Ausstellungsbesprechungen

Rebecca Horn – Love and Hate

O welche Fülle! Die Objekte und Performances der 1944 geborenen Rebecca Horn sind hinlänglich bekannt und strahlen gerade im vorläufigen Stand der künstlerischen Produktion eine unverbrauchte Phantasie aus, dass es eine Wucht ist – und noch hat: Die Messer-Arie mit dem unerschöpflichen Titel »Knuggle Dome for James Joyce« (2004), die die Stichworte für die aktuelle Schau »Love and Hate« anbietet, besingt ein kühles Machinenwesen zwischen aggressiver Spinne und spitz-findigem Tänzer.

Auch die Film-/Videoarbeiten, die zum Teil älteren Datums sind, haben längst ihren Platz in der Kunst gefunden. Weniger bekannt dürften aber die in jüngster Zeit entstandenen filigranen Skulpturen mit Titeln wie »Muscheluhr oder »Flug der Schmetterlinge« (2008) sein, aber auch und vor allem die federleichten Zeichnungen, die ein Credo Max Benses wieder beleben, nur der erste Strich auf dem Papier sei frei. In den Worten Rebecca Horns: »In diesen Zeichnungen … beginnt mit dem ersten Strich ein stilles Einvernehmen mit der Linie des Bleistifts, das Papier zu zerteilen, … jeder Strich erklärt dem nächsten sein Dasein.« Das ist mit Bleistift und Pinsel aufs Papier gezauberte Poesie, die oft in ihren Chiffren schwer zugänglich ist. Zuweilen ist die Botschaft aber auch fast simpel, wie im »Kristallfels« (2005), eine Lavakugel, die sich rhythmisch öffnet und innerhalb der unwirtlichen Schale einen Kristall freigibt, der wie eine Facette des schönen Lebens kurz auftaucht, um dann wieder hinter dem schroffen Gestein zu verschwinden.

Dass Horn in den kinetischen Arbeiten das körper- und emotionsbetonte Menschenmaß ansetzt, leuchtet unmittelbar ein. Es trifft aber genauso auf die Arbeiten auf Papier zu – sie orientieren sich als sog. »bodylandscapes« an »meinem Körperradius« (Horn) und beziehen den Raum mit ein. Dem reichhaltigen Werk der Ausstellung ist noch ein Segment beizufügen, das einer der Anlässe für die Schau im Salzburger Rupertinum ist: Für die Festspiele, die unter dem Motto »Denn stark wie die Liebe ist der Tod« stehen, hat Horn etliche Stücke ausgestattet, so dass man emphatisch feststellen kann: Salzburg feiert nicht nur sein Festspiel, sondern auch Rebecca Horn. Konkret verbindet sich der Name der international (in New York, Berlin und Paris) auftretenden Künstlerin mit der Neuinszenierung von Salvatore Sciarrinos Oper »Luci mie traditrici«, in der das Leitmotiv von Liebe und Hass wiederkehrt. Gelegentlich hat man ihre Installationen, Fotoübermalungen und Filme, Gemälde und Zeichnungen als gar nicht von der Hand zu weisenden Edelkitsch bezeichnet, doch muss dies gar nicht als Verunglimpfung aufgefasst werden. Denn zum einen legen selbst die jungen (Leipziger) Realisten ein Pathos vor, das die Messlatte des Kitsches selbstbewusst und nicht ohne Ironie auf eine neue Sprunghöhe einstellt – was man den Aktionskünstlern und im Hinblick auf Horn ganz gut bezeichneten abstrakten Symbolisten nicht vorenthalten sollte; zum anderen fügt sich die Schau damit in die Stadtkulisse von Salzburg ein, die durch ihre – selten kitschfreie – Theatralik und Sinnlichkeit lebt. Das Werk Rebecca Horns, das mythische Elemente genauso aufweist wie literarische, kulturgeschichtliche oder politische, ist über zwei Etagen ausgebreitet. Ein vorzüglicher Katalog begleitet die liebevoll inszenierte Ausstellung.

 

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Öffnungszeiten
Dienstag bis Sonntag 10 bis 18 Uhr, Mittwoch 10 bis 20 Uhr