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Sommerreihe: Skulpturenparks, die man gesehen haben muss. Teil 6: Kröller-Müller Skulpturengarten, Niederlande

Kunst im Nationalpark? Normalerweise erwartet man hier nur eine unberührte Flora und Fauna. Nicht so in den Niederlanden: Mitten in dem Nationalpark De Hoge Veluwe liegt das Kröller-Müller-Museum und sein Skulpturengarten.

Das Kröller-Müller-Museum geht zurück auf die Sammlung von Helene Kröller-Müller, einer Kunstenthusiastin zu Anfang des 20. Jahrhunderts. 1906 erwarb sie die ersten Stücke ihrer Sammlung, die am Ende über 11.000 Exponate umfasste. Von Anfang an bewies sie ein sicheres Gefühl für herausragende Künstler und hat unter anderem eine der umfangreichsten Sammlungen an Van Gogh-Werken zusammengestellt — mit ungefähr 180 Zeichnungen und 90 Gemälden. Dabei wollte sie ihre Sammlung immer der die Öffentlichkeit zugängig machen. 1938 wurde schließlich das Museum gegründet.

1961 kam dann der Skulpturenpark hinzu, mit dem sich der erste Museumsleiter nach Helene Kröller-Müller, Bram Hammacher, einen Traum erfüllte. Lag der Fokus vorher vor allem auf modernen Gemälden, entstand nun eine ebenso beeindruckende Skulpturensammlung.

Extra für das Kröller-Müller-Museum entwarf Martha Pan die Skulptur »Sculpture flottante, Otterlo« (1960-61). Dafür ließ sie einen kleinen See ausgraben, auf dem sie eine weiße Figur arrangierte. Aus zwei konkaven Körpern wird die Skulptur von Wind und Wetter über den See getrieben, als wäre sie ein Schwan.
Auch »Spin out, for Robert Smithson« (1972-1973) von Richard Serra interagiert mit der Natur und der Umgebung. Drei senkrechte Stahlplatten formen ein Tal zwischen den Bäumen. Doch sind sie so angeordnet, dass es keinen Mittelpunkt gibt. Beim Durchlaufen des Tales wird der Besucher irritiert, so wie sich auch die freiwüchsige Natur in kein Schema einordnen lässt.
Davon, dass Kunst und Natur nicht weit voneinander entfernt sind, ist Jean Arp überzeugt. In beiden Fällen entwickele sich aus einem begrenzten Grundstock an Formen eine schier unendliche Vielzahl an Gestalten. So stellt sich seine Skulptur »Berger des nuages« (1953) je nach Perspektive mal als Wolke, mal als Frucht dar. Die Formen ändern sich wie der Himmel, der sich in der Skulptur spiegelt.

Doch nicht nur die Museumsanlage ist ein Erlebnis: Eingefasst ist das Gelände in den wunderschönen Nationalpark De Hoge Veluwe, ebenfalls ein Nachlass des Ehepaares Anton und Helene Kröller. Das 5.400 Hektar große Gelände ist selbst eine Art Museum der Landschaften. Heidefelder, natürliche Grasflächen, verschiedene Waldtypen, Sandwehen sowie Kulturlandschaften finden sich hier. Den Park erkundet man am besten mit einem der weißen Fahrräder, die den Museums- und Parkbesuchern kostenlos zur Verfügung gestellt werden. Einfach an einem der Eingänge sich ein Rad nehmen, aufsetzen und los! Das Fahrrad kann dann am Museum oder am Ausgang wieder abgestellt werden. Bei der Gelegenheit sollte man gleich auch einen Abstecher zum Jagdhaus Sint Hubertus machen, dem ehemaligen Landsitz der Familie Kröller-Müller. Erbaut wurde es von dem niederländischen Architekten H.P. Berlage und besticht durch seine Symmetrie in Form eines Hirschgeweihs. Heute zählt es zu den wichtigsten Baudenkmälern der Niederlande.

Wenn Sie nun den Skulpturenpark des Kröller-Müller-Museums besuchen wollen, nehmen Sie sich am besten ein ganzes Wochenende Zeit! Denn das Museum, der De Hoge Veluwe-Nationalpark oder das Jagdhaus Sint Hubertus lohnen ebenso einen Besuch wie die Skulpturensammlung.