Ausstellungsbesprechungen

Über das Wasser – Gustave Caillebotte

Gustave Caillebotte (1848-94) sei einer der unbekanntesten Impressionisten, zeigen sich die Ausstellungsmacher besorgt. Das heißt nicht, dass Caillebotte selbst da Nachholbedarf hätte: Seine »Straße von Paris, Regenwetter« von 1877 fehlt in kaum einem Buch über Paris, und auch in der Kunstgeschichte des späteren 19. Jahrhunderts wird das ausgefallene Schirm-Motiv gern in einer vorderen Reihe platziert.

Im maritimen Interessenfeld wird man Caillebotte als Schiffsbauer sicher auch genug der Würdigungen erfahren haben. Darüber hinaus ist dann aber Fehlanzeige. Oder eine Aufmerksamkeit in die falsche Richtung: So kann man hinter der Bilderserie der »Parkettabzieher« einen Naturalisten erkennen, der der Maler dann doch nicht war. Das sind jedoch alles Facetten, die vor allem eins zeigen: Gustave Caillebotte ist einer der ganz spannenden Maler vor der Wende zum 20. Jahrhundert.

Mit großem Aufwand – die von Caillebotte gebaute Segeljacht ROASTBEEF wurde eigens rekonstruiert – zeigt die Bremer Kunsthalle nun den ganzen Caillebotte, was mit ein paar Überraschungen aufwartet. So sind die unter freiem Himmel entstandenen Arbeiten zu sehen, die in der Tat konkurrenzfähig sind, und es wird ein Bereich beleuchtet, von dem aus wichtige Impulse in die Moderne ausstrahlen: der in mehreren Studien behandelte »Pont de l'Europe« (1876) stellt in der Detail-Ansicht und der sperrigen Komposition Fragen an eine sehr viel modernere Wahrnehmung, als man es um 1870 erwartet. Dass die situative, zuweilen außerordentlich kühne Perspektive und der ausschnitthafte Charakter mancher Szene – bei der Arbeit oder beim Sport eingefangen – auf die neue Weltsicht der Fotografie verweist, liegt dagegen auf der Hand.

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So gesehen darf man nun auch keine Sensation erwarten, hat doch etwa Claude Monet in Paris höchste Maßstäbe gesetzt und war ganz anderen sozialen Zwängen ausgesetzt – von daher auch existenzieller mit der Kunst verbunden als der vermögende Caillebotte, der sich der Malerei eher als Freizeitbeschäftigung widmen konnte, wie er auch als Philatelist und Gärtner erfolgreich ans Werk ging: Im Ergebnis sind Monets Gemälde schon von daher kraftvoller und eigensinniger. Gleichwohl trat Caillebotte als Förderer auf, der Bilder seiner Kollegen Degas, Manet, Monet und Renoir erwarb – zum Wohle des französischen Staates, dem er seine Sammlung später vermachte.

Herausragend ist Caillebottes Fähigkeit, das Wasser – eines der schwersten Sujets: Regenwasser – darzustellen. Da er nicht nur ein kundiger Schiffskonstrukteur, sondern auch Wassersportler war, taucht immer wieder das Thema auf: Ruderer auf dem Fluss, Blicke von der Normandieküste über das Meer usw. Hier darf man den Meistern des Impressionismus mit gutem Recht einen Maler an die Seite stellen, den es in der Breite zu entdecken gilt.

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Di 10 – 21, Mi-So 10 – 18 Uhr