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Tagung: Reaktionär - konservativ - modern? Figürliche Plastik der frühen Nachkriegszeit in Deutschland, vom 16. bis 18. Juni 2011 in Düsseldorf

Der westliche Modernediskurs ist inzwischen ebenso Geschichte geworden wie die Formalismuskritik der DDR-Kulturpolitik. Aus dem historischen Abstand heraus möchte die Tagung die figurative Plastik der Jahre von 1945 bis um 1960, wie sie sich in beiden deutschen Staaten (in wechselseitiger Abgrenzung und / oder im Dialog) herausgebildet hat, aus möglichst vielen Perspektiven neu in den Blick nehmen. Kontroverse Positionen sind ausdrücklich gewünscht.

Die Kunstpolitik der Nationalsozialisten – die Ausstellung "Entartete Kunst", die Diffamierung der avantgardistischen Künstler, das Berufsverbot, das man ihnen erteilte, die Demütigung und Entlassung von Museumsleuten, die für die moderne Kunst eintraten, die Verschleuderung oder Vernichtung von Werken moderner Kunst – hat in den westlichen Besatzungszonen und in der jungen Bundesrepublik zu einer kunstgeschichtlichen Grenzsetzung geführt, bei der die (westliche) Avantgardekunst als allein gültiger Ausdruck einer demokratischen Gesellschaft definiert wurde. In der jungen DDR konstituierte sich parallel und in Opposition dazu unter dem Signum des „Sozialistischen Realismus“ eine Bildsprache, die sich gleichermaßen von der faschistischen Bildpropaganda wie von der avantgardistischen “Westkunst“ distanzierte. In beiden deutschen Staaten diente Kunst somit der politischen Selbstvergewisserung und der doppelten Abgrenzung von der nationalsozialistischen Vergangenheit und von dem politischen Gegner im Osten / Westen.

Die Kunst, die Gegenstand dieses politischen Diskurses war, ist von der Kunstgeschichtswissenschaft eher stiefmütterlich behandelt worden. Das Interesse der Forschung (und des Kunstmarktes!) an der deutschen Avantgardekunst der Jahre vor 1945 und an der deutschen Kunst nach 1960 beließ selbst der Malerei der Jahre von 1945 bis ca. 1960 nur verhaltene Aufmerksamkeit, die sich zudem auf die gegenstandsfreie Malerei konzentrierte, eine Konzentration, die bekanntlich auch dem von den Westmächten vorgegebenen kulturpolitischen Programm entsprach. Und noch geringer war das (fachliche und öffentliche) Interesse, das der figurativen deutschen Skulptur der frühen Nachkriegszeit entgegengebracht wurde. Eingespannt in das (westliche) teleologische kunsthistorische Geschichtsmodell stand figurative Plastik, wenn nicht für reaktionäre Kunst (zurückgebunden an die Plastik im Nationalsozialismus) oder für gesellschaftliche Unfreiheit (die figurative Plastik im Osten Deutschlands), so doch zumindest für eine konservative, bestenfalls als „gemäßigte Moderne“ zu qualifizierende künstlerische Haltung.

Programm

Donnerstag 16. Juni 2011

18.00 Uhr
Ursel Berger (Berlin, Georg-Kolbe-Museum):
„Noch immer viele Tendenzen zu den überlebten Kunstrichtungen.“ Der Umgang mit figürlicher Plastik nach dem Zweiten Weltkrieg

Fortsetzung von Seite 1

Freitag 17. Juni 2011

9.30 - 10.15 Uhr
Nikola Doll (Berlin, freiberufliche Kunsthistorikerin):
Manzù, Marini, Marcks und Moore. Bezugsgrößen für die deutsche Bildhauerei nach 1945

10.15 - 11.00 Uhr
Johannes Myssok (Düsseldorf, Kunstakademie):
Spätwerk und Neubeginn

Pause

11.30 - 12.15 Uhr
Hans Körner (Düsseldorf, Heinrich-Heine-Universität):
Die nackte Frau, der frühgriechische Jüngling und der Stahlträger. Zur kunsthistorischen Ikonographie von Hans Wimmers „Großer Stehenden“

12.15 - 13.00 Uhr
Arie Hartog (Bremen, Gerhard-Marcks-Haus):
Lieber Archaisieren als Schleifen, oder warum die Moderne nach 1945 so alt aussieht

Pause

14.30 - 15.15 Uhr
Angela Lammert (Berlin, Akademie der Künste):
Funktionswandel der figürlicher Plastik: Vom Mahnmal zur Plastik im öffentlichen Raum

15.15 - 16.00 Uhr
Karl Schawelka (Weimar, Bauhau-Universität):
Fritz Cremer und das Buchenwald-Denkmal

Pause

16.30 - 17.15 Uhr
Jürgen Fitschen (Schleswig, Landesmuseen Schloss Gottorf):
Die Bildhauer Gustav Seitz und Waldemar Grzimek und das Ringen um das „richtige“ Menschenbild zwischen 1951 und 1953

17.15 - 18.00 Uhr
Christa Lichtenstern (Berlin, ehem. Universität des Saarlandes):
Natur im poetischen Realismus Wieland Försters

18.00 - 18.45 Uhr
Ursula Ströbele (Berlin, freiberufliche Kunsthistorikerin):
„Im Sturm der Zeit“. Genni Mucchi-Wiegmann – „Bildhauerin der Partisanen“

Samstag 18. Juni 2011

9.30 - 10.15 Uhr
Guido Reuter (Düsseldorf, Kunstakademie):
Ruhend, gesammelt, bewegt. Die kniende Figur in der deutschen Nachkriegsplastik

10.15 - 11.00
Vanessa Sondermann (Düsseldorf, Kunstakademie):
Ewald Mataré. Lehre und Werk von 1945 bis 1965

Pause

11.30 - 12.15 Uhr
Marc Wellmann (Berlin, Georg-Kolbe-Museum):
Abstrakte Figur. Bernhard Heiliger, Karl Hartung, Hans Uhlmann

12.15 - 13.00
Raimund Stecker (Duisburg, Lehmbruck-Museum):
Ausstellung von Kälte - Was machten unsere Prä-Post-War-Avantgardisten