Tagungen

Symposium: Filmische Künstlermythen – Die mediale Produktion der Kreativität, vom 19. bis 21. Januar 2012 in Kiel

Gerade Film und Fernsehen als Orte der symbolischen Verhandlung gesellschaftlicher Selbstbilder prägen nun mindestens seit den fünfziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts, mehr und mehr auch die Akteure und Akteurinnen des Kunst- und Designsystems in entscheidender Weise. Von daher soll nun eine neue Perspektive auf das in den letzten Jahren so erfolgreiche Genre der filmischen Künstlerbiografie in ihren diversen Filiationen untersucht werden.

Wenngleich die vollständige Abstinenz und Missachtung filmischer Künstlerbiografien durch die institutionelle Kunstwissenschaft mittlerweile der Vergangenheit angehört, werden diese auch heute noch als kaum mehr interessante Erzeugnisse der Popular culture akzeptiert, denen zum ›eigentlichen Ort‹ der Kunst bestenfalls ein illustrierendes Verhältnis zugebilligt wird. Tatsächlich ist die Künstlervita, die Künstlerbiografie aber immer schon ein ›medialer Mythos‹ gewesen, d. h. eine literarische, von bildnerischen Topoi unterstützte Tradition, welche mit den Viten der Renaissance beginnend das Selbstverständnis der KünstlerInnensubjekte prägte. Nach Selektion und Form hat die Kunstwissenschaft diesen Umstand nur modifiziert und sicherlich im Sinne wissenschaftlicher Standards ›versachlicht‹, aber nicht grundsätzlich aufgehoben. Doch auch ihr Bild von Kunst und KünstlerIn ist immer und notwendig eine nicht zuletzt ›mediale‹ Konstruktion, deren epistemische Voraussetzungen zu befragen sind und auch in der jüngeren Disziplingeschichte befragt wurden. Insofern macht die Betrachtung der filmischen Künstlervita die impliziten Formen medialer Vermitteltheit, die der Künstlervita immer schon eignet, gewissermaßen im Rückspiegel sichtbar.

Das ›filmische Künstlerporträt‹ scheint so besonders geeignet, die nach wie vor theoretisch problematische intermediale Grenze von Kunst- und Mediensystem am Exempel zu fokussieren.

Programm

Donnerstag, 19. Januar 2012

17.00 Uhr: Norbert M. Schmitz: Einführung/Konzept

1. Abteilung: Der Mythos

18.00 – 19.30 Uhr: Prof. Dr. Beat Wyss: Jackson Pollock in der Sixtina? Eine mediale Verfrachtung Michelangelos in AGONY AND EXTASY von Carol Reed

Freitag, 20. Januar 2012

10.00 – 11.30 Uhr: Prof. h. c. Wolfgang Knapp: Geniekult, Wahn, Biografie und künstlerische Arbeitsweisen – Vincent van Gogh im Film

11.30 – 13.00 Uhr: Prof. Dr. Theresa Georgen: Artista Nervosa – Die mediale Konstruktion einer künstlerischen weiblichen Attitüde

13.00 – 14.00 Uhr: Mittagspause

2. Abteilung: Das Programm

14.00 – 15.30 Uhr: Prof. Dr. James Wulff: GOYA – Der Künstler als Epochendeuter

15.30 – 17.00 Uhr: Prof. Dr. Norbert M. Schmitz: Andrej Tarkowski: ANDREJ RUBLEV – Die filmische Ikone

18.00 Uhr: Kino: Das Mädchen mit dem Perlenohrring (Peter Webber 2003)

Samstag, 21. Januar 2012

3. Abteilung: Der Mediale Künstler

10.00 – 11.30 Uhr: Dr. habil. Marcus Stiglegger: Distorsionen. Francis Bacons Einfluss auf den Film

11.30 – 13.00 Uhr: Prof. Dr. Thomas Meder: Vacuum Horroris. Ein hopperesker Film ohne Hopper

13.00 – 14.00 Uhr: Mittagspause

14.00 – 15.30 Uhr: Prof. Dr. Christoph Wagner: Das Mädchem mit dem Perlenohrring – Konstruktion eines filmischen Paradigmas

15.30 – 17.00 Uhr: Dr. Thomas Hensel: »und hatte schon eine Braut in seiner Kunst«. Rembrandts Ovales Portrait

17.00 – 18.00 Uhr: Spaziergang an die Förde oder der genius loci der Stadt Kiel (Norbert M. Schmitz)

Weitere Informationen

Ausführliche Informationen zu den einzelnen Vorträgen finden Sie hier. Der Eintritt ist frei. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich