Ausstellungsbesprechungen

Venedig-Bilder in der deutschen Kunst des 19. Jahrhunderts, Städtische Galerie in der Reithalle, Paderborn-Schloss Neuhaus, bis 3. Juli 2011

Auf den ersten Blick haben Künstler wie Rudolf von Alt, Max Liebermann und Carl Spitzweg nichts gemeinsam. Ihre Geburtsorte Wien, Berlin und München (wo alle jeweils auch gestorben sind) bieten da keine Berührungspunkte – die finden sich in Venedig, wenn auch nur theoretisch: Denn alle waren sie dort, um zu malen. Günter Baumann hat für Sie einen ideelen Ausflug in die Serenissima unternommen.

Exemplarisch sind jedoch alle drei auf ihre Weise. Der begnadete Aquarellist Rudolf von Alt bereiste Europa und eben auch Venedig, um seine Zeit zu dokumentieren, der biedermeierlich-humorvolle Maler Carl Spitzweg fand in die Lagunenstadt, um alte Meister zu kopieren, und der deutsch Impressionist Max Liebermann versuchte, das Flair aus dem Moment heraus einzufangen. Unterm Strich sind diese Beweggründe symptomatisch für das 19. Jahrhundert. Die künstlerische Bildungsreise nach Italien lag in der Frühen Neuzeit im Trend – dabei ging es um den Anschluss an die fortschrittlichste Kunstnation der damaligen Welt. Dieses Anliegen gab es im 19. Jahrhundert nicht mehr. Die schöne, geruhsame Ausstellung »Venedig Bilder in der der deutschen (und österreichischen, sogar Schweizer) Kunst des 19. Jahrhunderts« zeigt eine scheinbare Unmenge an Bildern – genau sind es 150 Gemälde, zeichnerische Arbeiten und Fotos –, die jene Stadt im Norden Italiens darstellt. Neben den genannten Künstlern finden sich auch Namen wie Ludwig Dill, Anselm Feuerbach, Carl Philipp Fohr, Friedrich Kallmorgen, Hans Makart, Carl Morgenstern, Friedrich Nerly, Carl Rahl, Gustav Schönleber und Anton von Werner.

Die Faszination für die kunstvolle Stadt der Kanäle und Gondeln muss man gar nicht be- oder umschreiben: Es dürfte niemanden geben, der sich hier nicht hinreißen lässt. Die Fülle an Exponaten erlaubt thematische Vergleiche: etwa der Blick auf den Markusplatz oder den Canal Grande oder auf Paläste allgemein. Die Schau gliedert sich in neun solche Themen, die ein üppiges Panorama entfalten. Nachdem die Stadt in den davorliegenden Jahrhunderten bereits ausgiebig von Veduten- und Historienmalern unter die Lupe genommen worden war, erstaunt schon die Fülle an Motiven, die immer wieder aufs neue gesucht wurden. Ein Wunder nur, dass es bislang keine Ausstellung gegeben hat, die diese spannende Epoche in dieser Breite beleuchtet hat. Manche der Künstler streiften die Stadt nur mal am Rande ihres Lebens, andere – wie Nerly – lebten auf Jahrzehnte in Venedig (er gehört deshalb zu den wichtigsten Beiträgern der Schau). Merkwürdig ist, man denkt um die Faschingszeit daran, dass der berühmte Karneval nur eine geringe Rolle gespielt zu haben scheint. Daran kann man aber auch ablesen, dass der Klischee-Verdacht, der einen bei einem solchen Thema beschleicht, zu Unrecht erhoben wird. Nein, es ist einfach so schön in dieser symbolträchtigsten Stadt der Welt. Das unterstreichen im Übrigen nicht zuletzt die Schwarzweiß-Fotografien, die in ihrer technischen Brillanz, aber auch in ihrer hohen Ästhetik bestechen.