Ausstellungsbesprechungen

Transmitter, Installationen

Anfassen und mitmachen! Die zum European Media Art Festival gehörende Ausstellung „Transmitter“ lädt bis 23. Mai 2004 zum Experimentieren in die Kunsthalle Dominikanerkirche ein. Das interaktive Konzept lässt den Besucher zum maßgeblichen Teil der Ausstellungsobjekte und Installationen werden.

IVG (Instant Video Grid) von Joel Baumann

 

Selbst Teil der Kunst zu werden, ist für jeden Menschen faszinierend. Die beiden Arbeiten, die diese Freude am eigenen Bild thematisieren, sind die von Joel Baumann und die von Steina Vasulka/Rob Shaw. Das IVG (Instant Video Grid) von Joel Baumann besteht aus einem Kamerakasten und einer Projektionsfläche an der Wand. Diese Projektionsfläche ist in neun Bildschirme aufgeteilt, auf denen kurze Schwarzweißfilme zu sehen sind, wodurch die Installation den Charme einer Überwachungskamera bekommt. Denn genau das ist sie auch. Die Kurzfilme drehen die Besucher der Ausstellung selbst, indem sie sich vor den Kamerakasten stellen, den roten Aufnahmeknopf betätigen und „performen“. Gleich darauf ist der neue Film Teil der Projektionsfläche und läuft in erhöhter Geschwindigkeit ab, was einen erheiternderen Effekt hat.

 

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„Bent Scans“ von Steina Vasulka und Rob Shaw

 

Auch in „Bent Scans“ von Steina Vasulka und Rob Shaw ist das Bild des Betrachters Grundlage der Darstellung. Eine Kamera zeichnet die Besucher auf, das Bild wird elektronisch auf verschiedene Weise verfremdet und erscheint mit kurzer Zeitverzögerung auf den drei Projektionswänden der Arbeit. Ohne Betrachter kann die Kunst nicht stattfinden.

 


Mobile Feelings“ von Christa Sommerer und Laurent Mignonneau

 

Völlig ohne Bilder kommt die Arbeit „Mobile Feelings“ von Christa Sommerer und Laurent Mignonneau aus. Hier treten die Besucher auf ungewöhnliche Weise miteinander in Kontakt. Die Arbeit besteht aus sechs schwarzen Eiern. Nimmt man eines in die Hand, passiert nicht viel. Nimmt jedoch ein anderer Besucher das gegenüberliegende Ei ebenfalls in die Hand, so kann man den Herzschlag des jeweils anderen in dem eigenen Ei spüren, was eine merkwürdig intime Verbindung zwischen zwei Fremden (oder auch Freunden) knüpft. Wenn man nicht gerade Herzchirurg ist, bietet das Halten eines fremden „Herzens“ eine völlig neue Erfahrung. Dabei wirkt das Wissen über die Mobilfunktechnik, die das Erlebnis möglich macht, reichlich ernüchternd.

 

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Weniger intim, dafür eher distanziert, erlebt man die Installation „I never have hair on my body or head“ von Niels Bonde. Sie besteht aus einer kleinen Zwei-Zimmer-Wohnung, in der Stofftiere mit Kameraaugen die Besucher beobachten, die sich auf Monitoren wieder finden. Der Künstler spielt auf Urängste des Menschen an, der sich beobachtet fühlt. Der Titel der Arbeit stammt aus dem Fragebogen einer psychiatrischen Klinik, mit dem sich Bonde interessiert auseinandergesetzt hat.


„Earth Globe Laboratory“ von Agnes Meyer-Brandis.

 

Relativ abgedreht ist auch das „Earth Globe Laboratory“ mit Elfenscan von Agnes Meyer-Brandis. Der Besucher kann in Bohrkernen aus verschiedenen Gesteinschichten nach Elfen scannen, die man sehen und hören kann. Die Künstlerin entführt mit High-Tech in die Märchenwelt und lässt so an ihren Ideen der „mundus subterranus“ teilhaben.

 

 

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Testen Sie auch die Luxus-Toilette „Exelsior 3000“ des Australiers Ian Haig und wählen Sie Audio- und Videosequenzen selbst aus. (Bitte Hosen anlassen!)

 

Machen Sie es sich bequem im vollautomatischen Café der „Mobilen Audio-Video Jukebox“. Spazieren Sie durch einen zitternden toten Wald. Lauschen Sie Computerprogrammen, die über Philosophie diskutieren.

 

 

Und tragen Sie einen der „Brain Tumour Helmets with Microwaves“, um die Technologie-Hysterie auf ironische Weise auf die Spitze zu treiben.

 

Die Ausstellung macht auch Spaß, wenn man nicht über die tiefsinnigen Hintergründe der Kunst weiß. Diese erfährt man z.B. aus dem Katalog (7,- Euro).

Weitere Informationen

Öffnungszeiten:
22. bis 24. April 2004 / 10:00 – 22:00 Uhr
25. April 2004 / 10:00 – 20:00 Uhr
27. April bis 23. Mai 2004

Di bis Fr: 11:00 – 18:00 Uhr
Sa u. So 10:00 – 18:00 Uhr
Montags und 1.
Mai geschlossen

 

http://www.emaf.del

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