Buchrezensionen, Rezensionen

Wolfram Völcker (Hg.): Was kostet Kunst? Ein Handbuch für Sammler, Galeristen, Händler und Künstler. Hatje Cantz 2011

»Was kostet Kunst?« fragt der Titel eines neuen Buches aus dem Hatje Cantz Verlag. »Ein Handbuch für Sammler, Galeristen, Händler und Künstler« war das erklärte Ziel des Herausgebers Wolfram Völcker, studierter Volkswirt und Berliner Galerist. Leider bleiben viele Kapitel zu unkonkret, um dem Anspruch gerecht zu werden, findet Cornelia Lütkemeier.

Bereits der Untertitel der Publikation (»Ein Handbuch für Sammler, Galeristen, Händler und Künstler«) weckt Zweifel an der Schlüssigkeit des Buchkonzepts. Verspricht er doch, die Interessen widerstreitender Zielgruppen gleichermaßen bedienen zu wollen: Da sind auf der einen Seite die Sammler, die Kunst in der Regel so günstig wie möglich einkaufen wollen. Und auf der anderen Seite die Händler, Galeristen und Künstler, die nach einem möglichst hohen Verkaufswert der Kunstwerke streben. Richtig zufrieden wird das Buch wohl keine der Interessengruppen stellen. Auch, weil viele der Aufsätze zu oberflächlich bleiben.

Im ersten Kapitel zählt der Wirtschaftswissenschaftler Christian Knebel gängige Methoden zur Bestimmung von Kunstwerk-Preisen auf: Eine Berechnungsformel für den Wert von Bildern, Zeitschriftenindizes wie den Kunstkompass des manager magazins oder Onlinedatenbanken. Im Anhang versammelt er zahlreiche Kunstpreis-Verzeichnisse. Leider kommt Knebel kaum über die bloße Nennung der verschiedenen Indizes hinaus. Sein Fazit, dass nur der Spitzenmarkt überhaupt beobachtbar sei, dürfte einem großen Teil potenzieller Kunstkäufer keine konkrete Hilfe sein.

Über die Unterscheidung von Original, Unikat und Werk schreibt der Kunsthistoriker und Jurist Florian Mercker. Für einen Leser mit kunsthistorischer Vorbildung fällt der Informationsgehalt des Aufsatzes eher dünn aus: Man findet weder konkrete Tipps, ab welcher Auflagenzahl man eine Druckgrafik meiden sollte, noch Richtwerte, wie etwa eine Werkstattarbeit preislich zu bewerten ist. Permanent wird hingegen auf unklare Rechtslagen verwiesen.

Dirk Boll, Professor für Kulturmanagement in Zürich, liefert einen Abriss über die Geschichte der Künstlersignatur und die Bedeutung der Signatur. Leider gibt auch er keine Tipps für den praktischen Kunsthandel, zum Beispiel wie sich etwa die Echtheit einer Signatur überprüfen lässt.

Etwas hilflos stellt Wolfram Völcker in seinem Aufsatz »Was ist Qualität? Kriterien, Maßstäbe und Wirkung auf den Wert« fest: »Wir können also sagen, ein Kunstwerk hat eine hohe Qualität, wenn seine Wirkung auf den Betrachter besonders intensiv ist. […] Im Idealfall gehen – und das gilt medienübergreifend – Inhalt und Form eine besonders unzertrennliche, ja schlüssige Beziehung miteinander ein«.

Informativ lesen sich hingegen die Beiträge von Isabel von Klitzing und Daniela Baumberg. Die Provenienzforscherin von Klitzing erläutert wie sich die Herkunft eines Werkes auf den Marktwert niederschlägt und sensibilisiert dabei insbesondere für die Problematik beim Erwerb von Kunstgütern, die zwischen 1933 und 1945 vom Markt verschwanden. Die Restauratorin Daniela Baumberg macht auf praktische Erhaltungsprobleme bei Gemälden, Papierarbeiten und Fotografien aufmerksam. Sie gibt dabei nicht nur fachkundig Hinweise, auf welche Materialien und Stellen am Kunstwerk man besonders achten sollte und gibt Tipps zur Lagerung, sondern illustriert typische Schäden auch mit anschaulichen Fotos.

Fazit: Von einem „Handbuch“ erwartet man sich in der Regel praktische Tipps – genau die finden sich in dem Buch leider viel zu wenig. Das Werk eignet sich eher als allererste Einführung in den Kunstmarkt denn als Ratgeber für Sammler und Galeristen, die ja bereits über einiges Wissen verfügen müssen.