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Tagung: Zwischen Deko und Diskurs. Kunst für Oligarchen vs. Kunst für Kuratoren?, vom 7. bis 9. Mai 2018 in Ingelheim

Spätestens seit dem »Superkunstjahr« 2017 und Wolfgang Ullrichs Hinweis auf ein Schisma in der zeitgenössischen Kunst diskutiert eine breitere Gemeinschaft über die Diskrepanz zwischen Kunst für eine kuratorische Elite und Kunst für Käufer mit einem ausreichend großen Geldbeutel. DIe Fridtjof-Nansen-Akademie Ingelheim, der BDK Fachverband für Kunstpädagogik Rheinland-Pfalz und die Arbeitsgemeinschaft Kunstgeschichte in der Kunstpädagogik im BDK Fachverband für Kunstpädagogik e.V. widmen sich in der Tagung diesem spannenden Thema.

Die Tagung greift Titel und Fragestellung eines Textes von Wolfgang Ullrich auf, der im Juli dieses Jahres im Perlentaucher erschien und weite Resonanz fand. Der Streit um eine überschuldete documenta 14 in zwei Städten, eine von Staaten und Firmen aufwendig finanzierte Biennale Venedig, und schließlich eine Kunstmesse Basel, die mit internationalem Staraufgebot an Künstlern und hyperpotenten Käufern Kassel längst den Ruf der »wichtigsten Weltkunstausstellung« streitig macht – ist es richtig, dass sich da, wie Wolfgang Ullrich es formuliert, ein Schisma in der zeitgenössischen Kunst vollzieht? Zwischen Werken für den Markt der Superreichen und Werken für Kuratoren, die das »Distinktionsbedürfnis der Diskurseliten« befriedigen? Stehen wir vor einer Absage an die gesellschaftliche an die gesellschaftliche Funktion der Kunst auf der einen und die Beförderung einer politisierten, theorielastigen Kunst auf der anderen Seite?

Im Kunstmarktteil des Handelsblatts konstatierte Christian Herchenröder: »Kunsthistorische Weihen spielen angesichts dieser Marktpositionen nur eine Nebenrolle. War es früher umgekehrt, so entscheiden heute die Publizität eines Künstlers und die Intensität seiner Vermarktung über seine Museumskarriere und den globalen Ausstellungsbetrieb. Der Markt hat sich verselbstständigt, Sammler und Investoren prägen das Geschehen. Die Museen hinken teuer nach.« (25.-27. 8.2017) Ist dies eine grundlegende Krise der Kunst, und wie sieht in ihr die Rolle der Künstler, der Kuratoren, der Sammler, der Museen, der Kunstvereine und des Kunstpublikums aus? Wie steht es um die ethischen und moralischen Grundlagen der Kunst, um die Kunstkritik, um die Kunstgeschichte in dieser Zeit? Wie steht es um politisches Engagement und gesellschaftliche Verantwortung der Künstler?

Fragestellungen, die 2014 in der Ingelheimer Tagung schon angerissen wurden. Heute indes ist die Situation verschärft, aufgebrochen. Zwischen einer documenta, die »kaum Kunst im kunsthistorischen Sinn« zeigt, und einer Biennale Venedig, in der Galerien, Sammler, Sponsoren, Länderkommissare, Länderkommissionen an Entscheidungen und Finanzierungen beteiligt sind, gibt es kaum Berührungspunkte. Und im internationalen Handel mit Kunst werden für Werke, die »oft von anspruchsbefreiter Dekoration nicht mehr zu unterscheiden sind« (beide Zitate Sabine B. Vogel, Die Presse, Wien, 8.7.2017) Spitzenpreise platziert. Von Käufern, die hier ein neues Anlagegebiet und Feld für schnelle Spekulationen entdeckt haben.

In der diesjährigen Ingelheimer Tagung soll diesen Fragen pointiert nachgegangen werden.

Programm

Montag, 7. Mai 2018

15.00 Uhr
Joachim Kießling, Vorsitzender des BDK-Landesverbandes, Dr. Florian Pfeil, Direktor des Weiterbildungszentrums Ingelheim: Begrüßung

15.15 Uhr
Prof. Dr. Ulrich Krempel, HBK Hochschule für Bildende Künste Braunschweig und Prof. Dr. Ulrich Heinen, Bergische Universität Wuppertal: Einleitende Anmerkungen zum Thema

16.30 Uhr
Prof. Dr. Ulrich Krempel, HBK Hochschule für Bildende Künste Braunschweig: »Die Kunst ist in Gefahr.« Der Abschied von der gesellschaftlichen Funktion der Kunst, Künstler als »Banknotenfabrik und Aktienmaschine« (George Grosz)?

18:30 Uhr Abendessen

Dienstag, 8. Mai 2018

9.00 Uhr
Dr. h.c. Andreas Mertin, Hagen: Schismatrix. Notizen zur Wiederkehr des ethischen Regiments in der Kunst

11.00 Uhr
Prof. Dr. Anne Marie Bonnet, Kunsthistorisches Institut Bonn: Kunst Macht Markt, macht Markt Kunst?

12:30 Uhr Mittagessen

14.00 Uhr
Annette Kulenkampff, Kassel (ehem. Geschäftsführerin der documenta 14 und Museum Fridericianum-gGmbH): Kassel und Athen. Der Spagat zwischen Politik und Kunst

15.30 Uhr
Prof. Dr. Annette Tietenberg, Hochschule der Bildenden Künste Braunschweig: Das kollektive politische Subjekt. Kuratorische Konzepte der documenta 14

19:30 Uhr Abendessen

Mittwoch, 9. Mai 2018

9.00 Uhr
Dr. Jana Johanna Haeckel, Katholieke Universiteit Leuven: Zwischen Diskurspolitik und Bildverbot. Zum Dilemma kuratorischer Strategien in der Gegenwartskunst

10.30 Uhr
Yasser Almaamoun, Zentrum für Politische Schönheit (ZPS), Berlin:Aktionskunst in den Augen des ZPS

12.00 Uhr Plenum und Perspektivdiskussion

12:30 Uhr Mittagessen und Seminarende

Leitung:
Prof. Dr. Ulrich Krempel, HBK Hochschule für Bildende Künste Braunschweig
Prof. Dr. Ulrich Heinen, Bergische Universität Wuppertal

Das Seminar ist allgemein zugänglich. Teilnehmergebühr 105,00 € mit Übernachtung im Doppelzimmer, EZ-Zuschlag 30,00 €, 55,00 € ohne Übernachtung.

Fridtjof-Nansen-Akademie Ingelheim, in Zusammenarbeit mit dem BDK Fachverband für Kunstpädagogik Rheinland-Pfalz und der Arbeitsgemeinschaft Kunstgeschichte in der Kunstpädagogik im BDK Fachverband für Kunstpädagogik e.V.