Ausstellungsbesprechungen

Summerending – Collaboration Adrian Schiess & Annelies Štrba, Museum Langmatt, Baden (Schweiz), bis 20. November 2011

Blumiger Endspurt in Baden: Die Ausstellung »Summerending« ist noch wenige Tage im Badener Museum Langmatt zu sehen. Lassen Sie sich verzaubern von einem intermedialen Feuerwerk in seiner vollsten Farbenpracht, von Blumendarstellungen zwischen Malerei und Fotografie. Günter Baumann hat sich die Austellung für PKG angesehen.

Das Ende des Sommers haben die Künstler Adrian Schiess (geb. 1959) und Annelies Štrba (geb. 1947) innerhalb der Reihe »Sommergäste« gemeinsam begangen, und zwar in einer Ausstellung im Schweizer Museum Langmatt, Baden. Der etwas hochtrabende Titel zeigt sich dabei als außerordentlich einfühlsam: Verbindet man den Herbst eigentlich schon mit dem Vorboten des Winters, haucht einem das wohlklingende »Summerending« die wärmende Vorstellung eines länger währenden Sommers ein, was nebenbei bemerkt in diesem Jahr durchaus der Realität entspricht und die Kunst für einige Augenblicke aus dem abgegrenzten Garten der Fiktion holt.

Für ihren herbstlichen Auftritt haben sich Schiess und Štrba daran gemacht, um die über 30 Blumenstillleben als Teamarbeit zu gestalten: Die Fotografin Annelies Štrba hat die Vorlagen geschaffen und der Schweizer Biennale- und Documenta-Teilnehmer von 1992, Adrian Schiess, hat deren Fotos als Maler weiterbearbeitet. Anders als etwa die international renommierte Luzia Simons, die der Schönheit von Blumen angesichts ihrer Vergänglichkeit huldigt, thematisieren Schiess und Štrba das Verhältnis zwischen den Medien, während der Augenblick der Schönheit unter einem nahezu faustischen »Verweile doch, du bist so schön« als Illusion der Ewigkeit gefeiert wird.

Bewusst lassen die Künstler es offen, ob die Fotografie oder die Malerei letztlich dominiert und wo das eine in das andere übergeht. Offenbar spielte es in der Konzeption auch keine Rolle oder eben nur die einer »Collaboration«. Idee der Sommergäste-Reihe ist es, dass die eingeladenen Künstler(innen) sich mit der Sammlung auseinandersetzen. Für Schiess und Štrba, die 2005 bereits ihr Werk getrennt voneinander in einer Ausstellung in Nyon gezeigt hatten, ließen sich von den Blumengestecken der Gastgeber sowie von impressionistischen Bildern, etwa von Renoir, inspirieren und beschlossen, ihre gemeinsame Schau als Werkgruppe zu entwickeln. Das Form- und Farbspiel einerseits, der konkrete Gegenstand andrerseits wird gleichsam fotografisch (Technik, Ausleuchtung) wie malerisch (»Peinture«) gesehen, ohne einer Gefälligkeit anheimzufallen – mitunter wurden auch mal Stücke als radikal-anarchische Pointe aus einem Bild herausgeschnitten.

Dennoch kann sich der Betrachter der Übergangsstimmung, die hier medial forciert ist, auch sinnlich nicht erwehren: Der Titel »Summerending« enthalte, so die Künstlerinnen im Interview (abgedruckt im Katalog), einen »zeitlichen Bruch, denn der Sommer mit seiner flirrenden Hitze ist immer eine Art Stillstand der Zeit. Mit dem Wort ›ending‹ wird eine Bewegung angedeutet. Und genau diese zeitliche Ambivalenz des Titels ist auch in den Bildern zu sehen: ... Es sind diese ständigen leisen und subtilen Verschiebungen der Farben und Formen, welche Raum und Zeit auf unterschiedliche Weise miteinander verdichten. Hinzu kommt, dass die Medien Fotografie und Malerei mit Zeit verschieden umgehen: Fotografie hält immer einen Moment fest, ist immer ein Ausschnitt. Malerei hingegen insistiert auf der Gegenwart, auf der Gegenwärtigkeit, und sagt unablässig ›jetzt, jetzt, jetzt‹! Indem wir diese beiden Medien in einem Bild verknüpft haben, kommt es zu diesen Verschiebungen, die das Vergangene mit einem dezidierten Jetzt zusammenbringt.« Der Schönheitsbegriff gerät über die Reflexion aus dem Dunstkreis des Banal-Idyllischen – um im Wechselspiel von hintergründig berauschter Fotografie und gestischer Malerei gerettet zu werden.

Zur Ausstellung ist im Kehrer Verlag, Heidelberg, ein Künstlerbuch erschienen: »Collaboration. Adrian Schiess & Annelies Štrba«, herausgegeben von Rudolf Velhagen, dessen Interview mit den Künstlern hier abgedruckt wurde. Der Band verliert kaum Worte zur Ausstellung, und die knappe Notiz zur Reihe der »Sommergäste« findet sich gerade mal auf der Umschlagklappe. Umso ausgedehnter fällt das Interview aus, was dem überdurchschnittlichen Format der Seiten geschuldet ist. Das tut dem Text optisch nicht gut – um eine Bleiwüste zu vermeiden, wurde die Schriftgröße hochgefahren und üppige Räume eingeschoben, was ihn unnötig aufbläht. Das wirkt zumal bei der englischen Übersetzung eher überdreht als großzügig.

Gut vorstellbar wären ein paar auf den Textseiten eingestreute Fotos, etwa während des Interviews oder im Kontext der Sammlung, gewesen. Sei’s drum, für die rund 30 Farbabbildungen ist das Großformat ein enormer Gewinn: Einige Arbeiten kommen auf ein Darstellungsmaß von rund 30 x 21 cm, und die Bilder, die über den Bund hinweg auf einer Doppelseite stehen, schaffen es auf ein Bildformat von stattlichen 42 x 30 cm. Das ist schon imposant zu sehen, wie diese Blumenstillleben es schaffen, sogar zwischen Buchdeckeln eine Wucht zu vermitteln, die dem Original – grob geschätzt – zur Hälfte nahe kommen.