Ausstellungsbesprechungen

Volker Lehnert. DSCHUNGEL

In den jüngsten Arbeiten des in Saarbrücken geborenen Künstlers Volker Lehnert begegnen uns, im Gewand von Malerei, Zeichnung und Lithographie, Themen aus der Welt der Abenteuer. Oder sind es etwa nicht die Abenteuer, die wir primär mit Dschungel assoziieren?

Dschungel, das ist jene unberechenbare, gefährliche und undurchdringliche Wildnis, »das nach eigenen Gesetzen funktionierende Chaos«, wie Nicole Nix-Hauck es formuliert. Doch Dschungel meint weit mehr als die ursprüngliche Natur – es ist die Verlorenheit und Orientierungslosigkeit im Großstadtdschungel, das tägliche Ausgeliefertsein in medialer Verstrickung und die Auseinandersetzung mit einer Flut von Bildern. Lehnerts Bilder hingegen fordern ein genaues Hinsehen und wollen langsam ergründet werden.

Es gibt in seiner Bildwelt keine ordnende Struktur, sondern es herrscht eine Fülle von heterogenen Elementen, so dass es im Grunde nur zwei Möglichkeiten für den Betrachter gibt: Entweder er verliert sich in diesem Wirrwarr oder er taucht einfach in die Farbenglut ein und schenkt seiner Fantasie Flügel, damit sie ihn auch zu den entlegendsten Bildwinkel führen kann. Insofern erinnern die Werke Lehnerts ein wenig an Michael Endes »Die unendliche Geschichte«, wo wir ja auch aufgefordert werden, unsere Phantasie wieder zu entdecken und zu gebrauchen. Auf jeden Fall entfaltet der Künstler mit spielerischer Lust am Fabulieren sein bildnerisches Material, aus dem sich Geschichten spinnen lassen. Es sind Geschichten von Verschwörungen im Gelände, von Zeltlagern, Fängern und Fallen, von Statisten und Helden.

Helden, das sind bei Lehnert jene figuralen Erscheinungen, die »in Gestalt von Comic-Protagonisten und Westernhelden im Spielzeugformat« (Nix-Hauck) daherkommen. Leben wurde ihnen von flüchtigen Lineamenten eingehaucht, so dass sie schemenhaft und gespenstisch erscheinen. Dennoch gehen die körperlosen Gestalten in den flächigen Farbgründen nicht verloren, sondern gewinnen vielmehr im Dialog mit den kräftigen Farben Kontur. Doch worin besteht ihre Aufgabe? Sie sind die ersten »Ansprechpartner« des Betrachters. Auch wenn sie sich in Schweigen hüllen und ihre Geheimnisse für sich bewahren – die Inhalte der Sprechblasen sind übermalt – so stellen sie dennoch etwas Konkretes dar, durch das der Betrachter in den Dschungel hineingezogen wird.

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Insgesamt zeigt der Künstler in seinen Arbeiten, die von 2005 bis 2007 entstanden sind, eine kaleidoskopartige Welt, in der sehr viel zu entdecken, aber auch zu hinterfragen ist. Besonders vor den großen Leinwänden stellen sich die Fragen nach Sinn des Dargestellten und dessen Zusammenhang immer wieder neu. Der Künstler jedenfalls lässt uns im Ungewissen, denn »[n]ichts ist gewiss. Am wenigsten die Wirklichkeit.« (Nix-Hauck)

Mit der Ausstellung »Dschungel« entführt die Städtische Galerie Neunkirchen am Jahresende noch einmal ihre Besucher mit den spannenden, Abenteuer verheißenden Arbeiten Volker Lehnerts in eine Flut aus kraftvollen Farben, die Figuren und Landschaften atmosphärisch umfängt. Dabei wurde sowohl den Zeichnungen und Lithographien als auch den großformatigen Gemälden mit einer hervorragend konzipierten, ausgewogenen Präsentation Rechnung getragen. Also überzeugen Sie sich selbst und tauchen Sie mit kindlicher Entdeckungslust in diese fantastischen Bildwelten Volker Lehnerts ein!

 

 

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Öffnungszeiten
Dienstag, Mittwoch, Freitag 10–12.30 Uhr, 14–17 Uhr
Donnerstag 10–12.30 Uhr, 14–18 Uhr
Samstag 14-17 Uhr
Sonntag 14–18 Uhr
Vom 24. Dezember 2007 bis 1. Januar 2008 ist die Ausstellung geschlossen.