Ausstellungsbesprechungen

Sofie Thorsen, Bank Austria Kunstforum, Wien, bis 14. Juli 2013

Die 1971 in Dänemark geborene Künstlerin setzt sich in ihrer Arbeit schon länger mit dem Thema Spielplastiken auseinander. Stefanie Proksch-Weilguni hat sich die in Zusammenarbeit mit der Künstlerin entstandene Schau angesehen.

Das Phänomen der Spielplastiken verbreitete sich in der Nachkriegszeit ausgehend von Skandinavien auch im restlichen Europa und in den USA. In Österreich finanzierte die Stadt Wien während des Wiederaufbaus zahlreiche Kunst-am-Bau-Projekte. Eingebunden in Wohnbauprojekte positionierten sich die Spielgeräte zwischen Kunst und Leben.

Sofie Thorsen hat eine sensible Hommage an diese Spielgeräte erarbeitet. Eine lange Archivarbeit war dazu notwendig, da der Großteil der Spielplastiken heute nicht mehr existiert. Anhand von Fotos entwickelt sie eine Installation mit einer eigenen Formensprache, die zentrale Charakteristika aufgreift und im Kunstkontext neu inszeniert.

Thorsen behandelt die Umgebung der Raumskulptur mit bemerkenswerter Aufmerksamkeit. Das ineinander greifende Stahlgestänge sorgt durch seinen unregelmäßigen Grundriss für Spannung. Es regt mehr zu einer Begehung als zu einer Betrachtung an. Der Kontrast zwischen der hellen Beleuchtung und dem schwarzen Boden bringt eine zusätzliche Turnhallenatmosphäre mit hinein.

Das Bewegungsmoment visualisieren auch die angebrachten Papierelemente. Historische, stark vergrößerte Schwarz-Weiß-Fotografien drehen sich um das Gestänge. Es entsteht ein Gegensatz zwischen der Leichtigkeit des Papiers und der fest verankerten Konstruktion. Die dünnen Stahlrohre würden sich allerdings nicht als Klettergerüst eignen und tragen somit ebenfalls den Moment der Fragilität in sich.

Das Volumen der Cut-outs wird in Collagen in die Fläche projiziert. Dabei findet ein Reduktionsprozess statt: Die positiven Farbflächen der Bilder verringern sich von links nach rechts und deuten auf das Verschwinden der Spielplastiken aus der Lebenswelt hin.

Weitere Informationen

Mehr zur Künstlerin gibt es unter dem Titel »Sofie Thorsen: Schnitt durch den Raum« in der Onlineausgabe der österreichischen Zeitung Die Presse.