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Sommerreihe: Skulpturenparks, die man gesehen haben muss. Teil 3: Jupiter Artland, Schottland

Eingebettet in die herrlich romantische Landschaft rund um Edinburgh liegt das Jupiter Artland. Hier treten zeitgenössische Kunstwerke mal dezent, mal provokativ mit der Parklandschaft rund um das Bonnington Herrenhaus in Dialog. Hier kann man sich im besten Sinne verzaubern lassen.

1999 kaufte das Ehepaar Robert und Nicky Wilson Bonnington House samt Park. Nicky Wilson, selbst Künstlerin, begann alsbald ihre Idee eines Skulpturenparks zu verwirklichen. Beeinflusst wurde die Hausherrin dabei vom nicht weit entfernten Little Sparta, einem nicht minder malerischen Skulpturenpark. Das Ehepaar wollte hier eine Sammlung zeitgenössischer Kunstwerke unter freiem Himmel, eingebettet in die zum Teil wildromantische Parklandschaft der Öffentlichkeit zugänglich machen.

Und so finden sich hier etwa Werke von Anish Kapoor, Ian Hamilton Finlay oderPhyllida Barlow. Das wohl am meisten abgelichtete Werk stammt dabei von Marc Quinn: Die »Love Bomb« zeigt eine zwölf Meter hohe Orchidee mit zahlreichen Blüten in unterschiedlichen Farben. Sie spielt mit der menschlichen Faszination für das Schöne. Einerseits zeigt das Werk eine de beliebtesten Zimmerpflanzen, die vor allem aufgrund ihrer schönen Blüten in zahlreichen Ausführungen (neuerdings auch in Schwarz-Lila) zu erwerben ist. Andererseits verkehren die ungeheuren Ausmaße der eigentlich filigranen Blüten das Bild der herrlichen Pflanze ins Gegenteil, lassen sie gelegentlich gar bedrohlich wirken.

Wesentlich stiller kommen da die Werke von Andy Goldsworthy daher, immerhin gleich vier: »Stone House Bonnigton« zitiert den Baustil englischen Cottages, in denen die einfache Landbevölkerung daheim war: schmucklos, klein und massiv. Im Innern befindet sich lediglich Felsboden, der die Gemütlichkeit des Gedankens an ein Heim ad absurdum führt. » Stone Coppice« platziert Felsbrocken inmitten wachsender Bäume und verändert so ihr Wachstum, und der »Coppice Room« verpflanzt gar einen ganzen Niederwald ins Innere einer kleinen Hütte. Aus der Arbeit an den Kunstwerken im Wald entstand zudem die »Clay Tree Wall«. Hierfür verwendete Goldsworthy einen im Niederwald des Jupiter Artland gefällten Baum, den er mit Lehm bedeckte und an einer Wand befestigte. So thematisiert der Künstler die Gegebenheiten der Parklandschaft in seinen Werken auf und schafft im besten Sinne in ihre Umwelt eingebettete Werke.

Auch eine Hommage an den Namensgeber des Parks, den Gott Jupiter gibt es: der ein wenig kurios anmutende Wegweiser zum Planeten Jupiter, geschaffen von Peter Liversidge. Auch dieser Künstler ist gleich mit mehreren Arbeiten vertreten, zum Beispiel noch mit » Proposal 47, Winter Shadow«, für das er den winterlichen Schatten eines Baumes mithilfe einer Tulpenbepflanzung auf das Gras »zeichnete« und so auch im Frühjahr an die vergangene Jahreszeit erinnert, aber auch noch mit zwei weiteren Werken. Eine magische Idylle hingegen hat Christian Boltanski geschaffen. Mit »Animitas« hat er seine bisher größte Installation geschaffen und dafür 200 japanische Glöckchen an Drahtaufstellern angebracht. Diese bewegen sich nun im Wind und schaffen eine faszinierende Klanglandschaft. Einige der Werke sind zudem äußerst provokativ: Cornelia Parker etwa zeigt ein überdimensionales Gewehr an einen Baum gelehnt und erinnert an den menschlichen Einfluss auf die Natur.

Neben den in die Natur eingebetteten Arbeiten im Park gibt es obendrein einen Galerie-Bereich in Bonnington House, der weitere Arbeiten sowie Sonderausstellungen zeigt. Dort befindet sich auch das Restaurant, das ebenfalls ein eigenes, von Nicolas party geschaffenes Kunstwerk ist und mit seinen poppigen Farben einen Kontrast zur romantischen Landschaft bildet. Darüber hinaus gibt es immer wieder temporäre Installationen im Park, die die dauerhaft gezeigten Werke ergänzen, aber es wird auch stets an der Sammlung gearbeitet. Neu entstanden ist so Phyllida Barlows »Quarry«. Und für alle, die gern spielen, ist sicherlich wichtig zu wissen, dass die Parklandschaft auch im Spiel Minecraft erkundet werden kann! Daneben gibt’s natürlich auch eine eigene App für alle, denen der Besuch nicht reicht oder die nicht bis zum Edinburg-Urlaub warten möchten. Digitales und Naturerlebnis verbinden sich auf diese Weise.