Ausstellungsbesprechungen

Surimono. Die Kunst der Anspielung im japanischen Farbholzdruck, Museum für Ostasiatische Kunst Köln, 17.10.2009 – 10. Januar 2010

Das Museum für Ostasiatische Kunst in Köln begeht sein 100jähriges Jubiläum mit einer selten schönen und kostbaren Sammlung von Surimonos. Anett Göthe hat die Ausstellung für PKG gesehen.

Suri ist das japanische Wort für gedruckt und mono bedeutet Dingsurimono, gedruckte Dinge.
Diese feinen und wertvollen Drucke, die eine besondere Form der Verbindung von Bild und Gedicht darstellen, traten ab Mitte des 18. Jahrhunderts als Sonderform des japanischen Farbholzschnitts auf. Ihre Blütezeit erreichten sie, parallel zum weitverbreiteten Ukiyo-e Holzschnitt, in der ersten Hälfte des 19.Jahrhunderts. Und verloren ihre Bedeutung im gleichen Maße wie die Ukiyo-e Tradition mit der Öffnung der Grenzen Japans und dem Ende der Edo-Periode.
Bei den Texten auf den gedruckten Blättern, die das typische Merkmal für Surimonos darstellen, handelt es sich meistens um sogenannte kyôka, eine Art Scherzgedicht, deren Witz aus Wortspielen oder der Parodie klassischer Verse besteht. In den meisten Fällen sind es kurze Gedichte, die in alten japanischen Schriftzeichen niedergeschrieben sind. Selbst der heutige, moderne Durchschnittsjapaner kann diese Texte kaum noch lesen. So bleibt den meisten Betrachtern nur der Zugang über die bildliche Darstellung. Doch auch dem „Altjapanischunkundigen“ eröffnet sich durchaus die beeindruckende Welt des Surimono, vor allem auf dem optischen Weg, wie die Ausstellung im Museum für Ostasiatische Kunst in Köln beweist. Die Themen der Darstellungen beinhalten den Frühling oder das beginnende neue Jahr, Glückssymbole, die Tierkreiszeichen, Tiere oder Blumen, historische Begebenheiten und Kabuki Szenen. Thematisch scheint die Grenze zum Ukiyo-e Holzschnitt fließend. In der aktuellen Ausstellung in Köln finden sich zahlreiche Alltagsszenen: Eine junge Frau, die ihr Haar mit einem Tuch verhüllt und mit Stäbchen bändigt, müht sich sichtlich, eine Stoffbahn zu färben (Abb. 1) oder ein Knabe, der vergnügt auf einem Ochsen reitet und dazu die Flöte spielt (Abb. 2). Auch wenn die zum Teil alltäglichen Themen der Surimonos häufig an Ukiyo-e Holzschnitte erinnern, so wird aufgrund der hervorragenden Qualität des Papieres und des Druckes der Unterschied zu den Ukiyo-e Blättern deutlich. Die Künstler dieser Blätter waren weniger von kommerziellen Aspekten aber dafür von den Wünschen der Auftraggeber abhängig. Daher wurden Surimono oft als eine Art „Luxus-Graphiken“ auf qualitativ hochwertigem Papier hergestellt. Denn anders als die weitverbreiteten Ukiyo-e Holzschnitte wurden Surimono nicht kommerziell, sondern nur in kleinen Auflagen für den privaten Gebrauch hergestellt. Wundervoll gestaltet mit aufwendigem Präge- und Blinddruck versehen, in leuchtenden Farben mit Gold- und Silberpigmenten, verschenkte man die Surimonos, meist im shikishiban-Format (beinahe quadratisch) gedruckt, als Grußkarte zu Neujahr, zur Kirschblüte und zu besonderen Anlässen.

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Mit der Öffnung der Grenzen Japans kamen neben den Ukiyo-e Holzschnitten auch Surimonos nach Europa, die schnell zum Gegenstand exklusiver Japan-Sammlungen avancierten. Da sie nur in kleinen Auflagen für private Anlässe gedruckt wurden, blieben sie, im Vergleich zum Ukiyo-e Holzschnitt, der zum Teil in großen Auflagen gedruckt und günstig veräußert wurde, seltene Kostbarkeiten.
Die in der Kölner Ausstellung präsentierten 120 Surimonos stammen aus der Sammlung des Schweizer Künstlers Marino Lusy (1880-1954), die zu einer der bedeutendsten ihrer Art in Europa zählt.
Marino Lusy entwickelte früh eine Affinität zur ostasiatischen Kunst und unternahm selbst ausgedehnte Reisen in den Fernen Osten. Dabei zeigte sich sein Interesse für die japanische Kunst nicht nur in seinem eigenen künstlerischen Schaffen. Angeregt durch seine Reisen begann er eine erstklassige Sammlung japanischer Farbholzschnitte, Farbholzschnittbücher und Hängerollen aufzubauen, wobei die luxuriösen, kleinformatigen Surimonos den Kern der Sammlung ausmachen. In den 1920er und 30er Jahren erwarb er die meisten Surimonos auf Pariser Auktionen und über dortige Händler. In Japan selber kaufte Lusy hingegen keine Blätter. Lusy pflegte einen innigen Kontakt zu seinen erworbenen Drucken, indem er die einzelnen Blätter intensiv studierte und Notizen und Zustandsbeschreibungen in einem Buch zusammentrug. Er versuchte die Bildinhalte zu entschlüsseln und die Gedichte zu übersetzen. Damit war er einer der ersten Europäer, der zum Verständnis von Text und Bild im Surimono beitrug.
Die Sammlung Lusy befindet sich im Besitz des Museums für Gestaltung in Zürich und ist seit 2005 als Dauerleihgabe im dortigen Museum Rietberg untergebracht, wo sie durch ein internationales Forscherteam unter Leitung von John Carpenter, Professor an der School of Oriental and African Studies (SOAS) der Universität London, erforscht und aufgearbeitet wurde.
Ein Teil der Sammlung wurde erstmals bis 13. April 2009 im Museum Rietberg in einer Sonderausstellung präsentiert. In Köln werden ausnahmslos Blätter gezeigt, die in Zürich noch nicht zu sehen waren. Noch bis zum 10. Januar 2010 kann man sich in den Bann der außergewöhnlichen Schönheit der Surimonos ziehen lassen.

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jeden ersten Donnerstag im Monat 11 - 22 Uhr (KölnTag)
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