Ausstellungsbesprechungen

Robert Häuser – Das Moortagebuch: Fotografien und Notizen. Forum Internationale Photographie, bis 3. Mai (verlängert)

Das Forum Internationale Photographie, welches unter dem Dach der Mannheimer Reiss-Engelhorn-Museen seinen Platz hat, ist fast so etwas wie die Heimstatt des renommierten Schwarzweiß-Fotografen Robert Häusser – sein unerschöpfliches Werk mit etwa 60000 Arbeiten liegt hier, und nach und nach werden Facetten daraus präsentiert. Diesmal liegt Häussers sogenanntes Moortagebuch zugrunde.

Als Robert Häusser 1984 den Preis der Stadt Nordhorn erhielt, der an einen dortigen Aufenthalt gekoppelt ist, betrat er eine außergewöhnliche Welt. Und Häusser wäre nicht einer der poetischsten Lichtbildner, wenn er die emsländischen Moorlandschaften nicht für sich genutzt hätte. Faszinierend dabei ist die Wechselwirkung von sprachlich-literarischer Auseinandersetzung mit der außergewöhnlichen Naturregion und der parallel dazu stattfindenden bildnerischen Auseinandersetzung. Die rund 25 Foto-Arbeiten und Texte folgen in der von Claude W. Sui kuratierten Schau einer stillen Dramaturgie, und lassen den Betrachter spüren, wie konzentriert man sich diesem Moor, dieser die Gesundheit herausfordernden Feuchtigkeit nähern muss. Er wird auch Zeuge des Ausharrens: Der Fotograf braucht das Licht als Partner, und so lag Häusser zuweilen eine halbe Ewigkeit in moorigen Pfützen, bis sich die Stimmung am spektakulärsten in Szene setzte, bis das Helldunkel seinen äußersten, suggestiven Ausdruckswert zeigte.

Der 1920 in Stuttgart geborene Robert Häusser, seit 1995 Träger des Internationalen Preises für Fotografie der Erna und Viktor Hasselblad Foundation, wohnt in Mannheim. Bereits der 16jährige Pressevolontär feilte an seinem unverwechselbaren Stil, Moden und schnelle Effekte interessierten ihn nie, vielmehr suchte er die Tektonik der natürlichen Wirklichkeit, und die zu finden, verlangt viel Zeit, ja: eine philosophische Kontemplation. Das Moortagebuch ist ein Bilderbuch des Denkens.


Das Bildbeispiel wird von folgendem Tagebuchtext vom 10. Februar begleitet: »Fahre wieder ins Moor. Hin und wieder kommt die Sonne. Hier ist etwas: das Objekt eigentlich belanglos, aber im Zusammenhang mit dem Ganzen bekommt es Bedeutung. Aber jetzt: Was für ein Licht! Alles bekommt Eigenleben. Denke an die Impressionisten ›Le sujet n'est rien, la lumière est tous‹. Ich habe mein Bild. Ich freue mich. Und dann wieder Regen, Regen, Regen. Ich will nicht mehr. Bin durchgefroren.«

Weitere Informationen 

Katalog
Alfred Wieczorek / Claude W. Sui (Hrsg.): Robert Häusser. Das Moortagebuch. Fotografien und Notizen. Regensburg: Schnell und Steiner, 2008. 72 Seiten.
ISBN 978-3-7954-2069-7, Ladenpreis 29,90 €