Call for Papers

Call for Papers: Picturing the North – Nationale Identität und Deutsch-Skandinavischer Kulturaustausch im 19. Jahrhundert, 15. Februar 2017 in München

Im 19. Jahrhundert entwickelte sich ein reger Austausch zwischen der skandinavischen und deutschen Kunstwelt. Beiderseits war das Interesse aneinander groß. Obendrein war Deutschland Referenzpunkt für die Herausbildung nationaler Identitäten in Dänemark, Finnland und Co. diesem spannenden Thema ein internationales Kolloquium. Doktoranden und Postdocs sind aufgerufen, ihre Forschungsthemen vorzustellen. Einsendeschluss für Abstracts: 15. Dezember 2016.

Die künstlerische Herausbildung und Etablierung nationaler Identitäten vollzieht sich in einem ständigen Wechselspiel zwischen Eigen- und Fremdwahrnehmung. Für jene Fremd- und Selbstkonstruktionen, die in den Ländern Dänemark, Norwegen und Schweden zur Herausbildung nationaler Identitäten geführt haben, bildete Deutschland einen maßgeblichen Referenzrahmen. Diese Entwicklung wurde getragen von den zahlreichen skandinavischen Künstlern, die im 19. Jahrhundert in Deutschland wirkten, sowie einem wachsenden Interesse deutscher Künstler, Literaten und Architekten für die skandinavischen Länder.

Wurde der Norden in Kunst und Literatur über Jahrhunderte vor allem als wild und gefährlich rezipiert, begann sich dieses Image mit dem Ende des 18. Jahrhunderts im Kontext der Rousseauschen Naturphilosophie zu wandeln. Die nationalen Identitätskonstruktionen der skandinavischen Länder vollzogen sich also im Kontext einer Aufwertung des „Nordens“ als positiver Topos. Damit steht die kulturelle Definierung der skandinavischen Länder im Spannungsfeld zwischen der Herausbildung einer eigenen Nationalkultur und eines die einzelnen nationalen Narrative übergreifenden „nordischen“ Charakters.

Künstlerisch manifestierte sich die positive Neubewertung des Nordens bis in die 1850er Jahre zunächst vor allem in der Landschaftsmalerei. Die dieser Entwicklung zugrundeliegenden transnationalen Beziehungen können beispielsweise im Wirken des mit Caspar David Friedrich befreundeten norwegischen Malers Johan Christian Dahl (1788-1857) nachvollzogen werden. Künstlerisch-intellektuell in Dresden sozialisiert, trug Dahl durch sein altertumskundliches und künstlerisches Wirken aus der Ferne zentral zur Herausbildung einer eigenen nationalen Identität in Norwegen bei. Auf den Weltausstellungen repräsentierten sich die skandinavischen Länder ab 1851 durch eigene künstlerische Exponate erstmals selbst im Ausland und trugen so zu einer Verfestigung des jeweiligen nationalen Selbstbildes bei. Die zwischen 1889 und 1914 vom deutschen Kaiser Wilhelm II. unternommenen Schiffsreisen in die norwegischen Fjorde erschlossen Skandinavien schließlich für den Massentourismus, wodurch das positive Image des Nordens in die Welt getragen wurde.

Das Kolloquium setzt sich zum Ziel, die Bedeutung der Bildenden Künste für die nationale Identitätsbildung im skandinavischen Raum zu untersuchen. Aus transnationaler Perspektive sollen dabei die in der Forschung bisher nicht hinreichend erforschten Wechselwirkungen in den Beziehungen zwischen Deutschland und den Ländern Dänemark, Norwegen und Schweden Berücksichtigung finden. Themenvorschläge aus dem Bereich der Kunstgeschichte und angrenzenden Disziplinen sind willkommen.

Das Kolloquium bietet fünf DoktorandInnen oder Postdocs, deren Promotion nicht länger als fünf Jahre zurückliegt, die Möglichkeit, in einem dreißigminütigen Beitrag ihr Dissertations- oder Forschungsprojekt vorzustellen (in deutscher oder englischer Sprache). Auswärtige ReferentInnen erhalten einen pauschalen Reisekostenzuschuss in Höhe von 100,- Euro.

Bitte bewerben Sie sich bis zum 15. Dezember 2016 mit einem kurzen Lebenslauf und einem maximal 500 Wörter umfassenden Exposé Ihres Themenvorschlags unter norden@zikg.eu

Konzeption: Marie-Louise Monrad Møller M.A. , Zentralinstitut für Kunstgeschichte, München

Mehr Informationen: www.zikg.eu

- English Version -

One can say that in the field of arts, the development of peculiar national identities unfolds within a continuous process of perceptions of the self and the other. In the case of the Scandinavian countries such as Denmark, Norway and Sweden, it was particularly Germany which provided the cultural frame of reference in this process taking place in the 19th century – a reciprocal process not only sustained by the many Scandinavian artists who felt drawn to Germany’s contemporary cultural centres in Dresden or Munich, but also by a continuously growing interest into the Scandinavian countries amongst the German cultural elite.

It was not before the end of the 18th century that the meaning of “the North” as a topic of artistic and literary production – until then considered as something wild and dangerous – started to receive a more positive connotation influenced by Rousseauean thought, particular his philosophy of nature. One might thus argue that the construction of national identity in Scandinavia evolved not only in the context of developments in Germany, but also within the dialectic of the construction of a peculiar national cultural identity in each Scandinavian country and the emergence of an overarching idea of “the North”.

Until the 1850s, this reevaluation of the North started to assume shape mostly from within landscape painting. The aforementioned transnational relationship becomes evident in the case of Norwegian painter and friend of Caspar David Friedrich’s, Johan Christian Dahl (1788-1857). Culturally and intellectually socialized in Copenhagen and Dresden, Dahl crucially contributed to the development of a peculiar Norwegian national identity through his preservationist and artistic activities from outside his home country. Starting with the first world exhibition in 1851, the Scandinavian countries represented themselves abroad for the first time by sending artistic exhibits, which contributed to the consolidation of national self-images as well. At the turn of the century, it were first and foremost the ship cruises by German emperor Wilhelm II into the Norwegian fjords, that finally opened up Norway as a destination of mass tourism, ensuring the global dissemination of a positive image of the North.

The aim of this international colloquium is to look into the role of the arts within the process of the emergence of national identities in the Scandinavian countries. In particular, light will be shed on the yet under-researched transnational and reciprocal relationships between Germany, Denmark, Norway, and Sweden, which were essential in this process.

PhD-students and PostDocs in art history and related disciplines are invited to submit an abstract of max. 500 words for a 30-minute presentation by December 15, 2016. Please send your proposal including a current CV to: norden@zikg.eu

100 EUR will be available to subsidize travel expenses for non-resident speakers.

Organizer: Marie-Louise Monrad Møller M.A., Zentralinstitut für Kunstgeschichte, München

More Information: www.zikg.eu

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