Meldungen zum Kunstgeschehen

Push and Pull - Performance-Reihe, Wien, MUMOK und Tanzquartier Wien, 1. bis 31. Oktober

Unter dem Titel Push and Pull veranstaltet das MUMOK gemeinsam mit dem Tanzquartier Wien ein Performance- und Ausstellungsprojekt, in dem eine Standortbestimmung der aktuellen Performance-Kunst vorgenommen werden soll. Ein zweiter Teil von Push and Pull findet im Frühjahr 2011 in der Tate Modern in London statt.

Ausgangspunkt der Performance-Reihe ist das titelgebende Environment von Allan Kaprow, dem Begründer des Happening. In Push and Pull: A Furniture Comedy for Hans Hofmann (1963) verwandeln sich Einrichtungsgegenstände wie Stühle Tische, Lampen und Teppiche zu einem (komödiantischen) Aktionsraum. Paradigmatisch zeigt Kaprow, dass Performance ein „Hybrid“ ist, das sich in einem ständigen Wechselspiel konstituiert: zwischen der Einmaligkeit eines Live-Events und dessen musealer Repräsentation, zwischen Formalisierungen und deren gesellschaftspolitischer Aktualisierung, und schließlich als „Hybrid“ zwischen den verschiedenen Medien Malerei, Skulptur, (Musik)Theater, Fotografie und Film.
Eine Reflexion des Status der Performance ist heute aktueller denn je. Die letzten zehn Jahre waren von einer umfassenden Musealisierung und Historisierung der Performance-Kunst geprägt. In Ausstellungen, Sammlungspräsentationen, auf Kunstmessen oder Tanzfestivals nehmen Performances mittlerweile einen festen Platz ein. Die Veranstaltungsreihe Push and Pull stellt künstlerische Positionen vor, die diesen Institutionalisierungsprozess zur Voraussetzung haben.

Zum Auftakt findet die Premiere der als mehrteiliges Epos konzipierten Oper nach Michel Foucaults „Sexualität und Wahrheit“ von Gregg Bordowitz und Paul Chan statt. (1. + 2.10., 20.30 Uhr, TQW / Halle G). Weiters auf dem Programm im MUMOK: die Performance Future Exhibitions von Sarah Pierce im Rahmen der Ausstellungseröffnung, die Wiener Version der Performance-Video-Arbeit Freelance Stenographer von Seth Price und Kelley Walker, eine interaktive Installation des Künstlerzwillings deufert&plischke, The Infinite Repetition of Revolt von Andrea Geyer und Josiah McElheny, die Klanginstallation 3 Channel Chronics von Florian Hecker, Lecture-Interventionen von Boyan Manchev und ein Video-Screening von Mike Kelley.

Termine

Gregg Bordowitz / Paul Chan
The History of Sexuality Volume One
by Michel Foucault: An Opera, 2010
1.10. + 2.10., 20.30 Uhr
TQW / Halle G

Gregg Bordowitz
Screening
Fast Trip Long Drop
2.10., 18.00 Uhr
TQW / Studios

Sarah Pierce
Future Exhibitions, 2010
5.10., 20.30 Uhr
Performance im Rahmen der
Ausstellungseröffnung
MUMOK Factory

Seth Price/Kelley Walker
Freelance Stenographer
6.10., 20.30 Uhr
Performance und anschließende
Installation im Rahmen der
Ausstellung "Push and Pull"
MUMOK Factory

Xavier Le Roy
low pieces
7.10. + 8.10., 20.30 Uhr
Uraufführung
TQW / Halle G

Andrea Geyer/Josiah McElheny
The Infinite Repetition of Revolt
11.10., 20.30 Uhr
MUMOK Factory

Florian Hecker
3 Channel Chronics
12.10., 20.30 Uhr
MUMOK Factory

Boyan Manchev
Lecture-Interventionen Arachnes
Metamorphosen I + II
16.10. + 17.10., 16.00 Uhr
Im Rahmen von Emergence Room
von deufert + plischke
MUMOK Factory

Mike Kelley
Day is Done
26.10., 19.00 Uhr
MUMOK Factory
Push and Pull

Lucinda Childs
Dance
29. + 30.10., 20.30 Uhr
TQW / Halle E

Lucinda Childs
Künstlerinnengespräch
30.10., 14.30 Uhr
TQW / Studios

Lucinda Childs
Screening
30.10., 18.00 Uhr
Im Anschluss: Gespräch mit Lucinda
Childs und der Choreografin
Christine Gaigg
TQW / Studios

Ausstellung "Push and Pull"

6.—31. Oktober 2010
MUMOK Factory

Die beteiligten KünstlerInnen zeigen in der Ausstellung Push and Pull neue Installationen, Skulpturen, Videos und Klanginstallationen, die auch Teil ihrer Performances sind. Zudem werden erstmals Mike Kelleys Videoarbeiten Bridge Visitor (Legend — Trip), Documentary of Day Is Done Judson Church Horse Dance und Documentary of a Performance with Paul McCarthy and Nakahara Masaya zu sehen sein. Im Verhältnis zur Performance-Serie versteht sich die Ausstellung Push and Pull als eine Auffächerung exemplarischer konzeptioneller Strategien, die das Verhältnis zwischen der Live-Aufführung einer Performance und ihrer musealen Repräsentation als Projektion, Installation oder Skulptur im Ausstellungsraum ausloten.