Tagungen

Symposium: Politik der Kunst – Über Möglichkeiten, das Ästhetische politisch zu denken, vom 11. bis 13. Juni 2015 in Berlin

Mit der Idee von der Autonomie der Kunst verknüpft sich als ihr komplementärer Widerpart die Frage nach dem politischen Charakter der Kunst. Sie stellt sich in veränderten historischen und sozialen Kontexten immer neu und stets anders. Dementsprechend variieren die Antworten auf diese Frage. Sie reichen von „Kunst ist immer politisch“ bis zu „Kunst kann nie politisch sein“, von „Kunst darf nie politisch sein“ bis zu „Kunst muss immer politisch sein“. Welche Position kommt Kunst im System des Sozialen zu?

Das dreitägige Symposium Politik der Kunst – Über Möglichkeiten, das Ästhetische politisch zu denken, befasst sich mit dem Spannungsfeld zwischen „Instrumentalisierung der Kunst“ und „Eigenwert des Ästhetischen“, welches insbesondere angesichts der Entwicklung partizipatorischer Kunstpraxen danach drängt, im aktuellen Kontext beleuchtet zu werden. Philosophinnen und Philosophen, Kunsthistorikerinnen und Kunsthistoriker und Kulturschaffende laden ein zu einem Dialog, die Thematik aus unterschiedlichen gegenwärtigen, philosophischen Perspektiven zu erörtern.

Seit den 1970er-Jahren wird in einer Vielzahl von Theorien versucht, das Verhältnis der Kunst zur Gesellschaft auf unterschiedliche Weisen zu denken: als Autonomie gegen Gesellschaft (Theodor W. Adorno), als Vollzug des Gesellschaftlichen (Niklas Luhmann) oder als eigenständiges Regime des Sinnlichen, das selbst politischen Charakter besitzt (Jacques Rancière). Den Theoretikern, die die Autonomie der Kunst und die Notwendigkeit der ästhetischen Differenz verteidigen, stehen Theoretiker gegenüber, die Kunst nur gelten lassen wollen als Modellfall einer besseren sozialen Praxis (Nicolas Bourriaud). So wäre zu fragen, ob der vor allem in Deutschland rezipierte erweiterte Kunstbegriff als „Ästhetisierung des Politischen“ oder als „Politisierung des Ästhetischen“ zu verstehen wäre.

Die Mehrzahl partizipatorischer Kunstprojekte stellt implizit oder explizit die These vom „Eigenwert des Ästhetischen“ in Frage. Verpflichtet sich die Kunst damit nicht auf ein allgemeines Nützlichkeitsparadigma, das sowieso schon nahezu jeden Lebensbereich erfasst hat? Wird dadurch nicht Konformitätsdruck erzeugt, anstatt Mut zum Dissens zu stärken? Wo bleibt der Wert des Nutzlosen, des Subversiven, des Spielerischen, des Eigensinns? Wird Kunst, durch Löschung der ästhetischen Differenz, nicht mit anderen sozialen Praktiken austauschbar und damit ersetzbar und überflüssig?

Die Vorträge werden durch Podiumsdiskussionen ergänzt. Zudem zeigen im Rahmen des Symposiums Jeanine Meerapfel und Floros Floridis ihren audiovisuellen Essay mit Live-Performance Confusion/Diffusion.

Ein Symposium des Goethe-Instituts in Zusammenarbeit mit der Akademie der Künste Berlin.

Programm

Donnerstag, 11.06.2015
Akademie der Künste, Pariser Platz 4, Plenarsaal

19.30 Uhr
Begrüßung
Johannes Odenthal, Programmbeauftragter der Akademie der Künste
Leonhard Emmerling, Leiter des Bereichs Bildende Kunst, Zentrale des Goethe-Instituts, München

20.00 Uhr
Alexander García Düttmann (Berlin): Die teilnahmslose Kunst

20.45 Uhr
Diskussion

Freitag, 12.06.2015
Akademie der Künste, Hanseatenweg 10, Studiofoyer

Moderation: Alexander Koch (Berlin)

10.00 Uhr
Ines Kleesattel (Wien): Rancières politische Kunsttheorie – und ein kritischer Kommentar aus der Perspektive Adornos

11.15 Uhr
Gertrud Koch (Berlin): Bild und Kritik

12.30 Uhr Mittagspause

14.00 Uhr
Isabelle Graw (Frankfurt/Berlin): Leben ist viel wert. Über Kunstkritik im Zeichen von Entgrenzung und neuer Ökonomie

15.15 Uhr
Christoph Menke (Frankfurt am Main): Die Macht der Schönheit

16.30 Uhr Pause

17.00 Uhr
Confusion /Diffusion
Audiovisueller Essay mit Live-Performance von Jeanine Meerapfel u. Floros Floridis. Kamera Johann Feindt. Mit Lena Stolze, Matthias Bauer, Titos Kariotakis u. Christos Charbilas

18.15 Uhr
Hat autonome Kunst eine politische Relevanz?
Podiumsdiskussion mit Jeanine Meerapfel, Mathias Spahlinger, Manos Tsangaris. Moderation: Johannes Odenthal

Samstag, 13.06.2015
Akademie der Künste, Pariser Platz 4, Plenarsaal

Moderation: Alexander Koch (Berlin)

13.30 Uhr
Christian Janecke (Offenbach) : Autonomie: geschüttelt, nicht gerührt. Eine Bestandsaufnahme.

14.45 Uhr
Christian Bermes (Koblenz-Landau): Kunst, Kunsterfahrung und Kunstreflexion

16.00 Uhr Pause

16.30 Uhr
Sabeth Buchmann (Berlin/Wien): Autonomie auf Probe

17.45 Uhr
Christoph Bartmann (New York): Aktualität des Schönen, heute

19.15 Uhr
Podiumsdiskussion
Mit Jörg Heiser (Berlin) und Holger Kube Ventura (Brüssel)