Kataloge

Silvia Eiblmayr (Hrsg.): Isa Genzken, Verlag der Buchhandlung Walther König, Köln 2006.

Das unkonventionelle Arrangieren und Kombinieren alltäglicher Objekte um neue Sinnzusammenhänge zu kreieren, zeichnet die neuen Arbeiten der deutschen Künstlerin Isa Genzken aus, die in zwei eindrucksvollen Ausstellungen im Sommer 2006 in Österreich zu sehen waren.

In der vielteiligen Arbeit »Der amerikanische Raum«, die von der Galerie im Taxispalais in Innsbruck gezeigt wurde, platziert die Künstlerin Objektgruppen auf Sockeln vor einem ausladenden Schreibtischensemble. Die hübschen Arrangements aus Alltags- und Konsumgütern schaffen eine trügerische Idylle, die allerdings durch die starke Symbolkraft der Objekte und ihrer Anordnung gestört wird und die Strukturen einer amerikanischen Welt offen zu legen scheinen. In der Secession in Wien bieten über den Raum verteilte Rollstühle und zerrissene Sonnenschirme das apokalyptische Bild einer krankenden Gesellschaft. Die Rollstühle nehmen statt hilfsbedürftiger Menschen Stoffe und Folien auf und den mit Farbe beschmierten Babypuppen bieten die Gehhilfen und Schirme sowieso keinen Schutz mehr. Schon von Geburt an sind Kinder Teil eben jener Konsum- und Kriegsgesellschaft, was offensichtlich einen Grund für die Ausweglosigkeit dieses Desasters darstellt.

 

 

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Der ausstellungsbegleitende Katalog, der im Verlag der Buchhandlung Walther König erschienen ist, bietet mit ganzseitigen Fotografien eine hervorragende Dokumentation dieser Ausstellungen. Die vielen Detailaufnahmen ermöglichen dem Betrachter, in Genzkens Figurenwelt einzutauchen und erleichtern den Zugang zu ihrem symbolischen und referenziellen Werk. Zwei Artikel im Katalog geben darüber hinaus umfangreiche Hinweise zur Deutung der Arbeiten. Benjamin Buchloh schafft dies durch eine entwicklungsgeschichtliche Analyse, ohne aber den Versuch zu unternehmen, ihre neuen Arbeiten als logische Folge ihrer älteren Werke zu sehen. Manfred Hermes greift eben jenen häufig in der kritischen Literatur zu findenden Versuch an, einen roten Faden in ihr Werk einweben zu wollen. Auf überzeugende Weise gelingt es aber gerade ihm, eine Entwicklungslinie aufzuzeigen, indem er beispielsweise in Genzkens Fensterskulpturen der späten 1980er und frühen 90er Jahre die Nähe zu ihren Fotoarbeiten ausmacht oder komplexe Bezüge in diesen Fotografien als Vorboten auf ihre neusten Arbeiten sieht. Darüber hinaus eröffnet der Autor durch die Deutung solcher zum Teil kunstgeschichtlicher Referenzen eine weitere Dimension des Werks von Isa Genzken.