Ausstellungsbesprechungen

Perspektive Landschaft – Aktuelle Positionen der Landschaftsmalerei. Schloss Achberg, noch bis 11. Oktober 2009

Petrarca musste noch den Berg hinauf, um die Landschaft überhaupt erst intellektuell erfinden zu können. Das war im 14. Jahrhundert, und der Geisteswurm, der sich durch die nunmehr subjektivierte Natur wühlte, brachte auch in der Kunst manche Blüte ans Tageslicht: Huber, Ruisdael, Friedrich, Monet – um in einem Halbsatz die Jahrhunderte zu durchmessen.

Das 20. Jahrhundert zeigte sich landschaftsmäßig etwas karg, aber über symbolische Umwege kam das Motiv der Landschaft in den vergangenen 20, 30 Jahren wieder massiv ins Bild, mit Namen Kiefer. In diesem Tenor ließ sich auch Doris Blübaum, die Kuratorin der Ravensburger Ausstellung über genau 13 aktuelle Positionen der Landschaftsmalerei, vernehmen. Ins Gebirge muss man nun nicht mehr steigen, aber sich immerhin in die Provinz bemühen, um diese wahrhaft beachtlichen Stellungnahmen versammelt zu sehen. Nicht alle davon tragen große Namen, doch stille Wasser sind bekanntlich tief. Mit dem Respekt vor der Vielfalt im Landschaftsbild seien die Künstler(innen) aufgezählt: Michael Bach, Franz Baumgartner, Ronald Franke, Harald Reiner Gratz, Werner Knaupp, Jan Kromke, Christopher Lehmpfuhl, Werner Liebmann, Harry Meyer, Sigrid Nienstedt, Andreas Scholz, Anette Venzlaff und Bernd Zimmer. Michael Bach misst seine Malerei mit den Maßstäben der Fotografie, mit erstaunlicher Realitätsnähe künstlicher Motive. Franz Baumgartner schafft aus der kreativen Phantasie heraus deutungs-abhängige Wirklichkeiten. Ronald Franke erobert sich, von der Landschaft herkommend, den städtischen Raum. Harald Reiner Gratz spürt der inneren Landschaft nach. Werner Knaupp zaubert mit minimalen Mitteln dramatische Landschaftsräume. Jan Kromke bildet abstrakte, nebulös-hintergründige Werke. Christopher Lehmpfuhl begeistert sich trotz verhaltenerer Farbigkeit für Van Gogh. Werner Liebmann nimmt mit seinen Landschaftsmotiven informelle und surreale Elemente auf. Harry Meyer schwelgt in einer Farbe, die an die Wucht Dieter Kriegs erinnert. Sigrid Nienstedt hat sich der Stille verschrieben. Andreas Scholz macht aus scheinbar nichtigen Motiven dramatische Lichtgefilde. Anette Venzlaff packt die Landschaft in Kisten. Bernd Zimmer strebt nach kosmischen Dimensionen.
Die Anregung zu dieser im besten Sinn schönen Ausstellung kam aus den Reihen der Künstler selbst – auf Initiative von Harry Meyer ist sie zustande gekommen. Mit tatkräftiger Unterstützung aus der Unternehmerschaft ist auch ein sehr ansehnlicher, klar gegliederter und üppig bebilderter Katalog ermöglicht worden.

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Öffnungszeiten:
Fr 14 –18, Sa/So 10 –18 Uhr

Katalog: Der Katalog ist nur im Museum zu erwerben.