Ausstellungsbesprechungen

Paul Klee und die Romantik – Kosmos und Marionette. Ulmer Museum, bis 24. Mai (verlängert)

In Ulm, mit einigen hauseigenen Aquarellen im Museum nicht gerade eine Klee-Stadt, haben die Ausstellungsmacher mit rund 80 beeindruckenden Leihgaben eine Phantasiereise durch die Klee’sche Welt gewagt, die die Bezüge des Malers zur Romantik beleuchten – die letztlich sehr kleehaft ist (wie Baudelaire hatte auch Klee ein eigenes Bild von der Romantik). Nach Kandinsky, Macke & Co. hat wohl unter den blaureiterlichen Avantgardisten auch Klee endgültig die Sphäre des Publikumsmagneten erreicht – nachdem die Besucherzahl fünfstellig geworden war, ist die schöne Ausstellung nun in die Verlängerung gegangen.

»Wer Romantik sagt, sagt moderne Kunst«, behauptete der französische Symbolist Charles Baudelaire, Autor der »Fleurs du Mal« – und man hat den Eindruck, als habe der Franzose das Karussell der Moderne auf eine rasante Fahrt gebracht, die heute noch anhält. Im deutschsprachigen Ausland sieht man in seinem Sog so unterschiedliche Personen wie den Dichter Stefan George oder den Maler Paul Klee. Und es ist neben dem Pathos der Dekadenz, mit dem die Franzosen den Rest Europas ins Schwärmen brachten, die Romantik, die – konservativ und urdeutsch im tiefsten Innern – ihren Weg aus Deutschland nach Westen fand, von wo aus sie gewandelt wieder zurückkehrte als Sternstunde der europäischen Moderne.

Paul Klee ist, was das gewählte Thema angeht, ein Musterknabe. Eine blühende Farb- und Formenvielfalt, eine musisch-poetische Zweitbegabung, zudem einen glasklaren Verstand bei mystischen Neigungen sowie eine besondere Art von Ironie und einer kindischen Freude an der Groteske – alles findet sich auch schon in der Romantik. Aber seine Begeisterung für Kandinsky, van Gogh und Cézanne zeigt doch auch, dass er ganz in der Gegenwart lebte und auf die moderne Kunst reagierte, die nicht rundweg aus der Romantik abzuleiten ist. Grandiose Arbeiten wie »Kosmisch durchdrungene Landschaft« oder »Blick in das Fruchtland« öffnen sich zu einem schier unendlichen Universum, in dem wunderbar auch die Romantik ihren Platz hat. So hatten Brigitte Reinhardt und ihre Mitstreiter(innen) fast schon ein leichtes Spiel, die Bilder thematisch und chronologisch zu ordnen und in repräsentativer Auswahl vorzuführen. Schnell ließen sich auch treffliche Zitate verknüpfen wie die bekannte Aussage Caspar David Friedrichs, man solle nicht bloß malen, was man vor sich, sondern auch das, was man in sich sehe, mit Klees zahlreichen Aphorismen wie dieser Lebens- und Kunstweisheit: »Kunst gibt nicht das Sichtbare wieder, sondern macht sichtbar.«

Dass Paul Klee das alles auch so gemalt und gesagt hätte, wenn es die Romantik nicht gegeben hätte, hält uns nicht davon ab, mit großen Kinderaugen durch die Ausstellung zu gehen. Wichtig ist dabei auch die Sammlung an Marionetten (mitunter als Replik), die Klee für seinen Nachwuchs gebastelt hatte, und die ein Figurenpanoptikum präsentieren, welches das Augenmerk nicht nur in Richtung auf die Romantik öffnet, sondern potentiell und in Verbindung mit der mythischen oder clownesken Figuration auch auf die Bühnentauglichkeit wie auf Klees Theaterbegeisterung hin zu beziehen ist – eine entsprechende Ausstellung hat es freilich längst gegeben. Macht aber nichts, kann man sich doch kaum satt sehen an der Klee’schen Postromantikerseele. Und leider ist Ulm die einzige Station dieser spektakulären Schau, die nicht zuletzt an Klees 130. Geburtstag erinnert.

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