Ausstellungsbesprechungen

Susanne Stähli - 4 colours 4 rooms, Städtische Galerie Neunkirchen, bis 7. April 2013

Mit den Werken Susanne Stählis präsentiert die Städtische Galerie Neunkirchen den Zauber der vier Grundfarben, die wohl selten so vielschichtig, versiert und zugleich liebevoll durchdekliniert worden sind. Verena Paul hat die Ausstellung »4 colours 4 rooms« für Sie besucht.

Beim Betreten des ersten Ausstellungsraumes im Erdgeschoss hat die Farbe Blau ihren großen Auftritt: Auf riesigen Leinwänden sowie auf den Glasflächen der Fenster tummeln sich bauschig verdichtete respektive kaskadenartig herabfließende Blautöne, verschmelzen miteinander oder setzen sich spannungsvoll voneinander ab. Nach nur wenigen Minuten ist das triste Winterwetter vergessen und die Besucher tauchen in den unglaublichen Facettenreichtum des Blaus von Susanne Stähli ein, fühlen sich entspannt und können etwa die Farbtiefe auf dem großformatigen, 2012 entstandenen Bild erkunden. Hier scheint es keinen Anfang und kein Ende zu geben. Stattdessen dominiert ein dunkles, geheimnisvolles Nachtblau, das sich zum unteren Bildrand hin über die Skala verschiedenster Blaunuancen in ein lebendig leuchtendes Türkis verwandelt. Dass hierbei die Übergänge nicht fassbar sind, sondern sich einer eindeutigen Zuordnung entziehen, macht den großen Reiz der Arbeit aus. Die Betrachter werden unmittelbar ins Zentrum hineingezogen, tauchen langsam in die untere Partie ab und fühlen sich sogleich mit dem scheinbar zu eruierenden Bildraum vernetzt. Die transparente Tuschemalerei sowie die durchleuchteten Farbfolien auf den Fenstern intensivieren jenes Gefühl des Eingebundenseins und erzeugen zudem ein meditatives Raumambiente. Es gibt keinen Stillstand, sondern einen kontinuierlichen Wandel und Austausch von Farblichtmustern auf Boden und Wänden, von Bildern und blauen Lichtflecken. Dadurch können die Besucher den Raum mit seiner veränderten Situation neu erkunden, die aus dem von außen eintretenden Tageslicht resultiert.

In der ersten Etage entfalten in zwei parallel angeordneten Räumen die Komplementärfarben Grün und Rot ihre aufregende Wirkung. Während im ersten Raum die Gemälde mal in sattes, mal in wässriges Grün oder besser gesagt in eine grüne Symphonie getaucht sind, setzen nicht zuletzt die mit den transparenten respektive matten Farbfolien überzogenen Fenster das dynamische Spiel fort. Dominierend ist ein großes Format, das im Mittelteil bereits derart viele Grünwerte vereint, dass unsere Augen gar keinen Halt finden und nach oben und unten in die lichten Bereiche abdriften, festgehalten werden und sich nur langsam wieder von der Leinwand lösen können.

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Bei Betreten des nachfolgenden Raumes dann die Konfrontation mit der Komplementärfarbe Rot, die uns unmittelbar aus einer Art ›Lichtkasten‹ entgegenstrahlt: Die vor dem rot beklebten Fenster angebrachte Acrylplatte schimmert in einem warmen, sanften Ton und bildet einen leisen, aber wirkungsvollen Antipoden zu dem großen daneben positionierten Bild. Dort werden wir in einen roten Schlund gezogen, der stellenweise schwarz erscheint und zum unteren Bildrand hin in grellem Rosapink kulminiert. Besonders spannend ist in jenen Räumen das Wechselspiel der beiden Farben, die jeweils einer aus Rot und Grün gemischten grauen Leinwand gegenübergestellt werden oder sich auf kleinen Plättchen aus Alu-Dibond begegnen. Während die Vorderseite beispielsweise in kraftvollem Rot erstrahlt, wirft die Rückseite grüne Lichtreflexionen an die Wand. Insofern überlässt Susanne Stähli nichts dem Zufall, sondern klügelt ein ausgewogenes und stets überraschendes Farb-Licht-Konzept aus.

Im Obergeschoss schließlich erstrahlt ein beschwingtes, warmes, wolkig leicht daherkommendes Gelb. Wie in den vorherigen Farberlebnisräumen wird auch hier das Spiel mit vertikalen und horizontalen Fließspuren erprobt oder die Künstlerin experimentiert mit spannungsgeladenen Übergängen und unerwarteten Brüchen sowie mit den vielfältigen Farbfeldern, welche die gelb und orange gestalteten Fenster auf Boden und Wände werfen.

Susanne Stählis Installation »4 colours 4 rooms« verzaubert unsere Seelen, indem sie eben nicht nur ›Augenfänger‹ oder ›Effekthascher‹ ist, sondern unser tiefstes Inneres zum Klingen bringt. Dabei entwickelt sie ein Farbenmärchen, eine kunstvoll verwobene Erzählung aus ›Tausendundeiner Farbe‹, die uns zum Träumen animiert und die »Realisierung von Farbe«, wie Nicole Nix-Hauck in ihrem Katalogbeitrag schreibt, intensiv erfahrbar macht.

Fazit: Mit der Farbmalerei Susanne Stählis gelingt der Städtischen Galerie Neunkirchen ein außergewöhnliches Ausstellungserlebnis. Wohl selten wurde die Entgrenzung und raumkonstituierende Wirkung von Farbe derart spannend inszeniert und Farbe so vielschichtig, versiert und liebevoll durchdekliniert. Eine rundum gelungene Präsentation, die ich allen Farb-, Licht- und Kunsthungrigen uneingeschränkt empfehlen möchte!