Call for Papers

Call for Papers: Auf der Spur der Dinge. Eine Summerschool zum Sammeln und Ausstellen musealer Objekte, vom 25. bis 29. September 2017 in Lübeck

Der material turn ist in vollem Gange; Objekte und Materialitäten stehen im Focus der Forschung, aber auch musealer Ausstellungen. So sind Objekte Thema von Forschungskonzepten, gehören aber mehr und mehr auch zu ihrem Instrumentarium. In Zusammenarbeit mit fünf Lübecker Institutionen will die Summerschool die Bedeutung von Museumsexponaten und Sammlungsobjekten erkunden. Bewerbungsschluss: 1. Juni 2017.

Seit einigen Jahren richten die Kulturwissenschaften mit dem material turn ihre Aufmerksamkeit auf Dinge, Materialitäten und Objekte. In der Erforschung der materiellen Kultur werden aber nicht nur vermehrt neue Gegenstandsfelder wie Museen und Alltagsgegenstände erschlossen. Vielmehr treten mit dem material turn auch neue Forschungskonzepte und -kategorien hervor, die die Dinge und Objekte selbst zum Instrumentarium der Analyse werden lassen. Im Fokus stehen dabei Fragen nach der Handlungsfähigkeit von Dingen und Objekten sowie nach deren Bedeutung bei der Gestaltung und Ausformung sozio-kultureller Praktiken.

Die geplante Summerschool nimmt die „Spur der Dinge“ auf zweierlei Weise auf: Zum einen in Zusammenarbeit mit den Lübecker Institutionen, die sich dem Erhalt von Dingen widmen, und zum anderen mit den Wissenschaften, die mit diesen Objekten forschen. Anhand regionaler Sammlungskulturen soll der Spannungsbereich zwischen musealer Praxis und kulturwissenschaftlicher Theoriebildung ausgeleuchtet und an Beispielen konkreter Ausstellungspraktiken diskutiert werden. Die geplante Summerschool zielt darauf ab, die Sammlungs- und Ausstellungspraktiken der Hansestadt mit kulturwissenschaftlicher Forschung in den Dialog zu bringen.

Das Museum ist ein Ort, der sich auf besondere Weise durch das Bewahren, Sammeln und Ausstellen von Dingen auszeichnet. Exponate im Museum repräsentieren nicht einfach nur andere oder vergangene Welten, sondern sie produzieren Verhältnisse zwischen Gegenwart und Geschichte, zwischen Wahrnehmung und Gegenständlichkeit, Objekthaftigkeit und sinnlicher Erfahrbarkeit. Museale Dinge fungieren als Akteure in und von musealen Räumen und spezifischen Wahrnehmungsweisen.

Museumsexponate sind Bindeglieder zwischen Wissenschaft, ihrer Vermittlung und der Öffentlichkeit. Welche Rolle kommt Dingen als Träger kultureller Bedeutung in der Gesellschaft zu? Wie verändert sich der Umgang mit Objekten, wenn wir diese nicht nur als gegebene Gegenstände behandeln und gebrauchen, sondern sie sammeln und ausstellen? Welche Handlungs- und Deutungsmacht wird ihnen in diesem Prozess übereignet? Welche Rollen lassen sich beim Auftritt von Dingen in musealen Kontexten unterscheiden? Wie lassen sich die Debatten über Materialität und Dinghaftigkeit des Wissens für die Untersuchung musealer Objekte fruchtbar machen und welche gesellschaftlichen Transformationen lassen sich aus diesen Debatten ableiten?

Mit ihrem außergewöhnlichen Fundus an Sammlungen und Sammlungsgeschichten bieten die Lübecker Museen einen – wie wir meinen – hervorragenden Ort, um exemplarisch den Möglichkeiten eines produktiven Austauschs von kulturwissenschaftlicher Theoriearbeit mit musealer Sammlungspraxis nachzugehen: Mit der Neukonzeption des Buddenbrookhauses lässt sich beispielsweise nach der Rolle von Exponaten für die notwendige Verzahnung von kuratorischer und theoretischer Museumspraxis fragen. Wie werden museale Erlebniswelten geschaffen, wenn diese immer weniger von der Originalität des einzelnen Exponats abhängig sind? Diese Frage stellt sich in besonderer Weise für das 2015 neu eröffnete Europäische Hansemuseum. Wie agieren Museen ohne eigene Sammlung und wie lässt sich daran die Bedeutung von Dingen im Museum diskutieren? Das St. Annen-Museum hingegen zeigt eine der bedeutendsten Sammlungen mittelalterlicher Altäre und Kunst in dem besonderen Ambiente der ehemaligen Klosterräume – und ist inzwischen zu einem Geheimtipp geworden. Wie lässt sich die Einzigartigkeit einer Sammlung in der heutigen Eventkultur lebendig erhalten? Die Altäre des St. Annen-Museums sind nicht als museale Exponate geschaffen worden; das verweist auf die vielschichtigen Transformationsprozesse von Museumsdingen. Auch am Beispiel der Lübecker Völkerkundesammlung kann erörtert werden, welche Verschiebungen Objekte durchlaufen (müssen), damit sie ausstellbar werden. In dieser Fragerichtung erscheinen Dinge im Museum als immer schon deplatzierte Objekte. Aber wie ließe sich genau diese Deplatzierung als Signatur einer Ausstellung produktiv nutzen? Und welche Chancen bietet schließlich ein Blickwechsel auf archivierte, aber bisher nicht ausgestellte Objekte? Die Ausstellung „Fotografie in Lübeck 1840– 1945“ eröffnete Einblicke in die bislang nicht gezeigte Fotosammlung im Behnhaus Drägerhaus – jetzt ist ein Katalog zum Gesamtbestand des Hauses geplant. Welche neuen Ausstellungsstrategien können solche in musealen und archivalischen Sammlungen verborgenen Schätze generieren? Diese Fragen sind entlang der Lübecker Museumslandschaft entwickelt worden, sollen während der Summerschool aber auch davon losgelöst diskutiert werden.

Die Summerschool des ZKFL ist als ein Wandering-Seminar konzipiert, das Stationen in den Orten der Lübecker Museums- und Sammlungslandschaft mit Diskussionen zu folgenden fünf Themenbereichen kombiniert:

  • Der Ein-/Anspruch der Dinge: Zum Objekt- und Sammlungsbezug kulturwissenschaftlicher Forschung
  • Immaterielles Ausstellen: Zur Ausstellbarkeit von Literatur und die fehlenden Dinge im Museum
  • Sammlungsgeschichten/Verborgene Schätze: Das Archiv ohne Museum, die Sammlung ohne Ausstellung
  • Deplatzierte Objekte: Übersetzung und Transferprozesse musealer Dinge
  • Blickwechsel. Archiviert und wiederentdeckt: Wenn Dinge und Bilder aus dem Archiv in die Ausstellung kommen.

Keynotes: Prof. Dr. Hans Peter Hahn (Frankfurt/M.), Prof. Dr. Heike Gfrereis (Stuttgart), Prof. Dr. Felix Thürlemann (Konstanz), Prof. Dr. Britta Lange (Berlin), Dr. Dietmar Schenk (Berlin)

Die Summerschool wird von den Stipendiatinnen und Stipendiaten des ZKFL organisiert und richtet sich an interessierte Promovierende und Nachwuchswissenschaftler_innen aller beteiligten Disziplinen. Wir bitten um Zusendung eines Abstracts (max. 500 Wörter) für einen Beitrag zu einem der genannten fünf Themenbereiche sowie eines kurzen Lebenslaufes bis zum 1. Juni 2017 per Email an die Koordinatorin des ZKFL, Dr. Birgit Stammberger: stammberger@zkfl.uni-lübeck.de.

Eine Rückantwort bezüglich der eingegangenen Abstracts erfolgt bis zum 15. Juli 2017. Eine wissenschaftliche Publikation der Tagungsbeiträge wird angestrebt. Reise- und Übernachtungskosten können vom ZKFL übernommen werden, sofern keine andere Möglichkeit der Förderung besteht.

Zentrum für Kulturwissenschaftliche Forschung Lübeck (ZKFL)
Königstraße 42
23552 Lübeck
www.zkfl.de

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