Ausstellungsbesprechungen

Thomas Meier-Castel: Kräftespiel – Zeichnung und Grafik.

Andere wären Bildhauer geworden. Thomas Meier-Castel, geboren 1949 in Blieskastel, wo die Schwerindustrie in der Luft hängt, entwickelte früh seine Leidenschaft für das Metall. Der Umgang mit den Platten zur Stahlverarbeitung lernte der Künstler vor Ort.

Heute kann es schon mal sein, dass Meier-Castel die Stahlkolosse an Ketten und mit dem Auto über den schicksalbeladenen Hüttenboden zieht: nicht um einer Performance willen, sondern um authentische Spuren auf das Metall zu bekommen, die er dann in monumentalen Formaten abdruckt.

Als Technik verwendet er die Radierung, und er versteht seine Aktionen als ein Kräftemessen: menschliche Intuition gegen materielle Struktur. »Ich muss«, hat Meier-Castel gesagt, »die Materie durchdringen und ihr meine Sensibilität aufdrücken«. Diese Sensibilität gelingt ihm in der technischen Zwischenstufe des Druckens im Tiefdruckverfahren: Zuerst muss die Farbe in die ausgeschürften, verschrammten »Wunden« der Platte eingerieben werden, um dann auf dem Papier herausgepresst zu werden. Das hört sich keinesfalls sensibel an, doch ist es genau das, was die Arbeiten Meier-Castels so unverwechselbar macht: Jedes Blatt bearbeitet er individuell, so macht er aus dem Vervielfältigungsverfahren einen Handlanger für das einmalige Linienspiel auf dem Papier. Das wiederholt der Künstler zwar etliche Male, doch widerspricht das der Argumentation nicht: Im Grunde schafft Meier-Castel mit jedem Druck ein Einzelstück, und das in Größe XXL (er hat sich dafür eigens eine Druckerpresse für seine Formate von 110 auf 200 cm zugelegt).

Wenn er einmal nicht von der Platte druckt, experimentiert Meier-Castel mit der Enkaustik, die er unerbittlich für seinen Stil ausschöpft. Insgesamt sind in Karlsruhe fast 30 monumentale Radierungen zu sehen, fast 30 Zeichnungen und Skizzenbücher kommen noch hinzu. Da der Künstler zu den wenigen gehört, die auch sehr klug über die eigenen Arbeit sprechen und schreiben können, sei er noch einmal tatkräftig zitiert: »Meine Kunst erwächst aus permanentem Unterwegssein, die Radierspuren sind Seismographen von Begegnungen, Aufzeichnungen von allem, was mir bewusst wird« – und von allem, was die Zeit begreifbar macht.

 

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Samstag/Sonntag 10–18 Uhr