Ausstellungsbesprechungen

Saarland: Dreiklang. Arbeiten von Ruth Engelmann-Nünninghoff, Fränzi Herrmann und Mike Siebler

Mit der Ausstellung »Dreiklang« präsentiert das Martin-Niemöller-Haus in Frankenholz drei saarländische Künstler, deren Werke auf den ersten Blick recht verschieden anmuten. So begegnen dem Besucher die abstrakten Farbondulationen Ruth Engelmann-Nünninghoffs, die konzentrierten Schwarz-Weiß-Fotografien Fränzi Herrmanns und die sich Schicht für Schicht konstituierenden Collagen Mike Sieblers.

Ruth Engelmann-Nünninghoffs Arbeiten zeichnen sich durch intensive, leuchtende Farben und eine markante Formensprache aus. Dabei bringt die Künstlerin in schwungvollem Duktus des Spachtels Linien, kreisförmige und bisweilen bizarre Formgebilde hervor, die an die Phantasie des Betrachters appellieren und ihm zurufen: entdecke mich!

Und auf diese Weise kann – ganz im Sinne der Ausstellung – im Zusammenspiel von Farbe und Form, sowohl ein staccatoartiger und dynamischer Akkord  entstehen, als auch ein gehauchter, kaum wahrnehmbarer Klang sich Gehör verschaffen. Jede Linie, die Engelmann-Nünninhoff zieht, entwickelt einen Klang, der am Ende noch im Raum steht und nur langsam verhallt.

Die Arbeiten Fränzi Herrmanns fangen diesen im Raum verhallenden Ton auf und lassen ihn neu erklingen. Herrmanns Arbeiten spielen auf ganz filigrane Weise mit Form- und Lichtkontrasten. So stehen wellenförmige Lineamente Geraden oder kreisförmige Gebilde kantigen Formen gegenüber. Und bei Änderung des Blickwinkels verwandeln sich Gegenstände, werden sozusagen »entwirklicht« und abstrahiert.

Dabei können sie beschleunigt werden, wie etwa die zwei auf einer Spüle liegenden Eier, die sowohl durch den Hell-Dunkel-Kontrast als auch die unterschiedlichen Formgebungen sich auf einer Diagonalen in rasanter Geschwindigkeit zu bewegen scheinen. Die Künstlerin verleiht auf diese Weise den Fotografien einen vitalen Duktus. Leben - und zwar im direktesten Sinne - findet sich in Herrmanns »Wasserbildern«, die durch ihre Spiegelungen den Betrachter zunächst irritieren.

Aber es sind gerade diese Spiegeleffekte, die zu einem intensiveren Betrachten führen. Und wie bereits Engelmann-Nünninghoffs Arbeiten, haben auch die Fotografien Herrmanns jenen klangvollen Impetus, der sich in den Werken Mike Sieblers fortsetzt.

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Sieblers Mischtechniken entstehen Schicht für Schicht. Dabei kann der Untergrund seiner polycoloren Collagen aus so verschiedenen Materialien wie Holz- oder Kunststoffplatten, Karton oder auch großformatigen Fotografien bestehen. Eingefärbtes Zeitungs-, Seiden- oder Japanpapier wird darüber gelegt und koloriert.

So entsteht eine haptische Oberflächenstruktur, die als lebendiges Moment die Arbeiten prägt. Zudem spielt der Künstler mit den unterschiedlichen Trocknungszeiten der verschiedenen Farben, so dass er durch Auftragen und wieder Wegnehmen eine ungemeine Sogwirkung in seinen Arbeiten evozieren kann.

Mike Siebler geht es um die hinter dem Bild stehende Welt, die erahnbar, aber nicht immer sichtbar ist. So wird ein kleines Stück des Hintergrundes, das nur bei sehr genauer Betrachtung zutage tritt, zu einem Verweis auf die sich hinter dem Bild verbergende Wirklichkeit. Es kommt also darauf an, dem Bild seine Klänge »abzulauschen«.

Dem Martin-Niemöller-Haus ist mit »Dreiklang« eine lobenswerte Ausstellung zur saarländischen Gegenwartskunst gelungen. Überzeugend sind die ausbalancierte Anordnung der Arbeiten, die Vielfalt künstlerischer Gestaltungsmöglichkeiten wie Malerei, Fotografie und Mischtechnik/Collage und natürlich die Arbeiten der drei Künstler selbst, die – von ganz unterschiedlichen Klängen geprägt – harmonisch zusammenklingen und einander ergänzen. Kurzum: eine Ausstellung, die einen Besuch lohnt!

 

Weitere Informationen

 

Öffnungszeiten
Mittwoch 15 - 18 Uhr
Sonntag 15 - 18 Uhr
und nach Vereinbarung

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