Ausstellungsbesprechungen

Stefanie Lampert, Galerie Rottloff Karlsruhe, bis 10. Dezember 2010

Stefanie Lamperts Installationen sind Interaktionen zwischen Licht, Farbe und Raum. Der jeweilige Lichteinfall verändert die der Abstraktion verpflichteten Werke nicht nur, er weckt sie erst zum Leben. Bettina Göpferich hat sich mit ihren Arbeiten befasst.

Die Künstlerin Stefanie Lampert fühlt sich mit ihren Arbeiten in Bauhausarchitekturen am wohlsten. Die 1966 in Pforzheim geborene Künstlerin beschäftigt sich in ihrer Arbeit mit Farbe, Licht, Raum und deren Interaktion. So beispielsweise bei ihrer letzten Ausstellung im Winter 2010 in der Galerie Rottloff in Karlsruhe. Dort bespielte sie die verdunkelten Galerieräume mit einer Lichtinstallation, bestehend aus Projektoren, die farbige Flächen unterschiedlicher Größe an die Wand warfen. Durch Überschneidungen der einzelnen Projektionen ergaben sich weitere Farbmodulationen. Mit einbezogen in die Installation waren auch die BetrachterInnen, die – durch den Wechsel der Position und damit die Veränderung des eigenen Schattens – unterschiedlichste Blickpunkte des durch das Kunstwerk gestalteten Raumes möglich machten.

Schon während ihres Studiums an der Karlsruher Akademie der Bildenden Künste wurde Stefanie Lamperts Interesse für die Farbe geweckt. Die ersten Annäherungen an Ihre heutigen Arbeiten machte sie mit von ihr so genannten Streifenbildern, bei denen Sie mehrere unterschiedlich farbige Flächen zu einem Streifen aneinander fügte. Wichtig ist ihr dabei das harmonische oder eben auch nicht harmonische Zusammenspiel der einzelnen Farbfelder, das an den Rändern und Übergängen zu sehen ist.

So sind Stefanie Lamperts Ölgemälde auf Leinwand nicht einfach Bilder, sondern Bildobjekte, für die die Wand, der Raum und die sich im Raum bewegenden BetrachterInnen unerlässlich sind. Oft ist die Leinwand verändert, der Rahmen auf der einen Seite tiefer als auf der anderen, so dass sich an den Rändern auch je nach Beleuchtung unterschiedliche Schattenwürfe ergeben und das Trägermedium objekthaft wird.

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Anhand ihrer Kunst am Bau–Projekte, lässt sich nachvollziehen, dass Stefanie Lampert in ihrer Kunst auf Prozesse setzt. die sich auch beim Erlebnis des Werks fortsetzt. Sowohl im Bundesverfassungsgericht Karlsruhe als auch in der Aussegnungshalle in Karlsruhe-Oberreut spielt das Thema Licht, in diesen Fällen Tageslicht, eine große Rolle. Die Farben und Eindrücke der Formen verändern sich während des Tages, außerdem variieren sie mit der Wetterlage. Räume, die Stefanie Lampert in besonderem Maße interessieren, sind solche, die viel Tageslicht einlassen und dies nach Möglichkeit nicht nur über Oberlicht sondern auch über Ausblicke nach draußen, die dann im Kunstwerk ein Spiel zwischen Innen und Außen ermöglichen. In Bauhausarchitekturen sieht Stefanie Lampert die größte Wirkkraft ihrer Installationen gegeben.

Überraschenderweise ist Lamperts Umgang mit Farbe und Form weit weniger analytisch als es das Werk nahelegt. Mit Farbtheorie hat sie sich wenig beschäftigt und auch die Formfindung für ihre Arbeiten vollzieht sich nicht über ein besonderes Interesse an Geometrie als Disziplin der Mathematik, sondern durchs Ausprobieren. Farbstreifen werden aneinandergehalten und Leinwände in unterschiedlicher Größe nacheinander an die Wand gehängt. Somit bezeichnet sie ihre Vorgehensweise als empirisch, als ein Experiment, das dann in der Konsequenz ihrer künstlerischen Arbeit ausgewertet wird. Hier sieht sie sich in der Tradition des konkreten Künstlers Josef Albers.

Weniger als direkte Vorbilder denn als Impuls in unterschiedlichen Phasen ihres Werkes nennt Lampert neben Albers die amerikanischen Farbfeldmaler, wie Mark Rothko oder Barnett Newman, weiter den Lichtkünstler James Turell aber auch Vertreter des Minimalismus und der Konzeptkunst wie Daniel Buren oder auch den Suprematisten Kasimir Malewitsch. Ungegenständlichkeit zeichnet Lamperts Werk aus, zum Beispiel in den großen monochromen Ölgemälden. Im Gegensatz zu den frühen Streifenbildern weisen diese nämlich nicht einmal mehr eine Horizontlinie auf.

Stefanie Lampert bezeichnet ihr Werk als minimalistisch. Sie sieht es als Kontrast zum Leben im Überfluss, zu Reizüberflutung und einem Übermaß an nicht zu verarbeitenden und reflektierenden Eindrücken. In Lamperts Werken geht es um Reduktion der Mittel sowie der Angebote für die BetrachterInnen. Die Künstlerin sieht sich hier auch der Bauhausphilosophie nahe.

Die BetrachterInnen werden bei Stefanie Lampert nicht reizüberflutet, aber dennoch herausgefordert. Herausgefordert, ihre Sehgewohnheiten auszuweiten, neue Möglichkeiten des Erlebens und Wahrnehmens auszuloten. Dies geschieht über Irritationen: an den Schattenrändern der Bildobjekte, an der Grenze zweier Farbfelder oder beim Standortwechsel innerhalb einer Rauminstallation. Stefanie Lampert versteht ihre Arbeiten als interaktiv: für die BetrachterInnen wandelt sich eine Arbeit durch deren Interagieren im Raum und somit kann man individuell einen Zugang zu den Kunstwerken finden.