Projekte

Restaurierung von Gipsen Alberto Giacomettis

Während vieler Jahrzehnte lagerten die Gipse Alberto Giacomettis in auswärtigen Depots. 2006 kam der größte Teil davon nach Zürich. Jetzt beginnt die kunsttechnologische Erforschung der fragilen Stücke. Das finanziell und personell aufwändige Unternehmen wird 2014 abgeschlossen sein.

Die am Kunsthaus Zürich ansässige Alberto Giacometti-Stiftung verfügt über den bedeutendsten Bestand an Werken des Schweizer Künstlers Alberto Giacometti (1901–1966). Durch die schlanken Skulpturen seines Spätwerks wurde der Künstler weltweit bekannt. Ein grosser Teil seiner Plastiken, Gemälde und Zeichnungen sind im Kunsthaus Zürich ausgestellt. Sie sollen mehr Platz erhalten, wenn im Jahr 2015 der Erweiterungsbau fertiggestellt ist. Aus diesem Anlass hat jetzt ein vierjähriges Forschungs- und Restaurierungsprojekt begonnen. Es befasst sich mit 80 Gipsen, die 40 Jahre nach dem Tod des Künstlers aus einem Pariser Depot und aus dem Bergell nach Zürich überführt und der Alberto Giacometti-Stiftung von Bruno und Odette Giacometti geschenkt worden waren. An einer Ausstellung im Jahr 2006 konnte sich die Öffentlichkeit einen Überblick über den konservatorischen Zustand der Gipse verschaffen.

FORSCHUNG UND WERT
Damit diese Gipse neben den Bronzen, Stein- und Holzskulpturen des Bergeller Künstlers dauerhaft ausgestellt werden können, bedarf es umfassender Massnahmen. Hanspeter Marty, Chefrestaurator am Kunsthaus Zürich und sein Team führen bis Sommer 2012 in einer ersten Phase kunsttechnologische Forschungen durch. Die Forschung – sie beinhaltet Material- und Objektanalyse, Literatur- und Archivrecherchen – bildet die Entscheidungsgrundlage auf welcher die Erhaltungs- und Instandsetzungsmassnahmen (Phase zwei) eingeleitet werden. Die bei der Analyse gewonnenen Daten werden in einer Datenbank hinterlegt und stehen für zukünftige Restaurierungsfälle zur Verfügung. Das Ergebnis der wissenschaftlichen Analyse kann Auswirkungen auf den Wert einzelner Werke haben. Die zu untersuchenden Gipse stammen alle aus Giacomettis Pariser Atelier und aus seinem Heimatort. Fälschungen sind ausgeschlossen. Einige tragen wertvolle Spuren auf sich. Möglicherweise ergeben sich daraus Hinweise über den Grad der Fertigstellung oder die Reihenfolge der Abgüsse, was für die Zuordnung und Bewertung einzelner Werke entscheidend sein kann. So stellt sich die Frage, ob unversehrte weisse Oberflächen auf ein Unikat hindeuten. War diese Skulptur nie zum Abguss bestimmt oder handelt es sich bei einem unversehrten Stück um eine Dublette der Giesserei? Einzelne der Objekte wurden bemalt und anschliessend abgegossen, andere sind verfärbt, weil vor dem Abguss eine Schellackschicht aufgetragen worden war. Viele Werke weisen Brüche, Risse oder abgebrochene Teile auf. Ihrer immensen Grösse wegen sind Arbeiten in Stücke zersägt und dann in mehreren Teilen gegossen worden.

WELCHE EINGRIFFE SIND VERTRETBAR?
Vom Künstler selbst herbeigeführte Bearbeitungsspuren, Schellacküberzüge, Bemalungen oder Bleistiftmarkierungen sind, da sind sich die Forscher bereits einig, erhaltenswert. Doch die Frage, ob zersägte Objekte in ihren Einzelteilen belassen oder wieder zusammengefügt werden dürfen – und wenn ja, mit welcher Aussage – wird sich erst am Ende der Forschungsphase klären. Nicht zuletzt stehen Lösungen zur präventiven Konservierung auf der Agenda: wie lassen sich durch Verbesserungen bei Transport und Lagerung zukünftige Schäden vermeiden?

ONLINE DOKUMENTATION UND VERMITTLUNG
Drei Spezialisten werden sich eine Vollzeitstelle während vier Jahren teilen. Die Grundlagen und Fortschritte des Projekts sind auf der Website des Kunsthauses dokumentiert. Zur Halbzeit sind Führungen hinter die Kulissen geplant. Damit erhalten interessierte Besucher Einblick in die Arbeit der Restauratoren. Nach Abschluss der Massnahmen sollen die Gipse im Kontext mit den anderen Skulpturen, Zeichnungen und Gemälden Alberto Giacomettis ausgestellt werden. Diese mehrjährige Forschungs- und Restaurierungstätigkeit verursacht Kosten in Höhe von einer halben Million Franken. Sie kann nur Dank der finanziellen Beteiligung privater Geldgeber durchgeführt werden.

Weitere Auskünfte:
Kunsthaus Zürich
Kristin Steiner, Presse und Kommunikation
kristin.steiner@kunsthaus.ch
Tel. +41 (0)44 253 84 13