Tagungen, Meldungen aus der Forschung

Tagung: Inszenierung, Fiktion, Narration - Begriffsnavigationen im Feld des Fotografischen. TU Berlin vom 17.-18. Juli 2009

Indexikalität gilt seit Charles S. Peirce als das "Grundprinzip der Fotografie" (Roland Barthes). Die Absolutsetzung indexikalischer Referenz hat allerdings zu einer fototheoretischen Vernachlässigung der ikonischen Aspekte von Fotografie geführt. So verfügt die Fotogeschichte bislang allenfalls in Ansätzen über ein begriffliches Instrumentarium, um fotografischer Ikonizität gerecht zu werden. Vor diesem Hintergrund ist es das erklärte Ziel dieser Tagung, die Begriffe Inszenierung, Fiktion und Narration zur Diskussion zu stellen und ihre fototheoretische Validität sowie fotohistorische Bonität zu prüfen.

Unter der oben genannten Themenstellung wird die Tagung folgende
Fragekomplexe in den Blick nehmen:

Inszenierung: Ist die Annahme einer Dichotomie von dokumentarisch
versus inszeniert, wie sie fototheoretisch vertreten wird, haltbar?
Oder hat auch die so genannte dokumentarische Fotografie ihr
fundamentum in re in Praktiken der Inszenierung? Zur Debatte steht
damit die Frage, ob der Begriff der Inszenierung trägt. Wenn ja, auf
Grundlage welchen Begriffsverständnisses? Wenn nein, was sind dann die
theoretischen Alternativen? Sollte man stattdessen Begriffspaare wie
etwa authentisch versus fiktional einführen? Sollte überhaupt mit
derartigen Begriffspaaren operiert werden? Wie hart oder weich können
und müssen derartige Unterscheidungen und Klassifizierungen ausfallen,
um anwendbar und tragfähig zu sein? Überdies: Wie steht es überhaupt
um das Verhältnis von Indexikalität und Ikonizität? Und in welchem
Maße sollten, ja müssen Gebrauchsweisen der Fotografie einbedacht
werden?

Fiktion: Lässt sich in Analogie zu einem literatur- oder
filmwissenschaftlichen Fiktionsbegriff der Begriff der Fiktion in die
Fototheorie/-geschichte einführen? Wenn ja, welche theoretischen
Grundlagen müssen hierfür geschaffen werden, welche Art Theorie gilt
es zu entwickeln, um die Fiktionalität von und Fiktivität in
fotografischen Darstellungen ansprechen zu können? Und wie ließe sich
der Fiktionsbegriff auf ausgewählte Beispiele anwenden bzw. aus diesen
ableiten? Auf welcher theoretischen Grundlage ließe sich zwischen
fiktionaler und non-fiktionaler Fotografie unterscheiden? Gibt es
überhaupt so etwas wie ein fiktionales und ein non-fiktionales, gar
ein authentisches Bild? Und wenn ja, wie vermittelt es sich? Nicht
zuletzt: Wie schlüge sich eine solche oder auch anders akzentuierte
Unterscheidung in der fotohistorischen Praxis nieder?

Narration: Erzählen Fotografien? Wenn ja, auf welche Weise? Auf der
Grundlage welchen Begriffs ließe sich von narrativen Fotos und/oder
von Narration in Fotos sprechen? Oder umkehrt gefragt: Wann erzählen
Fotografien? Unterscheiden sich so genannte dokumentarische und
inszenierte bzw. fiktionale und non-fiktionale Fotografien in dem, was
sie in Bezug auf eine angebliche Erzählung leisten? Wenn ja, welche
Begriffe erscheinen anwendbar, um das zu fassen, was manche
Fotografien diesbezüglich leisten und andere nicht? Und ganz
grundsätzlich: Welche Rolle spielt die Imagination bei der Betrachtung
von Fotografien?

Programm:

Fr., 17. Juli 2009

9.30 Uhr
Lars Blunck (Berlin): Begrüßung und Einführung

10.00 Uhr
Christine Walter (München): Inszeniert versus montiert? Eine Revision
der Begriffsdefinition zur Inszenierten Fotografie

10.50 Uhr Kaffeepause

11.20 Uhr
Matthias Weiß (Berlin): Was ist Inszenierte Fotografie?

12.10 Uhr
Stefanie Diekmann (Berlin): Binnenschauplätze. Einige Anmerkungen zu
Theater und Fotografie

13.00 Uhr Mittagspause

14.30 Uhr
Ingrid Hölzl (Wien): Inszeniertes Selbst? Zur Problematik
fotografischer Selbstrepräsentation

15.20 Uhr
Pamela Scorzin (Dortmund): In Oszillation zwischen Authentizität und
Fiktion. Zur Fotokunst von Nan Goldin

16.10 Uhr Kaffeepause

16.40 Uhr
Alexander Streitberger (Louvain-la-neuve): Im Spannungsfeld von
Dokumentation und Inszenierung. Fotografie in installationsbezogenen
Künstlerbüchern

17.30 Uhr
Wolfgang Brückle (Essex): Sinngebungsverfahren für Wirklichkeit in der
Fotografie. Berger / Sekula

18.20 Uhr Diskussion


Sa., 18. Juli 2009

9.30 Uhr
Jens Schröter (Siegen): Fotografie und Fiktionalität

10.20 Uhr
Michael Diers (Hamburg und Berlin): "At the frontline of history".
Reportagefotografien als Historienbilder der Gegenwart

11.10 Uhr Kaffeepause

11.40 Uhr
Silke Förschler (Halle): Die Aneignung der Orientmalerei. Europäische
Atelierfotografie in Nordafrika im 19. Jahrhundert

12.30 Uhr
Sigrid Schulze (Berlin): Flora und Köchin. Inszenierte Fotografien aus
Berlin um 1860

13.20 Uhr Mittagspause

14.30 Uhr
Magdalena Bushart (Berlin): Henry Peach Robinsons Fading Away

15.20 Uhr
Barbara J. Scheuermann (Berlin): Narreme, Leerstellen, Stimuli.
Narrativität in Arbeiten von Jeff Wall und Gregory Crewdson

16.10 Uhr Kaffeepause

16.30 Uhr
Sandra Maria Geschke (Magdeburg): - Da tut sich was! - Überlegungen
zur Semiotik narrativer Fotografien

17.20 Uhr
Stefanie Rentsch (Paris): "Le peintre dit ce que l´on peut pas voir
sur des photos". Die Rolle der Fotografie bei Jean Le Gac

18.10 Uhr Abschlussdiskussion

Weitere Informationen:

Tagungsort::
Technische Universität Berlin
Fachgebiet Kunstgeschichte
Straße des 17. Juni 150/152
10623 Berlin
Architekturgebäude am Ernst Reuter Platz, Hörsaal A 053


Kontakt:
Prof. Dr. Lars Blunck
Technische Universität Berlin
Institut für Geschichte und Kunstgeschichte
Fachgebiet Kunstgeschichte
Sekr. A56
Straße des 17. Juni 150/152
10623 Berlin