Ausstellungsbesprechungen

Renoir, Gauguin, Degas. Schätze der Sammlung Ordrupgaard

Dänemark, d.h. Ordrupgaard bei Kopenhagen, verdankt seinen großartigen Bestand an französischen Impressionisten (im weitesten Sinne) samt klassizistischen, realistischen, barbizon-nahen und symbolistischen Künstlern dem Unternehmer und Sammler Wilhelm Hansen (1868–1936).

Dass sich darüber hinaus das kleine Nachbarland im Norden schon seit einiger Zeit als Kunstnation ersten Ranges in Europa präsentiert und das heimische Museum in Ordrupgaard saniert und von der Stararchitektin erweitert werden soll, kommt nun Stuttgart zugute: Cézanne, Courbet, Daumier, Degas, Delacroix, Gauguin, Manet, Monet, Morisot, Pissarro, Renoir machen Station im Schwabenland – also nur vom Feinsten! Aber damit nicht genug: Unter den dänischen Künstlern der Sammlung ist Vilhelm Hammershøi, dessen faszinierende Interieurs im vergangenen Sommer bereits in Hamburg bewundert werden konnten (andere dänische Künstler sind: Eckersberg, Jensen, Købke, Lundbye, Ring, Roed, Skovgaard).

Des einen Leid, des andern Freud. In diesem Credo lässt sich die Sammlungsgeschichte im Hause des Versicherungsunternehmers Hansen bis heute verfolgen – wobei heute wohl die Freude überwiegen dürfte. Mit nahezu schlafwandlerischem Gespür (und guten Beratern) holte er sich die damalige Malerelite nach Dänemark, die, bereits etabliert, nicht einmal preisgünstig zu erwerben war. Hansen kam der Exodus von so manchem Kunsthändlerimperium, etwa Vollards Beständen, zu Gute. Etwas abgelegen im Hinterland von Kopenhagen wuchs die Pracht zur herausragenden Sammlung, die schließlich aus den privaten Gemächern in eine öffentliche Sammlung überführt wurde. Nachdem die Finanznot auch den Hausherrn ereilte, musste Hansen etliche Monets nach Japan und den einen oder anderen Manet in die Schweiz (an die Sammlung Reinhart in Winterthur) abtreten. Die verbliebenen Impressionisten, dänischen Nationalromantiker und Vertreter des so genannten Goldenen Zeitalters vor der Jahrhundertwende schlummerten dahin – zumindest weitgehend unentdeckt vom Rest Europas –, bis nun ein Um- und Ausbau nötig wurde. Anders als die ähnlich unbekannte Barnes Collection, die vor etlichen Jahren unfreiwillig – Geldnot auch hier – auf eine Ausstellungstournee ging, schickten die Dänen ihren nunmehr staatlichen Hansen-Schatz auf Reisen, weil die Bestände ausgelagert werden mussten – ganz freiwillig zogen die Bilder also auch nicht los. Andrerseits buchstabiert mittlerweile jeder Kunstfreund den Ortsnamen Ordrupgaard, den er zuvor noch nie gehört hatte.

Fortsetzung von Seite 1

Freude ohne Ende? Ganz so ist es leider nicht; aber nachdem bereits über 75.000 Besucher die grandiose Ausstellung in der Staatsgalerie gesehen haben, verlängert Stuttgart die Schau bis zum 22. Februar! Wer also Meisterwerke der französischen Impressionisten sehen will, die so frisch wirken, als seien sie erst kürzlich ans Tageslicht gekommen, und wer dänische Künstler wie Vilhelm Hammershøi kennen lernen will, der tatsächlich als einer der ganz großen europäischen Maler hierzulande erst seit einem Jahr wahrgenommen wird, der sollte sich diese Chance nicht entgehen lassen. Dass die Schwerpunkte bzw. die subjektiven Vorlieben des dänischen Unternehmers allzu offensichtlich sind – Landschaften scheinen von besonderem Interesse gewesen zu sein; über einen soliden Modernitätsbegriff wagte sich Hansen nicht hinaus (van Gogh fehlt) –, macht die Ausstellung eher sympathisch, als dass ihr dies schaden könnte: So sinnvoll die Kontroverse im Kunstgeschehen ist, so angenehm ist es gelegentlich, wenn derart hochwertige Werke in fast familiärer Einhelligkeit beisammen sind.

 

 

Weitere Informationen

 

Öffnungszeiten
Dienstag–Sonntag 10–18 Uhr
Donnerstag 10–21 Uhr
7. Februar (KunstNacht) 10–24 Uhr

Eintrittspreise
Einzelkarte EURO 7,- / 5,50
Familienkarte EURO 12,-

Führungen und Veranstaltungen
Dienstag–Sonntag jeweils 15 Uhr: EURO 3,- / 1,50

Gruppen nur nach Voranmeldung
Tel. 0711-47040257 /-2484368 oder kunstvermittlung@staatsgalerie.de