Ausstellungsbesprechungen

Rudolf Englert, Geschriebene Bilder

Nach 19 Jahren zeigt die Kunsthalle Dominikanerkirche zum zweiten Mal Werke Rudolf Englerts, der seinen letzten Wohnsitz in Osnabrück hatte, bevor 1989 starb. Die Retrospektive gibt einen Überblick über mehr als 20 Jahre seines künstlerischen Schaffens.

Obwohl die Malereien, Objekte, Graphiken und Zeichnungen kein einziges lesbares Wort enthalten, ist dem Betrachter sofort klar, was mit dem Ausstellungstitel „Geschriebene Bilder“ gemeint ist. Englert „schreibt“ seine Bilder, indem er Striche, Haken, Schlaufen , Kurven und Punkte – Elemente einer jeden Schrift – endlos und in Zeilen aneinanderreiht. Er beginnt auf dem Papier oben links und endet unten rechts. Er betreibt eine Art Kalligraphie ohne Worte. Im Gegensatz beispielsweise zur Islamischen Kalligraphie, die durch kunstvolle Darstellung einzelner Worte oder ganzer Texte, den Inhalt der Worte verherrlicht, bleibt Englert inhaltlich stumm.

 

 

Er drückt durch seine Bilder vielfach Gefühle der Musik aus. Seine sehr eklektische Plattensammlung von Klassik bis Freejazz diente ihm dazu als Quelle der Inspiration. Beim Betreten der Kunsthalle fällt dem Besucher sogleich die leise, aber sonst unübliche Beschallung ins Ohr. Diese Klanginstallation ermöglicht ein sehr genaues Einfühlen in die Struktur der Bilder, die ebenfalls nach Musik gemalt wurden und teilweise wie Notenblätter aussehen.

 

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In seinem Spätwerk hat sich eine Form aus Englerts Phantasieschrift klar durchsetzt: die Schlaufe. Sie wird zum Hauptdarsteller in den Acrylbildern. In diesen großen Tafelbildern verdeutlicht der Künstler den Prozess des Bilderschaffens. Er malt und übermalt seine Zeichen immer wieder. Dabei bleiben die unteren Schichten dennoch stets erahnbar. Während die Graphik schlicht schwarz-weiß und akribisch geordnet erscheint, entfaltet Englert in den Malereien die ganze vibrierende Farbigkeit seiner „Schrift“ in scheinbar wilder Zusammenstellung.

 

 

Neben diesen farbreichen späten Arbeiten sind auch völlig weiße Reliefs aus den 60er Jahren zu sehen. Auch in dem Medium Zellulose experimentierte Englert mit dem Skriptoralen, indem er Material auf die Bildoberfläche auftrug. Das serielle Arbeiten ist in diesen Frühwerken bereits grundlegend.

 

Bis 21. August 2005 bietet die Ausstellung die Gelegenheit die „Schriften“ Rudolf Englerts in der Kunsthalle Dominikanerkirche auf sich wirken zu lassen.

 

 

Öffnungszeiten
dienstags bis freitags 11 bis 18 Uhr,
samstags/sonntags 10 bis 18 Uhr

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