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Vom Realismus zum Impressionismus - Werke von Carlos Grethe (1864 - 1913), Schlösschen im Hofgarten Wertheim, bis 11. November

Das Museum zeigt eine mehr als 70 Werke umfassende Retrospektive des Malers und Graphikers Carlos Grethe (1864-1913), vorwiegend aus Privatbesitz. Entstanden ist das Ausstellungsprojekt aus der letztjährigen Schau „Max Liebermann und norddeutsche Mitglieder der Berliner Secession“, die in Wertheim und Flensburg gezeigt wurde und bei der auch im Norden entstandene Arbeiten Grethes vertreten waren. Die im Schlösschen gezeigten Sonderausstellungen verstehen sich als Ergänzung zur Dauerausstellung mit Werken der Berliner Secession aus der Stiftung Wolfgang Schuller.

Gezeigt werden nun Bilder aus allen Schaffensphasen Carlos Grethes, der sein Interesse auf die wirklichkeitsnahe Verbildlichung des Themenkreises Mensch und Meer sowie Küste und Hafen gelegt hatte. Seine künstlerische Entwicklung ist zunächst einem modernen Realismus zugeneigt und verändert sich immer mehr zu einer impressionistischen Darstellungsweise.

Anfänge
Vor 145 Jahren wurde Carlos Grethe am 25. September 1864 als Sohn des Kaufmanns August Grethe in Montevideo (Uruguay) geboren. Im Alter von 5 Jahren kam er nach Hamburg und verbrachte dort Kindheit und Schulzeit. Seine Ausbildung absolvierte er in den 1880er Jahren an der Hamburger Gewerbeschule, an der Großherzoglichen Kunstschule Karlsruhe sowie an der Académie Julian in Paris.

Lehrtätigkeit

Zunächst wurde Grethe 1890 Lehrer an der Kunstgewerbeschule in Karlsruhe, 1893 erfolgte die Ernennung zum Professor an der dortigen Kunstschule. Grethe nahm an den kunstpolitischen Aktivitäten regen Anteil, so war er 1896 Mitbegründer des Karlsruher Künstlerbundes. Nach heftigen Kontroversen folgte er im Jahr 1899 gemeinsam mit Leopold von Kalckreuth und Robert Poetzelberger einem Ruf an die Akademie der bildenden Künste in Stuttgart, wo ihm der Lehrauftrag für die technische Malschule übertragen wurde. Wie schon vorher in Karlsruhe engagierte sich Grethe auch in Stuttgart für die Kunstpolitik, z. B. als Mitbegründer des Künstlerbundes Stuttgart im Jahr 1900; seit 1901 war er korrespondierendes Mitglied der Berliner Secession. Um 1908 zog er sich nach Unstimmigkeiten mit dem württembergischen König aus dem aktiven kunstpolitischen Leben zurück und konzentrierte sich ausschließlich auf die Malerei. Grethe starb am 24. Oktober 1913 in Nieuwpoort (Belgien).

Maler von Mensch und Natur
Grethes Interesse richtet sich auf die Auseinandersetzung des Menschen mit allen Facetten der Natur. Durch unzählige Segelschifffahrten hatte er das Wesen des Meeres und seiner Bewohner verinnerlicht. Seine gründliche Art der Bestandsaufnahme – er nähert sich einem Sujet von jeder erdenklichen Seite – zeichnet ihn als den zu seiner Zeit intimsten Kenner des Themas Meer und Küste aus.

Bemerkenswert sind seine portraithafte Auffassung von Fischern und Seeleuten, wie auch Industriedarstellungen im Hamburger Hafen. Später werden die Krevettenfischer an der flandrischen Küste bei ihren Tätigkeiten bevorzugtes Motiv: Das Warten auf den richtigen Zeitpunkt, um mit dem Krevettenfischen beginnen zu können, das Hineinreiten in die Fluten sowie die heimkehrenden Fischer mit ihrem Fang. Dabei sind insbesondere die von der Arbeit im Freien gezeichneten Physiognomien der Männer von Bedeutung. Das Spätwerk beeindruckt durch reine (Meeres-) Landschaftsdarstellungen bei differenzierter Angabe der Tageszeit und Witterung, wobei die Vielseitigkeit der ständig wechselnden malerischen Naturereignisse von Licht, Luft und Wasser, wie auch die Zerlegung der optischen Eindrücke in jetzt leuchtende Farben und die damit einhergehenden Kontraste in Erscheinung treten.