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Skulpturen aus dem Boboli-Garten – Eine Online-Ausstellung der Photothek des Kunsthistorischen Institutes in Florenz – Max-Planck-Institut

Die Photothek des Kunsthistorischen Institutes in Florenz – Max-Planck-Institut führt kontinuierlich Fotokampagnen durch und stellt digitale Kopien in hoch auflösenden Formaten der Wissenschaft zur Verfügung. Jetzt ist ein Teil der Skulpturen des Boboli-Gartens in Florenz, die mit Unterstützung der Direktion des Boboli-Gartens seit 2008 in einer größeren Kampagne dokumentiert werden, in einer Online-Ausstellung zu sehen.

Die Ausstellung zeigt in insgesamt 58 Fotos Skulpturen aus dem sogenannten Stanzonaccio des Boboli-Gartens in Florenz. Der Stanzonaccio ist ein aus dem 17. Jahrhundert stammendes Funktionsgebäude an der westlichen Mauer des Boboli-Gartens und befindet sich im sogenannten Giardino degli Agrumi (Zitrusgarten) oder Giardino della Lavacapo. Nach der Überflutung von Florenz 1966 wurde der Stanzonaccio in kleine Räume geteilt und dient seitdem der Soprintendenza dei Beni Ambientali e Architettonici als Depot. 2002 wurde er vollständig restauriert und beherbergt seit 2007 Skulpturen, die aus dem Garten hierher gebracht worden sind, um sie vor Witterungseinflüssen zu schützen.

Die weitläufige Anlage des Boboli-Gartens entstand im Zusammenhang mit dem Ausbau des Palazzo Pitti zur großherzoglichen Residenz in der Mitte des 16. Jahrhunderts. 1549 beauftragte Cosimo I. de’ Medici den Architekten Nicolò di Raffaello, genannt „Il Tribolo“ mit der Anlage des Gartens, der daran bis zu seinem Tod 1550 arbeitete. Ihm folgten so bekannte Persönlichkeiten wie Giorgio Vasari, Bartolomeo Ammannati und Bernardo Buontalenti. Ein Jahrhundert später erfuhr der Garten – vor allem unter den Großherzögen Cosimo II. de’ Medici (1608-1621) und Ferdinando II. de’ Medici (1621-1670) und ihren Architekten Giulio und Alfonso Parigi – eine beachtliche Umgestaltung, welche die Morphologie des Gartens bis heute unübersehbar formte.

Eine der ersten Skulpturengruppen, die im Garten Aufstellung fand, war der auf einer Schildkröte reitende Zwerg Morgante. Sie gilt als eine der frühesten Darstellungen eines Zwerges im Kontext einer Gartenanlage. Cosimo I. de’ Medici hatte die Skulptur seines Hofzwerges Morgante bei dem aus Settignano bei Florenz stammenden Bildhauer Valerio Cioli zwischen 1561 und 1564 in Auftrag gegeben. Ursprünglich befand sich die Skulptur unter einer Pergola nahe der heutigen Piazza Bacco, wurde aber bereits 1579 zu einem Brunnen umgearbeitet und an den Gartenausgang versetzt. Dort wurde sie 1986 durch eine Kopie ersetzt. Das Original, welches umfassend restauriert wurde, befindet sich heute im Stanzonaccio.

Unter dem Großherzog Peter Leopold von Habsburg Lothringen (1765-1790) wurde der Garten noch einmal umfassend erweitert. In seinem Auftrag entstand nicht nur das Kaffeehaus im östlichen Teil, sondern auch die davor liegende Platzanlage, in deren Zentrum 1776 ein Brunnen angelegt wurde, dessen oberes Becken von der Skulptur Ganymed auf dem Adler dominiert wird. Sie wurde von dem ebenfalls aus Settignano stammenden Bildhauer Battista Lorenzi für die unweit des Palazzo Pitti gelegenen Villa Poggio Imperiale in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts geschaffen. Vermutlich war die Tochter Cosimo I. de’ Medici, Isabella de’ Medici ihre Auftraggeberin, welche die Villa von ihrem Vater 1565 geschenkt bekam. Sie war es auch, die für ihre Villa Poggio Imperiale die Skulpturengruppe Bacchus mit Satyr Vincenzo Rossis erwarb, die später, 1777, in den Boboli-Garten gebracht und unweit des Eingangs an der Porta Romana aufgestellt wurde.

Mit der Anlage des Prato delle Colonne Ende des 18. Jahrhunderts, einer großflächigen Platzanlage am südlichen Rand des Boboli-Gartens, die ihren Namen nach zwei in ihrer Mitte aufgestellten Säulen erhalten hatte, wurde ein repräsentatives Zentrum zur Aufstellung antiker Kolossalbüsten geschaffen. Unter anderem wurde hier die über einen Meter große Marmorbüste Kaiser Hadrians aus dem 2. Jh. n. Chr. aufgestellt, die vorher in den Uffizien aufbewahrt wurde. Die Büste, deren Bruststück eine Ergänzung aus späterer Zeit ist, kann durch ihre übergroßen Maße als Pendant zu dem in der Rotunde der Vatikanischen Museen aufgestellten Büste Kaisers Hadrians gelten, die Anfang des 18. Jahrhunderts im römischen Castel Sant’Angelo, dem von Hadrian in Auftrag gegebenen Mausoleum, entdeckt wurde. Heute befindet sich die Büste im Stanzonaccio, während im Garten eine Kopie aufgestellt wurde.

Unter http://expo.khi.fi.it können Sie sich die Ausstellung ansehen.

Vorschau

Die nächste Online-Ausstellung wird am 13. Februar 2011 eröffnet und widmet sich neu zugeschriebene Zeichnungen aus dem Gabinetto Disegni e Stampe der Uffizien.