Meldungen zum Kunstgeschehen

Sternstunden der Kunstgeschichte

Die buchbare Vortragsreihe “Sternstunden der Kunstgeschichte” mit Bildvorträgen zur Kunst des Mittelalters und der Renaissance wurde speziell für Kirchengemeinden, Gemeindeakademien und Kunstforen konzipiert. Die Referenten sind Doktoranden im Fach Kunstgeschichte an der Universität Hamburg bzw. der Ludwig-Maximilians-Unisität München. Behandelt werden unterschiedliche mediale Gattungen und verschiedene Epochen unter der Prämisse allgemeiner Verständlichkeit.

Bislang im Repertoire sind Vorträge zur Buchmalerei unter den Ottonen, zum Gemäldezyklus in der Scuola Grande di Giovanni Evangelista in Venedig, der die Wunder der Kreuzesrelique darstellt , zu Matthias Grünewalds Isenheimer Altar und zum bildhauerischen Werk Michelangelos. Weitere Themen sind in Vorbereitung. Untermalt werden die ca. 70-minütigen Vorträge durch musikalische Begleitung von CD, jeweils abgestimmt auf die behandelten Themen bzw. Epochen. Für die Musik- und Bildauswahl sowie die Inhalte sind die Referenten verantwortlich. Im Anschluss wird die Möglichkeit zum Gespräch mit den jungen Wissenschaftlern gegeben.

Vom Veranstalter zur Verfügung gestellt werden müssen ein PC mit Beamer, ein CD-Player sowie eine geeignete Projektionsfläche. Individuelle Plakatvorlagen und Flyer sowie Materialen wie z. B. für Gemeindebriefe können gestellt werden.

Die Vortragsreihe bzw. einzelne Vorträge können gebucht werden. Bei Interesse wenden Sie sich bitte per E-Mail an Michaela Diederichs (Michaela.Diederichs@gmx.de).

Vorträge im Überblick

  • Kaisers Macht und Gottes Gnade. Die Kunst der Buchmalerei um das Jahr 1000

Der erste Vortrag der Reihe widmet sich der symbolhaften Bildsprache der ottonischen Buchmalerei. Das Herrscherhaus der Ottonen regierte um die Jahrtausendwende das “Heilige Römische Reich deutscher Nation” und setzte dabei auf die Unterstützung religiöser Gemeinschaften, wie Bistümer, Stifte und Klöster. Um diese regionalen Verwaltungen zu stärken, förderten die Kaiser neben ambitionierten Bauprojekten auch mit regem Eifer Goldschmiedekunst und Handschriftenproduktion, so dass die Kirche als wichtigste Stütze des Kaisertums gleichzeitig zum Ort innovativen Kunstschaffens wurde. Macht, Glaube und bildliche Repräsentation sind daher eng aneinander geknüpft, was man in den Prachthandschriften besonders gut nachvollziehen kann. In den ottonischen Bildschöpfungen ist stets eine feierliche Monumentalität zu spüren, weltliche und himmlische Sphären verschmelzen, nicht selten nimmt der Kaiser sogar die Position Christi ein. Auch in den biblischen Szenen war man auf klare Linien und Strukturen bedacht, denn das Bild sollte die Allmacht Gottes unmissverständlich widerspiegeln. In ihrer Anmut und Strenge hat die ottonische Buchmalerei bis heute nichts von ihrer einzigartigen Wirkung verloren. Musikalisch untermalt bzw. begleitet durch Gregorianische Gesänge von CD.
Referentin: Nadine Mai M. A.

  • Die Wunder des Wahren Kreuzes. Ein Spaziergang durch Venedig im Jahre 1500 in acht Gemälden

In den 1490er Jahren beauftragte die venezianische Bruderschaft Scuola Grande di San Giovanni Evangelista sechs Maler, unter anderem die auch über die Stadtgrenzen hinaus berühmten Gentile Bellini und Vittore Carpaccio, mit der Anfertigung von großformatigen Gemälden, die den Hauptversammlungsraum der Scuola schmücken sollten. Von den ursprünglich neun Bildern sind acht erhalten, die sich heute in einem venezianischen Museum befinden. Die Bildserie erzählt von den Wundern, die die Kreuzesreliquie der Scuola bewirkt haben soll. Die Besonderheit der Bilder liegt vor allem in der Art der Darstellung: Die Wunderereignisse werden sowohl in der Erzählung als auch in der Darstellung eng mit Venedig verknüpft. Von der Stadt wird ein lebendiges, zeitgenössisches Bild gezeichnet, sowohl in Bezug auf die Fassaden der Palazzi und ihrer Innenräume, als auch hinsichtlich des Alltagslebens und der Religiösität der Venezianer. Musikalisch untermalt durch franko-flämische Klänge von CD.
Referentin:Daniela Wagner M. A.

  • Wahrheit vor Schönheit. Die dramatische Bildsprache des Isenheimer Altars

Eines der wohl bekanntesten und bedeutendsten Flügelretabel des 16. Jahrhunderts ist Matthias Grünewalds Isenheimer Altar. Der Künstler strebte bei diesem Werk nicht danach, die Gesetze der äußerlichen Schönheit umzusetzen, wie es die italienischen Renaissancekünstler zeitgleich taten. Vielmehr wollte er die Berichte vom Leben und Sterben Christi in all ihrer Wahrheit und Drastik schildern, um der kirchlichen Lehre zu dienen. Auch die perspektivischen Regeln, die zu jener Zeit längst bekannt waren, ignorierte er und griff stattdessen auf die mittelalterliche Bedeutungsperspektive zurück. Seine Symbolsprache ist für heutige Betrachter kaum mehr verständlich und doch haben Grünewalds
Bilder an Faszination nichts verloren. Der Vortrag wird neben dem historischen Kontext vor allem die Bedeutung der einzelnen Motive erklären und so zu einem besseren Gesamtverständnis dieses vielschichtigen Meisterwerkes verhelfen. Untermalt werden die Bildeindrücke durch Auszüge aus Paul Hindemiths Symphonie “Mathis der Maler”, die dieser - inspiriert durch den Isenheimer Altar - 1935 komponierte.
Referentin: Magdalena Schulz M. A.