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Sommerreihe: Skulpturenparks, die man gesehen haben muss. Teil 5: Österreichischer Skulpturenpark, Steiermark

Gartenarchitektur ist für sich schon ein künstlerisches Feld. Wenn in diesen kunstvollen Anlagen dann noch Skulpturen arrangiert werden, entsteht ein Dialog zwischen Kunst und Natur, Besuchern und Park, Skulptur und Garten. Der Österreichische Skulpturenpark ist eine solche Begegnungsstätte.

Sieben Kilometer südlich von Graz liegt der Österreichische Skulpturenpark. Entstanden ist er auf dem ehemaligen Gelände der Internationalen Gartenschau aus dem Jahr 2000. Das Areal, das von dem prominenten Landschaftsarchitekten Dieter Kienast gestaltet worden ist, eignete sich ideal für die neue Skulpturenausstellung. 2003 eröffnet, versammelt sie über 70 Skulpturen von österreichischen und internationalen Künstlern wie Erwin Wurm, Christa Sommerer oder Yoko Ono.

Das Zusammenspiel von Garten und Kunst ist seitdem das zentrale Leitthema des Parks. Einen Garten anzulegen bedeutet nicht nur einen Eingriff in die Natur vorzunehmen, sondern auch mit ihr zu interagieren und sich ihr anzupassen. Die gestaltete Natur verändert ihre Form, sie wächst. Eine Skulptur geht eine ähnliche Interaktion mit ihrer Umwelt ein, setzt sie doch zumindest immer einen markanten Akzent und lädt dazu ein, zu verweilen und sie zu betrachten. Es ist ein besonderes Anliegen des Parks diese Gesprächsräume zu öffnen. Im Wechselspiel von Kunst und Natur wird ihr spezifisches Vokabular deutlich, das nicht nur etwas über die jeweilige Skulptur aussagt, sondern auch über die Gesellschaft, ihre Konflikte und Träume. Denn mit dem jeweiligen Künstler einerseits und dem Besucher andererseits tritt noch ein dritter Gesprächspartner hinzu: der Mensch. Dabei sind die Begegnungen nie die gleichen, sondern stets neu und anders. Denn nicht nur Pflanzen und Besucher führen ihr Eigenleben, sondern auch die Skulpturen verändern sich in der Witterung.

Dieser Schwerpunkt des Dialoges wurde auch in anderer Form weiterverfolgt: Bei den ausgestellten Skulpren handelt es sich vornehmlich um zeitgenössische österreichische Arbeiten, denen ausgewählte internationale Werke gegenübergestellt wurden. So erhält der Besucher einen Einblick in die österreichische Kunstszene im internationalen Kontext und wie diese miteinander korrespondieren.

Eine dieser Skulpteren ist die Arbeit »Betonboot« (2003) von dem Grazer Bildhauer Michael Schuster. Ein Segelboot liegt auf einem Grashügel. Im ersten Moment scheint es eigentlich zu dem benachbarten Badesee zu gehören. Gleichzeitig macht es den Eindruck eines versunkenen Schiffes auf dem Meeresboden, das im Wechsel der Gezeiten wieder freigelegt worden ist. Damit spiegelt sich die Auseinandersetzung mit dem Ort und der Umgebung in der Skulptur wieder, die auch Wind und Wetter ausgesetzt ist. Dabei rückt immer auch wieder ins Bewusstsein, dass es sich um eine Skulptur in einem Skulpturenpark handelt. Denn schließlich ist das Boot aus einem Betonguss alles andere als seetüchtig.

Ebenfalls auf den Ort geht die Arbeit von Michael Kienzer ein (o.T., 1992/94). Der Östereicher hat auf einem Grashügel einen kupfernen Trichter aufgestellt, der sich nach oben hin öffnet und somit die Erhebung spiegelt. Durch diese Konfrontation von Hügel und Skulptur tritt die Landschaftsgestaltung als eine künstliche, und damit immer auch potenziell künstlerische zutage. Das wiederum auch die Kunst natürlichen Wandlungsprozessen unterliegt, wird dadurch deutlich, dass das Kupfer im Laufe der Zeit oxidiert und sich grün verfärbt.

Zu den internationalen Werken gehört »Painting to Hammer a Nail In / Cross Version« von Yoko Ono. Die Arbeit, die das erstemal 1990 realisiert worden ist, fordert den Betrachter zur Interaktion mit ihr auf: Er soll in eines der drei Holzkreuze einen Nagel schlagen. Diese bewusst an Golgota angelegte Szene verdeutlicht einerseits die Handlungsmacht von Kunstwerken, die den Besucher zu bestimmten Handlungen animieren. Andererseits wird einem ins Bewusstsein gerufen, welche Konsequenzen unser (unbedachtes) Handeln nach sich ziehen kann.

Der Österreichische Skulpturenpark wartet also mit einer Vielzahl spannender Dialoge und Begegnungen auf, bei denen sicher für jeden etwas dabei ist. Der Park lädt zum Nachdenken ein — ob über Kunst und Natur, über Natur und Gärten oder über Kunst und Betrachter. Und nach dem Besuch im Park geht es zur Erfrischung in den Badesee! Wenn das nicht ein gelungener Sommertag ist!