Tagungen

Tagung: Kunst und Kirche in der DDR vom 2. bis 3. September 2009 im Germanischen Nationalmuseum Nürnberg

Die Kirchen zählten in der DDR zu den unabhängigsten Auftraggebern. Ihr Engagement in künstlerischen Angelegenheiten ging weit über Fragen der Aus- und Umgestaltung von kirchlichen Bauten hinaus. Die Kirchen erfüllten damit eine wichtige Funktion als Freiräume kulturellen Austauschs. Die Tagung soll Gelegenheit bieten, die Rolle und Bedeutung der Kirchen als Netzwerk autonomer Kunstäußerungen näher zu untersuchen.

Die Kirchen in der DDR boten Musikern und Literaten ein öffentliches Podium, förderten Bildende Künstler, organisierten Ausstellungen, Auktionen, Kunstgespräche und legten eigene Sammlungen an, in die neben Werken von ostdeutschen Künstlern auch Arbeiten aus dem westlichen Ausland und aus den befreundeten sozialistischen Ländern aufgenommen wurden. Über die staatlich verordnete Kunstdoktrin setzten sie sich hinweg, sie standen loyal zu ausgegrenzten Künstlern und scheuten sich nicht, unbequeme Autoren in Lesereihen zu präsentieren. Auch die Vermittlung der westeuropäischen klassischen Moderne war ihr Anliegen. Liturgische Geräte und Werke christlicher Glaubensinhalte zeigten die Öffnung der Kirche für aktuelle Kunstrichtungen. Die Kirchen erfüllten damit eine wichtige Funktion als Freiräume kulturellen Austauschs sowohl der Kunstschaffenden untereinander als auch mit der interessierten Öffentlichkeit.

Programm

Mittwoch, 02. September 2009

ab 11 Uhr: Führungen durch das Deutsche Kunstarchiv im Germanischen
Nationalmuseum

14.00 Uhr: Begrüßung
G. Ulrich Großmann, Generaldirektor des Germanischen Nationalmuseums
Sigrid Hofer, Philipps-Universität Marburg, Kunstgeschichtliches Institut

Sektion 1 – Mäzene nonkonformer Kunst
Sektionsleitung: Hubert Faensen (Kleinmachnow) und Sigrid Hofer (Marburg)

14.30 Uhr: Karl-Heinz Meißner (Riethnordhausen): Der Evangelische Kunstdienst in der DDR als Sonderfall kirchlicher Wirksamkeit – ein Dienst für die Kunst
oder an der Kunst?

15.15 Uhr: Paul Kaiser (Dresden). Kunstkirchen und Kirchenkunst. Die Evangelische Kirche als Schutzraum gegenkultureller Künste und als Katalysator
außerkirchlicher Kunstprozesse in der DDR.

16.00 Uhr:  Kaffeepause

16.45 Uhr: Horst Schwebel (Marburg): Challenge and Response. Kirche als Ort der
Kunstbegegnung zwischen Ost und West.

17.30 Uhr: Hubert Faensen (Kleinmachnow): Das Verhältnis der Ost-CDU zum
kulturellen Erbe und zur Gegenwartskunst.

19.00 Uhr: Abendvortrag
Sigrid Hofer (Marburg): West-östliche Polaritäten? Dresdens Beitrag zur abstrakten Kunst nach 1945

20.00 Uhr: Empfang der Tagungsteilnehmenden


Donnerstag, den 3. September 2009


Sektion 2 – Steinerne Manifeste. Erbe, Pflege, Neubauprojekte
Sektionsleitung: Horst Schwebel (Marburg)

9.00 Uhr: Henriette von Preuschen (Cottbus): Der Umgang mit kriegszerstörten
Kirchen in der DDR am Beispiel der Bezirkshauptstadt Magdeburg.

9.45 Uhr: Verena Schädler (Weimar): Katholischer Kirchenbau unter Honecker.

10.30 Uhr: Kaffeepause

Sektion 3 – Sakrale Bildkunst in einem atheistischen Staat
Sektionsleitung Paul Kaiser (Dresden)

11.15 Uhr: Gerd Bruene (Paderborn): "… ich bin doch kein Christ". Ein kirchlicher
Auftrag für den 'Staatskünstler' Fritz Cremer.

12.00 Uhr: Frank Matthias Kammel (Nürnberg): Figur und Abstraktion in der sakralen Kunst Elly-Viola Nahmmacher und Hildegard Hendrichs.

12.45 Uhr: Christoph Deuter (Leipzig): Kritische Verhältnisse. Friedrich Press und die Rezeption seiner Bildwerke in der Öffentlichkeit der DDR.

13.30 Uhr: Schlussdiskussion

14.00 Uhr: Mittagessen

15.00 Uhr: Gemeinsamer Gang durch die Ausstellung