Ausstellungsbesprechungen

Park – Zucht und Wildwuchs in der Kunst

Natur und Kunst standen immer in einer unvereinbaren Konkurrenz zueinander – wenn sie aber doch einmal in ein Wechselverhältnis treten, weitet sich das Blickfeld zum französischen oder englischen Garten, zur „grünen Lunge“ oder aber zum Park: Natur verwandelt sich in eine von Menschenhand gestaltete Landschaft, und die Kunst macht sich zum Adoptivkind der Natur – Paradies, Utopie und Abenteuer in einem.

Insofern ist der Park als Raum natürlich auch ein Denkmodell, was mustergültig im zweiten Teil der Baden-Badener Ausstellungstrilogie über „Multiple Räume“ nachvollziehbar wird. Nach der Einstiegsveranstaltung über die SEELE (Frühjahr 2004: Konstruktionen des Innerlichen in der Kunst) wird das Projekt über die Idee des PARKS hinaus mit einer Ausstellung über den FILM (Ende 2005: Bildfindungsverfahren) abgerundet. Die Klammer, die alle drei Teile umspannt, ist die Beschäftigung mit der Ordnung im Chaos, der Zucht im Wildwuchs.

Zu allen drei dieser Ausstellungsfelder hat es im Jahr 2004 Seminare und eine Tagung gegeben, die den intellektuellen Ansatz des Projekts unterstrichen. So entstand nun mit dem Park-Teil eine großartige Schau auf den Park in all seinen Facetten. Die herausgearbeiteten Schwerpunkte, die zur empfohlenen Nachlektüre im Katalog ihren Niederschlag gefunden haben, sind:
- Wer kultiviert den Menschpark?
- Gegenräume: Passagen durch europäische Gartengrotten
- Wahlverwandtschaften zwischen Natur und Sprache – Das Parkmotiv
  in Goethes bestem Buch
- Auf unsicheren Füßen und schwankendem Boden: Der Gartenraum als
   Begegnungsstätte von Pan und Appell.
- Herr Schreber oder Die Ordnung des Wachsenden
- Pflanzen in Kästen – Zur Geschichte eines ordnenden Gevierts
- Das desinfizierte Paradies
- Eine künstliche Markierung in der Landschaft – die 1.
   Fernsehausstellung „Landart“ der Fernsehgalerie Gerry Schum

Teilnehmende Künstler sind: Willi Baumeister, Günter Behnisch, Hermann Blomeier, Anna & Bernhard Blume, Joachim Brohm, Department für öffentliche Erscheinungen, Stan Douglas, Max Ernst, Stefan Ettlinger, Naoya Hatakeyama, Erich Heckel, Peter Hutchinson, Dieter Kiessling, Paul Klee, Norbert Kricke, Max Laeuger, Fernand Léger, Max Liebermann, Marcel Lods, Richard Log, August Macke, Walter d Maria, Gordon Matta-Clark, Reiner Maria Matysik, Aernout Mik, Niedermay,r June Bum Pk, Giuseppe Penone, Peter Piller, Sigmar Polke, Franz Radziwill, Albert Renger-Patzsch, Henri Rousseau, Glen Rubsamen, Hans-Christian Schink, Alexander Timtschenko und Sandra Voets.
 

Fortsetzung von Seite 1

Das „Prickelnde“ dieser Ausstellung wie des ganzen Themas ist nicht nur der interdisziplinäre Ansatz, der Kunstgeschichte, Kulturgeschichte, Philologie und Philosophie bis hin zur Soziologie umfasst, sondern auch theoretische und praktische, intellektuelle und handwerkliche Fertigkeiten einbezieht – Fragen der Rodung, der Landvermessung, der Besiedlung und des Tourismus müssen genauso gestreift werden wie die nach der Bebauung und Bepflanzung. So genannte High und Low Culture, wie sie sich im historischen höfischen Park oder im bloßen Vergnügungspark – bei fließenden Übergängen – zeigen, finden ihren Ausdruck.

So reicht die Bandbreite in der Ausstellung von Sehnsuchtsräumen (Rousseau, Heckel) und Utopien (Klee, Léger) über Projekträume (Laeuger, Behnisch) und Experimentalraum (Long, Blume) bis zum Laborraum (Matysik, Voets). Kein Wunder, dass am Ende mehr Fragen offen bleiben, die bei Betrachtung der Schau erst gestellt worden sind – Anstöße zum Weiterdenken und zur Fortsetzung des Ausstellungskonzepts im Kopf des Betrachters. Kann eine Präsentation mehr erwarten? Immerhin kann man sich mit den 40 gezeigten Positionen zum Thema auch zufrieden zurücklehnen; allein der ästhetische Genuss der Fotografien von Albert Renger-Patzsch oder den Bildern von Fernand Léger, Paul Klee und Glen Rubsamen, auch der Objekte von Sandra Voets lässt das Herz höher schlagen.

 

 

Weitere Informationen

 

Öffnungszeiten
Dienstag–Sonntag 10–17 Uhr
Mittwoch 11–20 Uhr

Führungen
Jeden Mittwoch 18.15 Uhr