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Tagung: Blick zurück nach vorn – Architektur und Stadtplanung in der DDR, vom 6. bis 7. November 2014 in Berlin

Die Architektur der DDR bewegte sich im Spannungsfeld von Traditionswahrung und dem Bedürfnis, zukunftsorientiert zu gestalten und zu bauen. Die Tagung des Arbeitskreises Kunst in der DDR widmet sich diesem Zwiespalt und dem, was heute noch davon sichtbar ist.

Der Aufbau der DDR als staatspolitisches Gebilde ist begleitet von der Frage nach dem Wiederaufbau, dem Um- und Neubau, der Rekonstruktion aber auch dem Abriss von Bauwerken, die als Zeugen einer überwundenen Geschichtsepoche galten. Dabei spielte die Erbediskussion, die für die bildende Kunst und die Herausbildung des Sozialistischen Realismus maßgeblich war, auch im Umgang mit der Architektur und dem Städtebau eine entscheidende Rolle. Der Blick auf die eigene architekturgeschichtliche Vergangenheit unterlag über die Jahrzehnte deutlichen Interpretationsschwankungen. Pragmatismus, avantgardistisches Experiment, strikte Lenkungsmechanismen, nationale Traditionen, technisch-wissenschaftlich begründete Modernprojekte aber auch Altbausanierungen und Rekonstruktionen selbst von Sakralbauten wechselten sich einerseits ab, überlagerten sich andererseits zeitlich und fanden bei unterschiedlichsten Bauaufgaben Anwendung. Das gesamte Bauschaffen in der DDR ist so von deutlichen Ambivalenzen, von entwicklungsgeschichtlichen Kontinuitäten wie Brüchen gekennzeichnet.

Der Umgang mit dem architektonischen Erbe und das Verhältnis, das das Neue zum Alten einging, stehen im Fokus der 5. Tagung des Arbeitskreises Kunst in der DDR. Welche Rolle wird also dem Rückgriff auf die Überlieferung zugewiesen, und welche ideologischen Implikationen verbanden sich mit den jeweiligen Stillagen? Welche Bezugspunkte schienen zu welchen Zeiten geeignet, den Aufbau der sozialistischen Gesellschaft voranzutreiben bzw. ihr eine repräsentative Gestalt zu verleihen? Wie änderten sich in diesem Zusammenhang die Vorstellungen von einem manifest gewordenen demokratischen Nationalbewusstsein? Wenn Städte Selbstdarstellungen von Kollektiven sind (A. Mitscherlich), inwiefern spiegelten dann die Entscheidungen für bestimmten Bauweisen den Stand der gesellschaftlichen Entwicklung der DDR wider? Wie stehen andererseits die großräumlichen Planungen zu den Intentionen, eine Volkskultur zu etablieren?

Neben diesen Fragen, die vor allem auf die Objekte und ihren politikgeschichtlichen Kontext zielen, sollen Aspekte der anthropologischen Stadtaneignung zum Tragen kommen. So wird etwa darüber zu sprechen sein, inwiefern der Rückgriff auf bürgerliche Traditionen auch als ein Zugeständnis an die bürgerlichen Bedürfnisse nach Identifikation mit dem eigenen Wohnumfeld verstanden werden kann, ob dies der Abgrenzung von dem Anderen diente und damit notwendiger Bestandteil des individuellen Selbstverständnisses war. Auch der soziale Raum soll auf dem Prüfstand stehen und daraufhin befragt werden, in welcher Weise er auf das individuelle bzw. kollektive Leben einwirkte bzw. welche konkreten Auswirkungen er auf das Lebensgefühl und die Lebensgestaltung in den unterschiedlichen Stadtstrukturen hatte.

5. Tagung des Arbeitskreises Kunst in der DDR
Berlin 6.-7.11.2014

Prof. Dr. Sigrid Hofer, Kunstgeschichtliches Institut, Philipps-Universität Marburg in Kooperation mit PD Dr. Christoph Bernhardt, Leibniz-Institut für Regionalentwicklung und Strukturplanung, Erkner.

Programm

Donnerstag, 6. November 2014

13.00 Uhr Registrierung

14:00 Uhr Begrüßung
Sigrid Hofer, Universität Marburg
Christoph Bernhardt, IRS Erkner / CMS der TU Berlin

Sektion 1: Architekturtheoretische Leitlinien I

14:30 Uhr
Hans-Georg Lippert: Kostbare Vergangenheit – geordnete Zukunft. Die Publikationsstrategie der Deutschen Bauakademie in den 1950er Jahren

Oliver Sukrow: Von eiligen Projektanten und roten Vitruvianern. Bausteine zu einer Architekturtheorie in der DDR der 1960er Jahre

16.00 Uhr Kaffeepause

Sektion 2: Architekturtheoretische Leitlinien II

16:30 Uhr
Kathrin Siebert: Ein Technokrat ohne System. Der Schweizer Architekt Hans Schmidt als Theoretiker des industriellen Bauens in der DDR

Roman Hillmann: Sinnzeichen. Das Zusammenspiel neuer und alter Architektur in der DDR

18:30 Uhr
Podiumsdiskussion: Bruchkanten zwischen Alt und Neu im Städtebau
Es diskutieren: Prof. Dr. Thomas Topfstedt, Leipzig; Prof. Dr. Kerstin Wittmann-Englert, Berlin; Dr. Matthias Lerm, Jena; Dr. Andreas Butter, Erkner; Moderation: PD Dr. Christoph Bernhardt, Erkner

19:30 Uhr Abendempfang

Freitag, 7.11.2014

Sektion 3: Das sozialistische Stadtzentrum

09:30 Uhr
Christian Klusemann: Die Wettbewerbe zur Zentrumsneugestaltung der „Aufbaustädte“ Magdeburg und Rostock im Herbst 1952

Andreas Kriege-Steffen: Die Planungen zum Wiederaufbau der Stadt Dresden von 1945 bis 1952. Bezugspunkte, Leitbilder, Streitfragen.

11.00 Uhr Kaffeepause

Sektion 4: Altbestände zwischen Rekonstruktion und Abriss

11:30 Uhr
Tanja Scheffler: Die „Chiffre Dresden“ und der ambivalente Umgang mit dem Barock in der Elbestadt

Edda Campen: Kontinuitäten und Brüche. Der „Wohnkomplex Wilhelm-Külz-Straße“ in Potsdam

13:00 Uhr Mittagsimbiss

Sektion 5: Zwischen Ideologie und Fachpolitik

14:00 Uhr
Mark Escherich: Zeitgenössische Denkmale? DDR-Denkmalpflege und Staatsrepräsentation in den 1970er und 80er Jahren

Oliver Werner: Sozialistische Wohnungsbaupolitik für den Hauptstadtausbau. Der Einsatz der Bezirke in den Jahren 1971-1989

15:30 Uhr Kaffeepause

Sektion 6: Befragung der Vergangenheit

15:45 Uhr
Andrew Demshuk: Von J.S. Bach bis Karl Marx: Wiederaufbau in Leipzig und die Suche nach einer verwertbaren Geschichte, 1945-1968

Peter Leonhardt: Das bauliche Erbe des deutschen Kaiserreiches und seine Aneignung in der DDR

17.15 Uhr Abschlussdiskussion

18.00 Uhr Ende der Tagung

Wir bitten um Anmeldung bis zum 27.10.2014 bei Petra Geral, geral(at)irs-net.de oder unter www.irs-net.de/tagung-kunst-ddr/index.php