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Sommerreihe: Skulpturenparks, die man gesehen haben muss. Teil 2: Parco Sculture del Chianti, Toskana

Die Region Chianti in Italien ist vor allem für ihren Wein berühmt. Doch darüber hinaus hat sie noch viele weitere Überraschungen und Sehenswürdigkeiten zu bieten. Eine davon ist der wunderschöne Skulpturenpark Parco Sculture del Chianti.

In dem kleinen Ort Pievasciata nördlich von Siena liegt der Parco Sculture del Chianti, eine 13 Hektar große Dauerausstellung zeitgenössicher Skulpturen. Gegründet wurde der Park im Jahr 2004 von dem Ehepaar Piero und Rosalba Giadrossi, zwei italienischen Kunstliebhabern und Galeriebesitzern.

Das Gelände des Parkes ist ein Eichenwald, der früher zur Wildschweinzucht genutzt wurde. Heute beherbergt er 26 Skulpturen und Installationen. Kunst und Wald gehen hier ein harmonisches Verhältnis miteinander ein: Weder dient der Wald als bloße Kulisse, noch stellt er die Skulpturen in seinen Schatten. Vielmehr ist es das erklärte Ziel des Projekts, eine gelungene Integration von Kunst und Wald, von Kultur und Natur zu schaffen. So dominieren die von Menschen geschaffenen Artefakte auch nicht ihre Umgebung, sondern treten in einen Dialog mit ihr. Entstanden sind gelungene Zusammenspiele mit den Farben, den Geräuschen und den Lichtern des Waldes.

Damit diese Harmonie entstehen kann, wurden die Kunstwerke eigens in Auftrag gegeben: die Künstler haben denWald zunächst besichtigt und dann ihre Idee für den gewählten Ort vorgeschlagen. Ausgewählt wurden schließlich 26 Projekte von Künstlern aus allen fünf Kontinenten. Zudem wurde auf eine Vielfalt der verwendeten Materialien geachtet, sodass sich dem Besucher ein Panorama der bunten Welt zeitgenössischer Kunst ermöglicht wird.

Eines dieser Kunsterlebnisse stellt das Labyrinth des englischen Künstlers Jeff Saward dar, in dessen türkisen Glaswänden sich das Licht bricht — als würde das Lichtspiel der Baumkronen auf dem Boden gespiegelt werden. Auch die Installation »Rainbow Crash« von Federica Marangoni (Italien) fängt das Licht ein. Wiederum wie Pilze schießen die weißen Zylinder von Nicolas Bertoux (Frankreich) aus dem Boden.

An anderer Stelle trifft der Besucher auf die Skulptur »Leapfrog« von Dominic Benhura aus Zimbabwe: Eine Gruppe Mädchen, die Bockspringen spielt. Man hat den Eindruck, dass die Kinder einen sorglosen Tag im Wald verbringen und herumtollen. Doch gleichzeitig scheint ihr Spiel zu tollkühn und sie drohen im Sprung zu stürzen. Das zunächst unverfängliche Spiel birgt auf einmal etwas Gefährliches, sodass sich der Betrachter unweigerlich fragt, woher die Mädchen kommen und wieso sie alleine im Wald sind.

Ganz anders die Figurengruppe des japanischen Künstlers Kei Nakamura, die über die Symbiose von menschlichen und natürlichem Lebensraum nachdenkt. Zu sehen sind Menschen in einer Warteschlange vor einem kleinen Kiosk oder Ticketschalter. Das Besondere ist, dass der Schalter aus behauenen Felsblöcken zu sein scheint. Es wirkt wie eine Aneignung und Nutzung der natürlichen Umgebung und Materialien, ohne diese sich selbst zu entfremden — Was tut der Besucher des Parks anderes, wenn er den Wald mit seinen Skulpturen entdeckt?

Die weiteren 22 Künstler und ihre Werke gilt es selbst zu entdecken. Dass es sich lohnt, den ungefähr einen Kilometer langen Rundweg entlang zu spazieren, wurde auch schon an anderer prominenter Stelle gesagt. So hat die britische Zeitung The Guardian den Park unter die zehn schönsten Parks Europas gewählt, das Magazin National Geographic sogar unter die zehn schönsten der Welt. Und nach dem Besuch sollte noch ein Abstecher nach Pievasciata folgen. Denn im Zuge des Projektes »Pievasciata Borgo d’Arte Contemporanea« (Pievasciata — Zentrum für zeitgenössische Kunst) sind in dem kleinen Ort seit 2012 zehn weitere Skulpturen zu sehen. Also nichts wie hin! Denn nicht nur guter Wein erwartet einen in Chianti, sondern auch spannende Kunst!