mensch in seiner Welt verhalten, sich frei bewegen kann.« Für ihn war es selbstverständlich, dass er nur in der abstrakten Form arbeiten konnte, ging es ihm doch allein um die Zeichen-Setzung im Raum – nicht irgendeine inhaltsbezogene Wirkung strebte er an, sondern eine umweltbetonte. Die Skulptur war ihm primär geeignet, den Raum um sie spürbar werden zu lassen. Umso erfreulicher ist es daher auch, dass die Städtische Galerie ihre Möglichkeiten der raumdurchkreuzenden Blickwinkel genutzt hat – die imposante Zeichenhaftigkeit der gezeigten Arbeiten mit Modellcharakter hält auch aus der Vogelperspektive der höheren Museumsrundläufe stand.   

Um die 90 Werke haben die Ausstellungsmacher thematisch geordnet. Im Wesentlichen sind das die Raumknoten und -schichtungen auf der einen Seite, die in den späten 1950er- und 60er Jahre zeitnah zu den Bronzearbeiten des etwas jüngeren Emil Cimiotti entstanden, wenn sie diesen nicht sogar beeinflusst haben; ganz stark sind in dieser Werkreihe die spirituellen Seitentriebe im Gesamtwerk, insbesondere das Modell zum Kreuzweg Maria Regina Martyrum (1960/61). Auf der anderen Seite stehen die reifen so genannten Farbwege in einer bezwingend geometrischen Sprache. Und darüber hinaus entfaltet sich diese von den Grundfarben bestimmte Formensprache über die skulpturale Enge zur teils realisierten, teils projektierten Platzgestaltung hinaus, die selbstredend nur in Serigraphien präsentiert werden kann. Aufschlussreich sind die begleitenden Filminterviews, die unterstreichen, dass es dem streitbaren, eigen-willigen Geist Otto Herbert Hajek auch um die »Widersetzlichkeit gegen das Alltägliche« – jenseits einer bloßen Kunst am Bau – ging. Seine Gestaltung der Saarbrücker Uni-Mensa etwa verwendete erstmals in Deutschland Leichtbeton als Deckenkonstruktion.

 

Im Anschluss an Karlsruhe geht die Ausstellung auf Wanderschaft: ins Kunstmuseum Singen, ins Georg-Kolbe-Museum Berlin und ins Kunstmuseum Mülheim an der Ruhr in der Alten Post. (Text erscheint auch in dem Kunstmagazin »art info« 11/12, Ausgabe Karlsruhe)

 

 

 

Öffnungszeiten

Mittwoch bis Freitag 10–18

Samstag/Sonntag 11–18 Uhr

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