Ausstellungsbesprechungen

Paulina Olowska.

Sie musste die Idee eines Hauses als Metapher verwerfen

Ein Haus ist ein Haus ist ein Haus.... Zugegeben die klassizistische Villa „Salve Hospes“ in der der Braunschweiger Kunstverein seit 1945 beheimatet ist, ist sogar ein sehr schönes Haus für das die palladinische Proportionslehre Pate gestanden hat.... Aber ein Haus als Metapher???  Geht das?... Ja, es gehund die junge polnische Künstlerin Paulina Olowska zeigt uns wie es geht.

Die Räume des Hauses Salve Hospes bekommen von Paulina Olowska neue Funktionen zugewiesen, die diese aber zugleich unklar und offen lässt. Requisiten wie Möbelstücke unterschiedlicher Stilepochen, unterschiedliche Raumverdunklungssysteme, die partiell eine unheimliche und zugleich geborgen anmutende Atmosphäre schaffen, Architekturmodelle und Gemälde, die wie Bühnenbilder funktionieren, verwandeln das Haus in eine raumgreifende Installation und darüber hinaus auch in eine Metapher. Das Haus fungiert nun als Metapher für eine surrealistisch angehauchte Kurzgeschichte, die die befreundete Glasgower Künstlerin Lucy McKenzie verfasst hat.

Nämliche Kurzgeschichte mit dem Titel „Desky Maidens“ kann der Besucher sich nun mittels eines anachronistisch anmutenden Kassetten-Walkmans beim Gang durch das Haus anhören. Die ruhig-getragene Erzählstimme führt den Betrachter-Hörer von Raum zu Raum. Erleichtert bemerkt der Besucher im erstem Raum, dass zwischen Rauminstallation und Gehörtem durchaus Sinnbezüge vorliegen. So betrachtet man beim Hören des ersten Erzählsegments einen langen Arbeitstisch mit zahlreichen Architekturmodellen in einem mit Rupfen verdunkeltem Raum, dessen einzige Lichtquelle aus einer Schreibtischlampe besteht, die sich auf jenem Arbeitstisch befindet.

Man hört von Mattie, einer Architektin, die die Nächte durcharbeitet an ihren Entwürfen für ein neues Kulturzentrum. Es taucht zwar noch ein Geist auf, den nur die Architektin sehen kann, jedoch nicht der Betrachter-Hörer, aber man kann ja nicht alles haben.... Bereits im folgenden Raum schlägt uns Paulina Olowska ein Schnippchen. Gewiss, wenn sich der Betrachter-Hörer arg anstrengt, mag er oder sie durchaus Assoziationen zwischen Gehörtem und Gesehenem entwickeln, aber es könnte doch auch ganz anders sein, oder doch nicht? .... Grübel, grübel. Man geht umher, setzt sich nieder, blättert in Mappen und Büchern, schaut, hört und überlegt. Und eh man sich versieht, ist man nicht nur Betrachter-Hörer, sondern auch Protagonist in Olowskas Inszenierung. Die oftmals in die Irre leitende, ironische Diskrepanz zwischen der Geschichte und den dazugehörigen „settings“ setzt diese beiden Ebenen in ein suggestives Verhältnis zueinander, das eine Vielzahl von Narrationssträngen zulässt.
 

Fortsetzung von Seite 1

Vordergründig handelt die Geschichte von einer Freundschaft zweier Frauen, einer Architektin und einer Malerin, die sich bei ihren Gesprächen austauschen über Kreativität, Genie und sexuelle Obsessionen. Auf einer Meta-Ebene jedoch schält sich als zentrales Thema die Diskussion um Appropriation und Autorenschaft heraus, die in der Form der Ausstellungskonzeption von Paulina Olowska ihren Widerpart findet. Schon mehrmals realisierten die beiden Künstlerinnen Paulina Olowska und Lucy McKenzie zusammen Projekte, so unter anderem bereits 2002 im Braunschweiger Kunstverein die Ausstellung „The best Book about Pessimism I ever read“, die McKenzie kuratierte und 2001 die Schaffung eines riesigen Wandgemäldes an einer Hausmauer in Danzig, hinter der sich in den frühen 80-er Jahren die Solidarnosc-Bewegung in Polen formierte.

Auch diesmal ist die Zusammenarbeit geglückt, die sich auf eine sehr metaphorische Art und Weise in der Villa Salve Hospes anschauen und anhören lässt. 

 

 

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Öffnungszeiten: täglich außer montags 11 – 17 Uhr